O, Kinderzeit! Was liegt in diesen Klängen,
Für eine wunderbare Melodie!
Wieviel Gestalten sich dazwischen drängen,
Sie spricht zum Herzen und veraltet nie!
Schmerz und Sehnsucht wird uns durchbeben,
Treibt uns das Schicksal in die Welt hinaus,
Denn was sich niemals wiederholt im Leben,
Das ist die Heimath und das Elternhaus!
Der Mond blickt silbern durch der Zweige düster,
Die Wolken jagen schnell in Himmelshöh'n;
Mir ist's, als hörte ich im Blattgeflüster,
Vergang'ner Zeiten Geisterstimmen weh'n.
Was rauscht dort zwischen Schilf und Pappelweiden,
Und drüber schwankt der Erle dunkles Grün?
Es ist das Bächlein, das in frühern Zeiten
Mir als der Erde größter Strom erschien.
Dort sah ich tief die gold'nen Sterne spiegeln,
Und dachte: Dort muß auch der Himmel sein!
Und Sonne sah ich - ach, mit goldnen Flügeln!
Und wünschte oft mich, in die Fluth hinein.
Die Wolken zogen fort mit Windesschnelle,
Das Schilfrohr rauschte schauerlichen Klang,
Und ich vernahm im Rauschen jeder Welle
Der holden Wasserelfe Nachtgesang!
Weit hinter mir, vom Zeitenflug getragen,
Liegt meiner Kindheit gold'nes Zauberland,
Und anders, wie in jenen schönen Tagen,
Geh' ich jetzt auf und ab am Erlenstrand.
Noch immer leuchtet aus den klaren Wogen
Mir sternbesä't des Himmels blauer Dom;
Doch längst schon ist das Leben fortgeflogen
Und ach! - zum kleinen Bache ward mein Strom!
Deutsche Dichter & Denker
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