Wer die tiefste aller Wunden,
Hat in Geist und Sinn empfunden
Bittrer Trennung Schmerz;
Wer geliebt
was er verloren,
Lassen muss was er erkoren,
Das geliebte Herz,
Der versteht in Lust die Tränen
Und der Liebe ewig Sehnen
Eins in Zwei zu sein,
Eins im andern
sich zu finden,
Daß der Zweiheit
Grenzen schwinden
Und des Daseins Pein.
Wer so ganz in Herz und Sinnen
Konnt' ein Wesen liebgewinnen
O! den tröstet's nicht
Daß für Freuden,
die verloren,
Neue werden neu geboren:
Jene sind's doch nicht.
Das geliebte, süße Leben,
Dieses Nehmen und dies Geben,
Dort und Sinn und Blick,
Dieses Denken und Empfinden
Gibt kein Gott zurück.
Deutsche Dichter & Denker
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