Jeder Mensch bekommt bei seiner Geburt eine kleine Werkzeugkiste mit auf den weiteren Lebensweg, Inhalt und Umfang der Kiste unterscheiden sich von Kind zu Kind. Wir nutzen sie täglich. Im Laufe des Lebens, durch Erfahrungen und Ausbildung erlernen wir unser Handwerk und unsere Ausrüstung einzusetzen; es kommt neues Werkzeug hinzu - wir spielen auf unseren Instrumenten. Der eine geht sorgsam mit seiner Kiste und pfleglich mit dem Inhalt um, ist um Mehrung seiner Fähigkeiten bedacht. Ein anderer denkt, der Koffer ist ohnehin unendlich voll, die Zange verrostet, die Säge wird zahnlos, der Hobel stumpf und der Koffer ertrinkt im Schmutz und Unrat. Am Ende seiner Tage wird letzterer feststellen, daß er nicht dazu in der Lage war, aus der Fülle seiner Möglichkeiten zu schöpfen und ein Werk zu schaffen, das ihn selbst überdauert und jenen gerecht zu werden, die ihm die Kiste vererbten. Der erste jedoch schuf aus dem kleinen Grundstock seiner Kiste, die ihm in die Wiege gelegt wurde, neues Werkzeug, daraus eine ganze Werkstatt und letztlich ein Fundament, ein Haus, eine Heimstatt, einen Ruhe- und Kraftpol, aus dem er wiederum stetig schöpfen konnte. Er fand eine Gefährtin. Sie legten ihre Werkstätten zusammen und schreinerten eine kleine Wiege. Sie suchten sich einzelne Werkzeuge aus ihren Beständen aus- und packten sie in eine kleine Werkzeugkiste
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