Er ging durch den Garten und öffnete die Haustür. In der Wohndiele hatten sich die Bewohner des Hauses um den runden Tisch versammelt. Ein großer geschmückter Tannenbaum verbreitete sein Kerzenlicht, und eine adrett gekleidete Frau schenkte aus einer großen Kanne Kaffee ein. Der Duft des Weihnachtsstollens erfüllte den Raum. Drei fast erwachsene Kinder unterhielten sich leise. Am flackernden Kamin saß ein alter Mann mit einer Katze auf dem Schoß. Als der Ankömmling zögernd durch die Tür trat, fremdartig gekleidet und voller Schnee, waren alle Augen auf ihn gerichtet. Wer mochte er wohl sein? Die Frau erkannte ihn als erste. Sie setzte die Kanne ab und ging langsam auf ihn zu, als könne sie noch nicht glauben, was sie doch mit ihren eigenen Augen sah. Dann lagen sich beide in den Armen. Beide hatten Tränen in den Augen und konnten ihr Glück nicht fassen. Langsam begriffen auch die Kinder, was geschehen war und dass der Vater heimgekehrt war, an den sie kaum noch eine Erinnerung hatten. Sie standen vom Tisch auf, um ihn zu begrüßen und ihn willkommen zu heißen. Auch der alte Mann trat nun hinzu und umarmte seinen längst verloren geglaubten Sohn. Es wurde eine lange Nacht, bis in dem Haus die Lichter ausgingen. Der Heimgekehrte musste von seinem Schicksal berichten, und seine Frau erzählte, wie sie mit Hilfe der Familie und der hilfreichen Nachbarn den Hof während seiner Abwesenheit bewältigt hatte. Den Kindern, die staunend zuhörten, tat sich in dieser Weihnachtsnacht eine neue, unbekannte Welt auf. Der Mann in der Mitte des Raumes hatte seine Erzählung beendet und verhielt noch einen Moment schweigend, als dachte er noch einmal an das, was er erzählt hatte. Die Gemeinde hatte die ganze Zeit ergriffen zugehört und begriff dann langsam, dass hier ein Mann seine eigene Geschichte erzählt hatte...
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