Wen schreckst du denn, Novembersturm?-
Im faulenden Geäst
die Maden, Larven und den Wurm!
Uns schreckst du nicht – wir stehn, ein Turm
aus Stein und Eisen fest.
Und keiner wird sich bergen,
weil rings ein Hauf von Zwergen
sich duckt ins warme Nest.
Verwelktes Laub, verdorrte Frucht,
fahrt hin, es ist nicht schad,
wer mit dem Tod zu feilschen sucht,
den hat Allvater schon verflucht,
er weist ihm keinen Pfad.
Im Zagen und Besinnen
wird jede Kraft zerrinnen,
zur Reife wie zur Tat.
Ja, gestern noch, wie war es doch,
ging die Verzweiflung um,
die einen krochen feig ins Loch,
die andern keuchten unterm Joch
demütig, krumm und stumm,
bis wir sie endlich scharten
um unsre Kampfstandarten
zu neuem Rittertum.
Wir sind ein ehernes Geschlecht
und weichen keinem aus.
Der Feind, der sich das anders dächt‘,
soll wissen: Wir sind nicht mehr Knecht
in unserm eignen Haus-
was wir mit Blut bezahlten,
das werden wir behalten
trotz Sturm und Wettergraus!
Deutsche Dichter & Denker
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