Es lebt ein Lied in unserm Land:
Um Einzelkampf zu ehren,
Zog Hildebrand vor Hadubrand
Zum Zank zwischen zwei Heeren.
Ach, Ahn und Erbe rückten so
Rock, Rüstwerk recht zur Fehde,
Sie hielten Helme heldenfroh
Und ritten rasch zur Rede:
Herr Hildebrand hob also an,
Als Weis’rer war er würdig,
Und frug den Feind, wess Vaterstamm
Er sei, wess Volk gebürtig.
Der trug es vor im trotz‘gen Ton:
Heiß Hadubrand, so höre!
Des Hildebrandes hehrer Sohn,
So lautet Landsmanns Lehre.
Zur Fern‘ ging vormals Vaters Gang,
Ließ Weib und wehrlos Wiege,
Odakers Arg ihn ostwärts zwang,
Dient Dieterich im Kriege.
Bei fern Gefolg und fern Gefild,
Im Heere Erster immer,
Des tapfern Teutrichs Treueschild,
Er – lanzverliebt – lebt nimmer.
Da Hildebrand das Herze stand:
Der Himmel es verhüte
Dass Blut dem Blutband eng verwandt
Zum Reckenringen riete.
Fang diesen friedlich‘ Freundschaftsring
Aus Hunnenherrschers Horte.
Doch höhnend Hadbrand Hildbranding
Warf walgewillt die Worte:
Nur Speer zu Speer und Spitz zu Spitz!
Dein Hehl und Huld ich hasse!
Du Hunne! Meinst, dein heller Witz
Lenkts, dass ich Lanzen lasse?
Von West, vom Wendelsee mir war
Des Kaufmanns klare Kunde:
Hildbrand, Herbrandes Sohn man sah
Auf Walstatt, welk der Wunde!
Welch Weh! Fünfdutzend Winter ganz
Erklang des Klügern Klage
War ich verschont bei Schlacht und Schanz,
Muss morden mich der Mage?
Wähnst schon Gewinn im Wettestreit
An Balg und Brünn, wies Sitte?
Oh Unheil! Enden wird’s im Leid!
Soll Sohn ich sehren, Sippe?
Doch wer nun Waffen dir verwehrt,
Nie fänd der Feigling Frieden.
So scheide, gutes Schicksalsschwert
Den Sieger vom Besiegten!
Da barsten Bannergere bald,
Sie missten jede Milde.
Gefährlich grub mit Grimmgewalt
Sich Schwert in schwere Schilde.
Ein arges Ende ahnt das Herz,
Scheu schweigen die Geschichten.
Wer kann denn ohne schlimmsten Schmerz
Von diesen Dingen dichten?
Jahr: 830