Deutsche Dichter & Denker

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Sudetenland

Sudetenland

O Heimat, Erde unsrer Jugendtage,
da alles leuchtete in Glanz und Licht,
ihr Berge, Wälder, leis durchraunt von Sage
und Märchen! Mutterlaut, der zu uns spricht
mit süßem Ton in jedem Herzenschlage!
Leid unserer Kindheit, mütterlich Gesicht,
wie bist du gramgebeugt von Schmerzen wild,
verdüstert und verhüllt, du heil'ges Bild!

Frei zogen unsre Ahnen ihren Pflug
durch deine Fluren, schafften frei und stark,
frei schwang sich auf zu hohem Geistesflug
ihr Sinn, das Auge treu und ohne Arg
sah stolz um sich und wußte nichts von Trug.
Du letzte Wacht an Deutschlands letzter Mark!
Ein frei Geschlecht, das sich vor Gott allein
nur beugte, frei und friedlich wollte sein.

Da plötzlich ward dein stilles Glück zerstört,
durch schändlichen Betrug die Freiheit dir
geraubt. Getäuscht durch Lügen unerhört
hat dich des Feindes Haß in wilder Gier
getreten und mit Letten dich beschwert.
Auf schriest Du wild und rangst die Hände irr:
Da gellten Schüsse, mordeten in Scharen
die Treuesten, die je auf Erden waren.

O Brüder, unser Blut ist da geschossen
aus tausend Wunden, hat die Heimat rot
gefärbt und hat besiegelt und beschlossen
das Bündnis zwischen uns und ihrer Not.
Harr aus, o Heimat, leid es unverdrossen
und sei gewiß, dein Leid steigt empor zu
dem Richter und dem Rächer, dessen Hand
Verräter straft. Harr aus, Sudetenland!

Sei stark im Dulden, fest und treu im Glauben:
Der Henker beugt den starken Willen nicht:
Kein Wüterich kann dir die Ehre rauben,
so lang du glaubst an Treue und an Pflicht.
Harr aus, bis einst im Donnerwort den Tauben
der Herr ihr Urteil streng und furchtbar spricht
und Deutschlands Adler seine Flügel weit
aus dehnt zu neuer Macht und Herrlichkeit!


Jahr: 1919