Deutsche Dichter & Denker

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Das Bächlein

Das Bächlein

Tief, so tief aus Gaias Grund
Entspringt versteckt in tiefstem Wald
Ein Born, so klar und urgesund
Und schwillt zu einem Bächlein bald

Wo kommt es her, wo geht es hin
beim schauen dieses frischen Quells
Unendlichkeit strömt in den Sinn
Und träumt durch Sand, Geröll und Fels

Man fragt sich, welchen Weg es nahm
Und welchen Weg es gehen möcht'
Mal ist es wild, dann wieder zahm
Bahnt seinen Weg durch's Moosgeflecht

Denn wie kein and'res Elixir
So wandelbar und immer gleich
Kennt keine Angst noch Bang und Zier
fließt sorglos hin durch's Erdenreich

Schon taucht die Hand in's kühle Nass
Zu nehmen einen frischen Trank
Der Wand'rer füllt ein ganzes Glas
als dankbar er gen Boden sank

Das Wasser sprach, "Ich tat es gern,
ich bin der Trank für Mensch und Tier.
Und auch für dich, kamst du auch fern,
Was gibst du mir zum Dank dafür?"

"Was kann das Wasser woll'n von mir?"
Der müde Recke dacht' bei sich
"Ich gebe ein Versprechen Dir,
Ich pfleg' und halte sauber dich!"

"Ich weiß, von allen großen Gaben,
die Allvater an uns all gesandt
vom Wasser kann ich stets mich laben
und eine Sünd', wenn es verkannt."

Das Wasser sprach: "Ich danke dir,
mein edler Auftrag ist's zu fließen
als Bächlein, See und Regenguss
die ganze Erde zu begießen."

Ein Mensch, der diesen Trunk getan,
vom frischen Nass aus tiefem Grund
Er braucht das Wasser- es nicht ihn
Vernunftgemäß aus seinem Mund

er deshalb all sein Handeln richt'
Natur zu achten immerdar
Geht nur mit Wasser, ohne nicht
Das Bächlein nun zufrieden war