Deutsche Dichter & Denker

Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige!
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Tyrannen

Tyrannen

Ihr habt uns des Tages das Fürchten gelehrt.
Das hat uns die Ängste gemacht.
Wir haben im Traum von der Hoffnung gezehrt,
wir träumten vom Licht in der Nacht.

Ihr seid wie der Sturm durch die Dörfer gefegt
und nichts blieb an seinem Platz.
Habt Fallen in freies Gelände gelegt.
Wir waren das Wild für die Hatz.

Ihr habt uns die Fässer und Speicher geleert,
was blieb, hat zum Darben genügt.
Dann habt ihr beflissen die Mägde entehrt.
Die hatten sich schweigsam gefügt.

Ihr nahmt auch die Frauen und Töchter zum Weib -
für einen verfluchten Moment!
Ihr tragt statt des Herzens den Teufel im Leib
und lebt vom Gewissen getrennt.

Ihr habt uns bei Tag und Nacht Beine gemacht,
wir sollten auf eignen nicht stehen.
Wir wurden zum Schlachtfeld der Kriege gebracht -
da brauchten wir einmal nicht gehen.

Ihr habt uns in stremmende Fesseln gezwängt.
Wir rissen sie alle entzwei.
Und waren gar eiserne Ketten gesprengt -
ihr bandet und schmiedetet neu!

Ihr habt unsre Nacken dem Joch anvertraut.
Die Peitsche verbat uns den Mund.
Wir wurden in finst'ren Verliesen verstaut -
zur Ehre gereicht' uns der Grund.

Ihr habt unsren Mut auf die Probe gestellt,
um unsere Ängste zu testen.
Doch ihnen hat längst sich der Zorn beigesellt -
der kontrolliert sie am besten.

Ihr habt unsrer Freiheit den Hals zugedrückt.
Euch dürstet nach unserem Blut.
Stets habt ihr die Flamme des Aufstands erstickt,
doch niemals erlischt deren Glut!

Ihr habt uns den Fuß auf das Rückgrat gestellt
und ließet die Füße euch küssen.
Da haben vor euch wie ein Hund wir gebellt.
Ihr durftet vom Wolf noch nicht wissen...

Doch irgendwann werdet die Zähne ihr spür 'n,
die beißen und reißen und schmerzen.
Dann wird sich der Wolf zu Gemüte euch führ'n
mitsamt euren teuflischen Herzen!


Jahr: 2008