Ein seltsam Befangen seiens fürwahr,
daß Sucht und Flucht sich also gar feine, reine reimen.
So sei dem innesteckend, freilich als rein möglich Sicht,
wie eines fliehend Menschen Fühlens Antlitz dünkt.
Der suchend' Mensch hat meist schon gefunden,
doch ist das Los, welch's aufgebunden,
ihm nicht wohl und Glücke spendend;
und allgemein seins Weg und Richt
ihm wahrlich nicht beliebig.
Den Allfried stiftend Lösungsweg,
den will's ihm gar nicht zeigen.
Also wird das Suchen
zu Süchten ihn verfluchen,
also wird die Sucht zur Flucht-
zur großen Flucht ihm vore
dem aufgetanen Tore.
Jen's raus aus Haderei und Zwist,
aus Mißlichkeit und Dorngerüst.
Er tut fliehen hinfort in dunkle Ecken,
hinter Riegel und Schloß, hinter Strüpp und Hecken.
Ach, und wehe dem, der da so fromme,
nach dem offenen Tore weist!
Der fällt beim sücht'gen Flücht'gen hinne
in tiefste langweil Ungnad meist.
Auch wenn es jedem Durchlaß zeigt,
so zieht's doch nicht den jen‘gen an,
für den's sich einst hat aufgetan.
Welch Eigenart ist's mit dem Mensch,
daß er nicht einfach leben kann,
sein Fried nur finden – schwerlich Werk –
hier Pflanz und Tier sind besser dran.
Deutsche Dichter & Denker
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