Kam ein kalter Wind aus östlichen Bezirken,
schüttelte am Weg die weißen, schlanken Birken-,
dunklen, schweren Sang aus Rußlands weiten Steppen
hört' ich ihn durch meine stille Heimat schleppen,
Westwind brachte herben Ruch vom Haff und Meere
Nebel und der Regenwolken schwarze Heere, —
klang aus ihm wie wanderfroher Wellen Brausen
und gestraffter Segel helles, hartes Sausen.
So bedrängt von großen, fremden Einsamkeiten,
so verlockt von abenteuerlichen Weiten,
lagst du, Heimat, eingeengt auf schmalem Raum,
lag ich, Knabe, in des Werdens wirrem Traume,
Wärme warst du, Glück und ewig neues Wunder,
Haus und Hecke, Bank und blühender Holunder
aber hinter deinen nahen, offnen Grenzen
winkte unbekannter Länder Märchenglänzen,
Durch der Tage Fülle und geschwellte Süße
liefen ruheloser Winde wunde Füße,
riefen Sehnsucht und ein nimmermüdes Fragen,
bebte einer Daina scheu verhalt'nes Klagen.
Ach, ich ging wie blind durch deinen bunten Garten,
trug in mir ein qualvoll friedeloses Warten,
barg gespanntes Lauschen auf das Lied der Ferne,
gierig Spähen nach dem Schimmer fremder Sterne.
Aber nun, nach vieler Wege Wahn und Wirrung
und verführten Herzens Irrtum und Verirrung,
brennt in mir des Heimwehs unlöschbares Feuer,
bist du meiner Seele wieder nah und teuer.
Doch ich steh' vor deinen hart verschloss'nen Toren,
ewig bist du, Heimatland, für mich verloren,
Sturm der Zeit hat dich dem Mutterland entrissen,
und ich wandle in des Leides Finsternissen.
Jahr: 1950