O tiefes Wunder, daß in dir
Mein Leben Kraft geworden ist,
Daß du so ganz Erfüllung mir
Und Antwort meinem Wesen bist, –
Daß mein verschwiegnes frühstes Leid
Stumm weiterklagt in deinem Blut,
Vergeßne Freude fernster Zeit
Als Glanz in deiner Seele ruht!
Daß heiß dein Herz in meinem schlug,
Daß dein Geschick in meinem schlief,
Schon lange, eh mein Schoß dich trug,
Und eh ich dich beim Namen rief.
Ich bin dir nie so nah als nachts,
Wenn rings um uns das Dunkle schweigt,
Geheimnisvoll lebendig nur
Dein Atem fällt, dein Atem steigt.
Ich denke jener holden Zeit,
Da du in mir versenkt geruht,
Da unser Atem einer war
Bewegt von eines Lebens Flut.
Ich denke einer fernern Zeit,
Wenn uns die stumme Nacht umgibt:
Einst ruhn wir wieder ganz vereint
Mit allem, was wir je geliebt!
Deutsche Dichter & Denker
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