Deutsche Dichter & Denker

Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige!
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Der Neger von Kurpfalz

Der Neger von Kurpfalz

Drei zogen müde über deutsche Erde,
- das große Feuer hatte ausgebrannt -,
und dachten daran, was nun kommen werde
und strebten heimwärts, möglichst unerkannt,
hier Löwenzahn gerupft am Wegesrand,
dort Brot und Suppe gar von einem Herde.

Wir schliefen im Gestrüpp, scheu wie die Diebe,
daß man uns nicht, vom Schlachtentod verschmäht,
nun doch versklavt und in die Knechtschaft triebe.
Wir ahnten, daß das Sterben weiter geht
im Hunger, der geplant. Am Wegrand öd
stand leis‘ der Tod, zu sehen, wo er bliebe.

Motorenlärm! Gefahr! Dort naht ein Wagen!
Nur ruhe jetzt, sonst schöpfen sie Verdacht!
Sie hielten an. Ein Prüfen und ein Fragen:
Entlassungsschein? Der Schwarze hat gelacht.
Und dann auf Deutsch: Papiere gut gemacht!
Sind wir entdeckt? Wir wähnten uns geschlagen.

Jedoch sieh‘ da: Er reicht‘ vom Wagen nieder
die plumpe Fälschung, die er hat erkannt,
fuhr fort auf Deutsch: Ich komme später wieder!
Ihr warten hier auf mich am Straßenrand!
Der Seinen keiner sonst, der Deutsch verstand.
Wir ließen bangend uns am Raine nieder.

Er kam zurück nach mehr als einer Stunde,
mit schwerem Sack und querfeldein, zu Fuß.
Das sein für euch!, klang es aus seinem Munde,
und Brot und Dosenfleisch und Pflaumenmus,
das türmt‘ er auf und lächelte zum Gruß,
gebleckt die weißen Zähne in die Runde.

Mein Vater war Soldat im Ersten Kriege
für German Kaiser: Immer vorwärts‚ ran!
In Afrika stand einstens meine Wiege.
Und immer sagen: German gutes Mann,
und lernen Deutsch und immer denken dran:
Mit Lettow-Vorbeck viel Askari-Siege!

Was and’re säten, uns war’s zugemessen!
Wir drückten alle seine schwarze Hand.
Und gierig schlingend haben wir gegessen.
Der Mohr, die Schuldigkeit getan, verschwand,
doch keiner von uns jemals hat das Band,
das seinen Stamm mit unserm Volk verband,
bis an das Ende seines Wegs vergessen.