Nur wer dich kennt,
Nur wer die Runen gelesen,
Die Gottes Hand in dich schrieb,
Kennt seines Lebens allgültig Gesetz.
Nur wer auf deiner Erde gelegen,
In traumloser Nacht
Die Seele den ewigen Sternen verbunden;
Nur wer in deine Erde Samen geworfen,
Wer dich umgrub mit Harke und Spaten,
Wer mit dem Pflug deinen Leib zerbrochen,
Wer dich feierte auf unendlichen Sonnenwanderungen,
Wer sein Blut in dich schüttete,
Bei der Ernte seinen Schweiß in deine Furchen geträufelt,
Nur der hat ein Recht, dich sein Eigen zu nennen,
Dich, Heimat, zu rufen,
Daß du ihr beistehst
In den Stunden der großen, unendlichen Not,
Die über die einzelnen kommt und über die Völker,
Wo sie keine Freude mehr haben und keine Hilfe,
Wo kein Heil winkt und kein Morgen;
Wo immer nur Nacht ist und Nacht,
Nacht ohne Sterne, Nacht ohne Antwort,
Wo immer nur zurückkehrt der Ruf,
Der Hilferuf, den keiner hört.
Nur wer diese Not erfahren und dich gefunden,
Deine Antwort vernommen und die Tröstung
Verspürt deiner unsäglichen Stimme,
Die Kraft empfangen aus deiner Gewalt,
Nur der darf nennen: mein Land,
Heimat und Hort seines Lebens,
Nur dem ist verstattet, daß er stolz sich bekenne
Zu dir, als Quell seines Blutes!
Jahr: 1900