Einst, wenn Eure Kinder fragen:
Vater, wo ist der Goethe unserer Zeit?
Dann sollt ihr ihnen sagen:
Weit, weit
hinter der Düna, hinter dem Don
scharrten wir ihn in ein mooriges Grab.
Was wußten denn wir davon,
als wir ihn senkten hinab?"
Was lag an der Menschheit ew’gen Gesängen?
Wir mußten doch eine Brücke sprengen!
Das war das wichtigste unserer Zeit.
Damals weit, weit."
Einst, wenn eure Kinder fragen:
Haben wir einen Rembrandt nicht?
Mögt ihr ihnen sagen,
aber seht ihnen nicht ins Gesicht:
In Afrika drüben, in El Alamein,
gruben wir ihn in den Flugsand ein.
Wir mußten dort einige Klippen halten,
die uns mehr als Rembrandt galten!
Im Schuß er die Bergwand niederrollte,
der sein Jahrhundert beglücken wollte.
Was war denn ein Leben in jener Zeit?
Damals weit, weit?
Einst, wenn eure Kinder fragen:
Unser Beethoven, wo ist der?
Mögt ihr Alten nur müde sagen:
Den wiegt und schaukelt hin und her
die graue Welle im eisigen Meer.
Weit oben im höchsten Nord
schlug ihn die Sturzsee über Bord.
Wir hörten noch seinen letzten Schrei,
dann traf ihn vom russischen Flugzeug das Blei.
Der Sturm, der über Finnland zieht
singt ihm und orgelt in tiefen Akkorden
ewiges Schlummerlied.
Weit oben im hohen Norden -
und das wäre Beethoven geworden!
Einst, wenn Eure Kinder ergrauen,
mögen sie wohl auch Künstler schauen,
hochragend über ihre Zeit -
weit leuchtend, weit.
Doch die hingemäht waren, jene leicht Verletzlichen
sind die Unvertretbaren, ewig Unersetzlichen.
Neue Verse, neue Bilder, neue Lieder,
wie Gott sie allen Zeiten verlieh.
Aber die Großen des Volks gibt Gott nicht wieder - nie!
Jahr: 1944