Deutsche Dichter & Denker

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Weisender Singsang

Weisender Singsang

Es dunkelt im trauten geliebten Hain,
spielend säuselt im Busch am Waldesrain,
die sanft-warme Luft im Nebelkleid,
es friedet der Wald ohn‘ Schad‘ und Leid.

Ein holdes, lieblich schönes Singen,
auf zum edlen Himmel schallt,
versetzt die Welt in zartes Schwingen,
das Stimmchen warm, die Nacht so kalt.

Nicht jedem Geschöpfe im Lebensreigen,
ward‘s Vernehmen dieses Klanges zu eigen,
nur wer reinen und feinen Herzens sich erweist,
kann die Welten vernehmen, die das Stimmchen bereist.

Hör nur gut hin, was das Stimmchen dir singt,
wies vom Wind zart verwirbelt in deinem Herzen erklingt,
wie dir als sein Widerhall Baum und Blätter zuraunen,
schon manch einen konnte dies raunen erstaunen.

Rast- und ruhlos singts einem Jeden sein Lied,
am Einzelnen liegt, was mit dem gebot‘nen geschieht.
Nimmt er sich an, was ihm der Singsang riet
oder verschmähet er die Weisung und flieht.

Doch einmal den starken Ton vernommen,
wo auch immer er hergekommen,
ist seither das Flämmchen nie erglommen,
die Brücke steht - es gibt kein entkommen.

Bitte schließ Frieden mit der Stimme, jetzt und hier,
denn die Flucht vor ihr, ist die Flucht vor dir.