Deutsche Dichter & Denker

Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige!
https://t.me/deutschedichter

Im Hain

Im Hain

In kühlem Waldesdunkel entspringt ein klarer Quell,
Aus seinen Fluten funkelt,
das Sonnenlicht so hell.
Moos umschäumt die Wurzeln und ein himmelblaues Band:
Vergißmeinnicht umkränzet seinen Lauf
durchs grüne Land.

Im Schatten tiefer Zweige
ruht kühl und grau der Stein.
Die Runen versunkener Jahre gruben tief im Fels sich ein.
Ein Kranz von Wiesenblumen welket müd‘
an seinem Fuß:
von einem stillen Wand’rer
an die Götter einen Gruß.

Manch mächt’ge Baumessäule
ragt goldumglänzt ins Licht,
das sich blitzend
in tausenden Funken
an den grünen Blättern bricht.
Und der Sturmwind wird gebändigt
von der starken Kronen Macht.
Die mit tiefem,
schwerem Rauschen
diese Herrlichkeit bedacht.

Fernab der Menschenwogen, in der stillen Einsamkeit,
Schweigt das wilde Großstadttoben,
dringt kein Laut
der neuen Zeit.
Hier singt heimlich
nur ein Vogel,
summt ein Bienchen,
rauscht der Wind:
Schaukeln leise Fingerhüte und ein Zauber
webt und spinnt.

Waldesschönheit,
süße Stille,
grüner Tempel,
heil’ger Hain,
Lockst mit deiner
saftigen Fülle,
wundes Herz zu dir hinein.
Von deinem heil’gen Zauber, hab’ ich einen Hauch verspürt:
O, du götterumwallte Stätte, hast die Seele mir tief berührt!


Jahr: 1994