Deutsche Dichter & Denker

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Die Kerze

Die Kerze

Es duftet nach Tee und die Stille mir lacht
Den Docht gut gekürzt, altes Wachs rasch entfernt
Als fauchend das Zündholz die Kerze entfacht
Ich hab's ja als ganz kleines Kind schon gelernt

Mit nun leisem knistern die Kerze erwacht
Stabil ist die Flamme und wanket nur leicht
In diesem Moment hab ich an dich gedacht
Als unmerklich dünn mich ein Stimmlein erreicht

Ganz leicht an mir zweifelnd sah ich hin und her
Als magisch mein Blick auf die Kerze nun kam
Solch einen Moment kannt' ich lange nicht mehr
Und flüsternd die Stimme des Lichts ich vernahm

"Ein Mensch, der in Stille ein Kerzlein entzündet
und an einen ganz lieben Menschen gedacht,
Der seine Gedanken mit seinen verbindet
hat in sich nun wahrlich die Liebe entfacht"

Wie ist das denn möglich, wie kann das nur sein
Hat das jetzt wohl wirklich die Kerze gesagt?
Das Lichtlein jedoch setzte ein zweites Mal ein
Vertrauensvoll nun jeden Zweifel verjagt

"Du kennst mich schon ewig, ich bin schon uralt
Geschwister ich habe, Milliarden es sind.
Mal wuchtig, mal zierlich von schlanker Gestalt
Sind leuchtend verbunden auf immer, mein Kind."

Erstaunt und Ergriffen so hörte ich zu
Als in mir erwuchs ein Gedanke ganz sacht
Sie könnte doch senden lieb' Grüße im nu
Durch ihre Verbindung an sie überbracht?!

Das Licht sagte ruhig, "So scheue Dich nicht!
Und faß dir ein Herze und sage hinein
in mich, was dir aus deinem Herzen nun spricht
Im nu wird dein Verslein als Gruß bei ihr sein."

"Du lodernde Flamme", so wandte ich ein
"Du sagst es so leicht, denn ich sorge mich sehr.
Denn dort wo sie ist dringt kein Lichtlein hinein
Ein scheußlicher Ort ist's und Wachen zur Wehr."

Noch einmal die Seele des Lichts in mich drang
"Nun sorge dich nicht, denn es gibt keinen Ort
den ich nicht erreiche, vertreibe die Bang!
Ich bin wie die Wahrheit, treib Dunkelheit fort!

Das Licht steht für Wahrheit und Wahrheit fürs Licht
Entbiete die Grüße, sie seien geschickt,
wenn fauchend ihr Zündholz die Dunkelheit bricht
Und sinnlich sie in ihre Kerze nun blickt!

Man mag vieles trennen, sei's durch Pflicht oder Zwang
So bleibt doch verbunden das wackere Herz
Und dauert die Trennung mitunter auch lang
Der Tag, er wird kommen und fort ist der Schmerz!"

Nicht du bist gefangen, du Treuliebe Seele
Gefangen sind jene, die festhalten dich
Gefangen im Dunkel durch fremde Befehle
dazu noch 'im Recht', ja so fühlen sie sich

Solang sie's auch tun, sie begreifen doch nicht
Kein Beton, keine Mauer, kein Eisengeflecht
Kann sperren ein dieses dein wahrhaftes Licht
Denn Wahrheit bleibt Wahrheit und Recht immer Recht

So unbeugsam wie diese Wahrheit nun steht
So unbeugsam wollen auch wir immer sein
Und glaub mir, kein einziger Tag mehr vergeht
An dem an dich denkend ich seh' Kerzenschein