Aus leeren Fensterlöchern kräuselt Rauch
und friert sich zitternd am ausgebrannten Turm hinauf.
Kein Dach mehr rings, — Mauern und sinnlose Stufen . . .
Die tote Stadt liegt blaß mit offnem Maul,
wie ein vergessner Toter in den Schützen-Nestern
des Schlachtfeldes von gestern. —
Am Gossenrand ein Gaul
mit aufgetriebenem Bauch
und steifen, starrenden Hufen . . .
Am zackig aufgeborstnen Flintenlauf,
der gestern noch dem Feinde dräute,
weht achtlos schon der Wirbelschnee von heute.
und der die Flinte trug,
schlug
langhin im rotzerwühlten Schnee,
sein Kopf hängt in des Kellers Luke nieder,
und grell verzerrt in Wut und Weh
lauscht noch der Leichnam, ob denn noch nicht alles
zermalmt in dieses Riesenfalles
Schüssen und Feuern, Mord und Brand,
ob denn n o c h Leben in dem toten Land !
Aus dem brunnentiefen Keller
klingt
ein verstohlenes Klirren, — Glas und Teller, —
und zupft die Balalaika
eines greisen Kindes Hand,
zirpt die Balalaika
durch Verwesung, Rauch und Brand, —
eine Stimme singt :
Komm, Maruschka, tanze !
Ist verbrannt dein Sarafan,
hast du noch das Hemde an,
drum, Maruschka, tanze !
Komm, Maruschka, trinke !
Stahl der Frank den Samowar,
schenkt uns Schnaps der weiße Zar,
drum, Maruschka, trinke !”
Aus leeren Fensterlöchern kräuselt Rauch —
Jahr: 1916