O wie raunt, lebt, atmet in deinem Laut
der tiefe Gott, dein Herr; unsere Seele,
die da ist das Schicksal der Welt.
Du des Erhabenen
starres Antlitz,
mildes Auge des Traumes,
eherne Schwertfaust!
Eine helle Mutter, eine dunkle Geliebte,
stärker, fruchtbarer, süßer als all deine Schwestern;
bittern Kampfes, jeglichen Opfers wert:
Du gibst dem Herrn die Kraft des Befehls
und Demut dem Sklaven.
Du gibst dem Dunklen Dunkles
und dem Lichte das Licht.
Du nennst die Erde und den Himmel:
deutsch!
Du unverbraucht wie dein Volk!
Du tief wie dein Volk!
Du schwer und spröd’ wie dein Volk!
Du wie dein Volk niemals beendet!
Im fernen Land furchtbar allein,
das Dach nicht über dem Haupte
und unter den Füßen die Erde nicht:
Du einzig seine Heimat,
süße Heimat dem Sohn des Volkes.
Du Zuflucht in das Herz hinab,
du über Gräbern Siegel des Kommenden,
teures Gefäß ewigen Leides?
Vaterland uns Einsamen, die es nicht kennt,
unzerstörbar, Scholle dem Schollenlosen,
unserer Nacktheit ein weiches Kleid,
unserem Blut eine letzte Lust,
unserer Angst eine tiefe Ruhe:
Sprache unser!
Die wir dich sprechen in Gnaden, dunkle Geliebte!
Die wir dich schweigen in Ehrfurcht, heilige Mutter!
Jahr: 1892-1945