Ich sitz‘ so gern in der Schenke bei lustiger Tafelrund‘,
da sitz ich gern und trinke so manche frohe Stund‘,
und wenn der Wein im Becher glüht, dann singe ich ein altes Lied:
Ich sitz‘ so gern beim Humpen, da wird das Herz mir weit
und einen alten Lumpen, so heißen mich die Leut‘.
Ein Freund war einst mein eigen, wir teilten Glück und Harm,
er ward ein feiner Herre, ich blieb mein Lebtag arm,
und wenn er nun vorübergeht, schaut er zur Seit‘, das tut mir weh.
Drum sitz ich gern beim Humpen, da wird das Herz mir weit
und einen alten Lumpen, so heißen mich die Leut‘.
Ich liebte einst ein Mädchen, das schwur mir Lieb und Treu.
Sie ging in Samt und Seide, ich schlief auf Stroh und Streu.
Was liegt daran, sie war ja reich, wenn ich auch elend bin und bleich?
Drum sitz ich gern beim Humpen, da wird das Herz mir weit
und einen alten Lumpen, so heißen mich die Leut‘.
Ich träumt in Burschentagen von meines Volkes Ehr.
Mein Volk, das war zerschlagen im Herzen tief und schwer.
Du liebes deutsches Vaterland, wie drückt mich deine Not und Schand‘.
Wie gern gäb ich mein Leben für deine Herrlichkeit,
was so ein Bursch kann geben, dazu bin ich bereit!
Sitz ich nun in der Schenke, dann träum ich manche Stund:
Da gibt mein Mädel wieder zum Kuß mir ihren Mund,
da reicht der Freund mir seine Hand und frei dünkt mich mein Vaterland.
Drum sitz ich gern beim Humpen, da wird das Herz mir weit
und einen alten Lumpen, so heißen mich die Leut‘.
Deutsche Dichter & Denker
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