Hörst du die
wilden Schwäne singen
jenseits der
weißen Nebelwand?
Horch, wie die
Zauberharfen klingen
gerührt von
weiser Frauen Hand.
Hörst Du, wie das Nordmeer
an die Felsen schäumt?
Dort muß ein
heimlich Ufer sein.
Der Sage nach
dort eine Insel träumt,
mit Felsen hoch aus
rotem Stein.
Hörst Du?
Der Wind rauscht
in den Eichen.
Heilger Tempel ist der Wald.
In den rauen Rinden Runenzeichen,
dort ist der Götter Aufenthalt.
Ungezähmte weiße Pferde weiden dort.
seidig hell schimmert ihr Fell.
Denn es ist ein alter heilger Ort
am silberklar
springendem Quell.
Bernstein schmücket
edle Hallen,
Gold gleißt und Edelstein.
Hörst Du die
tiefen Luren schallen
Sie laden zum
Thing Getreue ein.
Herüber dringt jetzt nur ein leises Wispern,
manch Schicksalswort
vom Nornenborn.
Der Wind trägt herüber auch das leise Flüstern,
von schäumendem
Met im Silberhorn.
Aber die weißen Nebel hüllen
auf ewig dieses Eiland ein.
Willst du nach ihm
deine Sehnsucht stillen,
mußt du
ein Auserwählter sein.
Denn nur Wesen edel,
treu und rein,
führt das Boot
an jenen Strand.
Nur tapferen Helden,
edlen Maiden fein
zeigt sich das heilige Land.
Hinter den Nebeln
liegt verborgen,
ach, ein wunderschönes Land.
Lüge, Feigheit,
Hass und Sorgen
sind aus seinem
Reich verbannt.
Hörst du wie das Nordmeer
an die Felsen schäumt?
Dort muß ein
heimlich Ufer sein.
Der Sage nach
dort eine Insel träumt.
Das muß die Insel Thule sein!
Deutsche Dichter & Denker
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