Sonne kündet
der Biikefeuer Brand.
Frühling wird es.
Boote klar!
Hinab zum Strand!
Warmer Wind
bricht endlich das Eis.
Ruder, sie rauschen,
das Segel fasst der Wind,
pfeilschnell entschwunden
die Drachenboote sind,
denn das Fernweh
brennt so heiß.
Ungezählte Wellen
brausen an das Land.
Heimliche Tränen
tropfen in den Sand
und die Jahre zieh‘n dahin.
Mädchen und Knaben,
die den Vater nie gekannt,
sie kommen täglich
zum Spielen an den Strand.
In den Haaren spielt der Wind.
Kehrreim:
Warum müsset ihr Männer
nur so rastlos sein?
Warum laßt ihr uns Frauen
nur so oft allein?
Sieben harte Winter,
sieben mal die Not.
Pflügen und Säen
und Ernten für das Brot.
Doch die Boote bleiben fern.
Tapfere Frauen schreiten hinter Pflug und Pferd.
Zarte Mädchenhände
greifen mutig
auch zum Schwert.
Und nie sank ihr Hoffnungsstern.
Einsame Nächte
sind dunkel, sind so kalt.
Silberne Wellen,
o bringt sie uns nur bald
denn die Angst
zerfrißt uns die Brust.
Rans Töchter locken
doch mit wiegenden Armen,
ziehen den Wiking
in die Tiefe ohn‘ Erbarmen,
graue Wogen
mit tötlicher Lust.
Kehrreim:
Warum müsset ihr Männer
nur so rastlos sein?
Warum laßt ihr uns Frauen
nur so oft allein?
Wieder ein Morgen –
wie die Wellen sich wiegen–
Boote in Sicht!"
Haar und Röcke sie fliegen.
Alles läuft jubelnd zum Strand.
Sturmschnelle Boote zerschneiden die Wellen,
bärtige, wettergebräunte Gesellen
springen freudig
grüßend an Land.
Lachen und Rufen,
und freudiger Trubel,
nur eine Frau
steht noch stumm
in dem Jubel
fragend blickt ihr Sohn
sich noch um.
Mutter, ist Vater nicht
unter den Mannen?
Mutter, er segelte
doch mit vondannen!
Sage, Mutter, sag‘ mir: Warum?"
Kehrreim:
Warum müsset ihr Männer
nur so rastlos sein?
Warum laßt ihr uns Frauen
nur so oft allein?
Wieder begrüßen
die Feuer den Morgen.
Wieder steh‘n Recken
an hölzernen Borden.
Wieder geht's heute auf Fahrt.
Mutter, ich will nun die Wikingfahrt wagen,
und Vaters blitzendes Schwert werd ich tragen,
denn ich bin doch
ganz seiner Art."
Lächelnd streicht sie ihm noch über die Haare.
Fahre, mein tapferer Junge, so fahre!"
und die Boote stechen in See.
Er sieht die Mutter noch winkend dort stehen,
aber er sieht nicht mehr
die heißen Tränen,
die Verzweiflung,
den Kummer,
das Weh."
Kehrreim:
Warum müsset ihr Männer
nur so rastlos sein?
Warum laßt ihr uns Frauen
nur so oft allein?
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