Deutsche Dichter & Denker

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Der Becher

Der Becher

auf dem Straßburger Münster gedichtet

Von einem Wunderbecher
Hab' ich mit Angst geträumt,
Woraus dem durst'gen Zecher
Die höchste Fülle schäumt.
Draus sollt' ich alles trinken,
Was Erd' und Himmel bot,
Doch mußt' ich dann versinken
In einen ew'gen Tod.

Mit Wonne und mit Grausen
Hielt ich ihn in der Hand,
Ein wundersames Brausen
In seinem Kelch entstand;
Es flog an mir vorüber
Die Welt in Nacht und Glanz,
Wie regellos im Fieber
Verworr'ner Bilder Tanz.

Und als ich länger blickte,
Bis auf den Grund hinein,
Wie Blitzesflamme zückte
Mir's da durch Mark und Bein,
Und, gänzlich drin versunken,
Ward mir zuletzt zu Sinn,
Als hätt' ich schon getrunken
Und schwände nun dahin.


Jahr: 1863