Danke, sprach der Junkersknabe
Zu dem Bauern auf dem Ross,
Dass ich lebe, was ich habe,
Dank ich deinem rettend' Tross.
Wären nicht du und dein Wagen,
Läg ich tot im Walde dort:
Was der Schnitter konnt‘ nicht haben,
Hab‘ drum du für immerfort.
Da ich lebe nur durch dich,
Sei nun dir auch ganz mein Leben.
Es ist billig sicherlich,
All mein Dienst und Kraft zu geben.
Edel nenn' ich die Geschicht.
Sage: Würd‘st Du gleiches dulden?
Und bei neuem Lebenslicht
Deinem Lebensspender hulden?
Gerne, sagst Du, Überglückt
käme ich zu solchem Denken,
Treu und wacker – fast entzückt –
Leib und Herzblut zu verschenken.
Höre, Freund, dann zweite Mär,
Doch mit ernstem Unterschiede,
Nämlich wahr, nicht minder hehr,
Und von Dir – ja Dir – ein Liede:
Unter Schnee und Todesregen
Hunderte ihr Leben gaben,
Einst mit Speer, dann Schwert, dann Degen,
Hundert je an Tausend Tagen.
Du weißt nicht, wie solcher Schmerz tut,
Der Dein Volk hat übergossen,
Ozeane voller Herzblut
Sind für Dich dereinst geflossen.
Jahrzehntausende ich zähle,
Die Dein Volk bei Sturm und Plag‘ den
Hort von Blut und Geist und Seele
Harten Schritts bergauf getragen!
Dass Du lebest, – Deutscher, höre! –
Mühten, wälzten, schufen, starben
Millionen Deines Volkes,
Ungezählte Deiner Ahnen!
Aller Geist und all Dein Wollen,
Alles Blut und ganz Dein Leben
Sei darum dem großen Herzschlag
Deines deutschen Volks gegeben.
Dieses ist die kleinste Treue,
Vätergleich als Sohn zu streben,
Ahnenseel und -leib in neue
Zeit als Opfernder zu heben!
Deutsche Dichter & Denker
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