Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!
Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:
'Der Werwolf' - sprach der gute Mann,
'des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
den Wenwolf, - damit hat's ein End.'
Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, daß er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch 'Wer' gäb's nur im Singular.
Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Auch wenn mich keiner hört. Ich rufe.
Vielleicht kommt doch einmal die Stufe,
von der ein Windhauch meinen Laut
in eine wache Seele taut.
Vielleicht, vielleicht – ich weiß es nicht.
Und doch bleibt mir das Rufen Pflicht.
Kampf ist das Gesetz des Wachstums.
Der Charakter entwickelt sich in den Stürmen des Lebens und bekommt seine stärkste Bestätigung durch Zwang, Verantwortung und Leiden.
Selbst der Schmerz hat seinen tiefen Sinn und Zweck, um körperliche und gesellschaftliche Gebrechen erkennen zu können.
Es gibt nichts Großes ohne Leidenschaft!
Wie herrlich ist es, nichts zu tun
und dann vom Nichtstun auszuruhn.
Du hast es schwer, denn Du denkst verkehrt,
Du hast nicht die Meinung, die man gerne hört.
Deine Meinung ist riskant, das weißt Du schon,
oft sind Schwierigkeiten der bittere Lohn.
Das Leben ist hart, doch Du bist härter,
auch wenn wieder mal alles gegen Dich spricht.
Deutscher Nationalismus ist das Zeichen der Zeit,
für den Kampf um Dein Land bist Du bereit.
Deine Meinung ist nicht bequem, sie ist nur ehrlich;
sie macht Dich hart, denn sie ist so gefährlich.
Der Nationalismus ist Dein gewählter Weg;
der Weg, der bald wieder seine Früchte trägt.
Patrioten werden geboren, um die Gedanken fortzuführen;
es sind die Gefühle, die Du tief in Dir spürst.
Voll Friede und Freiheit soll unsere Zukunft sein;
einer für alle, denn Du kämpfst nicht allein!
Jedes Volk,
das in Knechtschaft liegt,
hat an den Ketten,
die es umfangen,
selber mitgestrickt!
Wir, die Unsterblichkeitsgläubigen finden uns historisch in guter Gesellschaft:
Es hat keinen epochalen Menschen gegeben, der nicht den Glauben an Allmacht und Unsterblichkeit besessen hätte!
Jahr: 1859-1922
Tischsprüche
Die Tugend besiegter Völker ist die Geduld, nicht die Resignation!
Längst bevor ich alles hatte
Haus, Hof, Kinder, Mann und Katz
wünscht’ ich mir ‘ne Hängematte
als allerliebsten Lieblingsplatz.
In ihr wollt’ ich schwebend träumen
wollt' vergessen Raum und Zeit
wollt’ sanft schaukeln unter Bäumen
und schauen in die Ewigkeit.
Manch ein Glück hab ich gefunden
war's der Gatte, war’s mein Schatz
doch die allerschönsten Stunden
schenkte mir mein Lieblingsplatz.
Trunken müssen wir alle sein!
Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;
Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,
So ist es wundervolle Tugend.
Für Sorgen sorgt das liebe Leben,
Und Sorgenbrecher sind die Reben.
Unbekannt
Der Frühling ist gekommen
Nach langer Winterszeit,
Das Eis ist fortgeschwommen,
Kein Weg ist mehr verschneit.
Die Lerchen singend schweben
Ob frisch ergrünter Flur,
Ringsum ein blühend Leben
Und neuen Schaffens Spur.
Ich weiß nicht was geschehen
In meiner eignen Brust?
Nie konnt ich so verstehen
Des Werdens ganze Lust.
Ein jubelndes Entzücken
Mich immer mehr erfüllt:
Was Glück ist – was Beglücken
Das wird mir jetzt enthüllt.
Die Liebe ist gekommen
Mit aller ihrer Macht!
Ihr Weckruf ward vernommen
Wie ich es nie gedacht.
Und aller Vöglein Lieder
Sie tönen in mir auch
Und Alles klinget wieder
Wie Offenbarungshauch!
Jahr: 1819-1895
Der Riese schläft. Er hat die Heimatberge
mit starker Faust seit alter Zeit bewacht.
Der Riese schläft. Ihn haben list‘ge Zwerge
durch Zaubertränke wirr und krank gemacht.
Da ist der Feind in's Land hereingekommen:
Der hat den alten Riesen tot geglaubt,
hat seine Keule heimlich ihm genommen,
hat ihn geplündert und ihn ausgeraubt.
Doch eines Morgens wird das Licht ihn wecken,
wenn alles Gift dem mächt'gen Leib entfloh'n;
dann wird er wieder seine Glieder recken,
der Heimatberge Wächter und ihr Sohn.
Und wenn er dann im Glanz der jungen Strahlen
in die geliebten Täler niederschaut:
Wehe den Feinden, die die Keule stahlen,
und weh den Zwergen, die den Trank gebraut!
Krieg, Krieg!
Und Krieg!
Führen wir doch endlich Krieg mit unseren eigenen Miserabilitäten, unseren Schwächen und Unvernünftigkeiten!
Den Feind in uns, Stupidität, Gewohnheit, Luxus, Vorurteil, innere Feigheit und Verlogenheit, müssen wir bekriegen!
Jahr: 1859-1919
Später, nach der mittäglichen Werbepause für unsere Tischsprüche, erfolgt die Auflösung mit weiteren Erläuterungen!
Unbekannt
Tischsprüche
Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Toten!
Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und in den heiligen Gluten,
Die den Armen die Liebe schürt,
Atmen sie auf und erwarmen,
Und genießen zum letzten Mal
Ihr verglimmendes Leben.
Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Toten!
Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und wenn du dich erkältend
Ihnen verschließest, erstarren sie
Bis hinein in das Tiefste.
Dann ergreift sie der Sturm der Nacht,
Dem sie, zusammengekrampft in sich,
Trotzten im Schoße der Liebe,
Und er jagt sie mit Ungestüm
Durch die unendliche Wüste hin,
Wo nicht Leben mehr ist, nur Kampf
Losgelassener Kräfte
Um erneuertes Sein!
Seele, vergiß sie nicht,
Seele, vergiß nicht die Toten!
Wach auf, Deutschland!
Ist hohe Zeit,
Du wirst sonst übereilt,
Die Straf' dir auf dem Halse leit,
Ob sich's gleich jetzt verweilet.
Fürwahr, die Axt ist angesetzt
Und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
Was gilt's, ob sie dein fehlet!
Jahr: 1496
Eine perversere Gesellschaft kann es eigentlich gar nicht geben:
Ein Täter wird mit Tarnkappe "Im Namen des Volkes" vor die Schranken des Gerichtes gestellt, das Opfer "Im Namen der Informationspflicht" vor den Augen des Volkes nackig gemacht!
Ihr habt uns nicht gekannt!
Wohl schlicht ihr lang um unser Haus
Und spähtet jeden Winkel aus,
Ihr wolltet uns berennen
Und meintet uns zu kennen —
Ihr habt uns nie und nie gekannt!
Ihr wußtet viel von Zahl und Plan;
Nun merkt, damit ist nichts getan.
Was frommt euch alles Gaffen
Auf unsre blanken Waffen?
Ihr habt uns dennoch nie gekannt!
Ihr hieltet tags und nachts das Ohr
An unsres guten Hauses Tor,
Ihr hörtet einen jeden
Nach seinem Kopfe reden
Und habt uns dennoch nie gekannt!
Es ist kein Haus der Welt gefeit
Vor Bruderzank und Glaubensstreit.
Ihr hörtet unser Zanken
Und saht, woran wir tranken,
Und habt uns dennoch nie gekannt!
Der Deutsche nur mag recht verstehn.
Auf deutschen Herzens Grund zu sehn.
Zum Blick ins Herze taugen
Bei uns nur reine Augen —
Darum habt ihr uns nie gekannt!
Ihr saht der Flamme Ruß und Rauch
Und meintet drum, die Flamme auch
Auf unserm Herd zu kennen.
Nun seht, wie hell wir brennen!
Ihr habt uns nie und nie gekannt!
Mordbrenner unsres Heiligtums!
Als Fackelträger deutschen Ruhms
Steht ihr mit roten Bränden
In euren Räuberhänden
Und fühlt: ihr habt uns nie gekannt!
Jahr: 1917
Weil Zeit zum Denken
und Ruhe im Denken fehlt,
so erwägt man abweichende
Ansichten nicht mehr:
man begnügt sich,
sie zu hassen.
Was du weißt, das für mich fremd,
ich hör dir zu, ganz ungehemmt.
Ich weiß etwas aus meinem Sinn,
drum weise ich auf Wissen hin.
Sanft teilen wir einander Wissen,
Lernfähigkeit werd's nie vermissen.
So wie du mir und ich dir,
lernen wir durch Wissbegier.
Erfassen Wort mit gut Ge-Wissen,
Blockaden, Sturheit lang zerrissen.
Nicht alles weltlich wir könn speichern,
doch mit viel Wissen Geist bereichern!
Tischsprüche
Laßt Lügner lügen! — Die Lüge stirbt.
Einst kommen bessere Tage,
wenn unsere Zeit den Enkeln erscheint
wie eine verklungene Sage.
In unserem Bund ist die Lüge tot.
Wir schauen durch Nacht schon ins Morgenrot
und bereiten den Weg und fürchten uns nicht.
Vorwärts zur Wahrheit! Vorwärts zum Licht!
Alle Kraft des Menschen wird erworben durch Kampf mit sich selbst und Überwindung seiner selbst!
Jahr: 1762-1814
Die zwei obersten Grundsätze:
Was das Volk nicht weiß, macht das Volk nicht heiß.
Was man dem Volk dreimal sagt, hält das Volk für wahr!
Jahr: 1777-1811
Ich soll! Ich kann! Ich will! – die Fessel ist zerbrochen!
Erheb' uns, Pflichtgesetz, du hast mich freigesprochen!
Notwendigkeit, dein Sklav' streift deine Fesseln ab!
Und schaut, ein Geist, ein Held, ein Gott auf dich herab!
Jahr: 1758-1818
Es ist nachgerade zum öffentlichen Geheimnis geworden, daß das Leben des deutschen Volkes sich gegenwärtig in einem Zustande des langsamen, einige meinen auch des rapiden Verfalls befindet!
Tischsprüche
Allgewaltig, allzermalmend
Donnert die Lawine hin,
Eine zarte, weiche Flocke
War sie im Beginn.
Und das Weh, das mich zertrümmert,
Das entsetzliche Geschick,
War im Anfang nur ein stiller,
Kaum verstandner Blick!
Wer Opfer heut
Zu bringen scheut,
Verdient erst seine Bande.
Der Wald ist frei!
Das Holz herbei,
Und schichtet es zum Brande!
Doch bleiben wir
Im Buschrevier
Am Tage noch im stillen,
Und Männer stellen wir zur Hut
Um eurer Sorge willen.
Dann aber laßt mit frischem Mut
Uns unsre Pflicht erfüllen!
Freund, wer ein Lump ist, bleibt ein Lump,
Zu Wagen, Pferd und Fuße;
Drum glaub' an keinen Lumpen je,
An keines Lumpen Buße!
Was hat die Welt für wahre Freude,
Ist alles, was sie gibt, nicht Schein?
Ist nicht ihr Glück ein schwach Gebäude,
Das über Nacht vielleicht stürzt ein?
Wer den Blick nie ins Weite,
Unendliche lenkt,
wird kurzsichtig,
und wer immer nach den Wolken guckt,
stolpert über die Steine!
Jahr: 1862-1924
Tischsprüche
Das Glück, das immer vor mir schwand,
Das ich verfolgte sonder Ruh', –
Erreicht nun hab ich's ganz erkannt:
Das Glück – bist du! –
Jahr: 1834-1912
Daß Leute, die so erstaunlich lesen, oft so schlechte Denker sind, kann seinen Grund ebenfalls in der Beschaffenheit unseres Gehirns haben. Es ist ja wahrhaftig nicht einerlei, ob ich einen Satz ohne Mühe lerne, oder ob ich selbst nach meinem System endlich darauf komme. Beim letzteren hat alles Wurzeln, beim ersteren ist es bloß angeklebt.
Wenn der uralte
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät,
Küß ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Treu in der Brust.
Denn mit Göttern
Soll sich nicht messen
Irgendein Mensch
Hebt er sich aufwärts
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.
Steht er mit festen,
Markigen Knochen
Auf der wohlgegründeten,
Dauernden Erde,
Reicht er nicht auf,
Nur mit der Eiche
Oder der Rebe
Sich zu vergleichen.
Was unterscheidet
Götter von Menschen?
Daß viele Wellen
Vor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom:
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die Welle,
Und wir versinken.
Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sich dauernd
An ihres Daseins
Unendliche Kette!
Jahr: 1749-1832
Von lauter Geiste die Natur durchdrungen,
Wie würde sie nicht durch den Geist bezwungen?
Wenn sich getrennte Kräfte wiederkennen,
Auf ein Erinnrungswort entbrennen,
Die Krankheit weicht, das Blut sich plötzlich stillt:
Sie leugnen's, ob es gleich, du weißt, kein Wunder gilt.
Laß die Schwachmatiker nur immer räsonieren,
Und rechn' es ihnen allzu hoch nicht an!
Denn, wenn sie Gott und die Natur bornieren -
Es streckt sich keiner länger als er kann!
Jahr: 1804-1875
Aus vergangener Zeit,
aus gelebtem Leid,
aus Not und Darben,
aus Ährengarben,
aus Hunger und Sorgen
wächst unseres Volkes
ewiger Morgen!
Der göttliche Baumeister der Erde hat die Menschheit nicht geschaffen
als ein gleichförmiges Ganzes.
Er gab den Völkern verschiedene Blutströme,
er gab ihnen als Heiligthum ihrer Seele ihre Muttersprache.
Der Geiz differiert gar wenig vom Stehlen
Ich habe mir den Abend, ach, so wundervoll gedacht,
jedoch das Schicksal hat ihn mir komplett kaputtgemacht.
Der Himmel hängt voll grauer Tränensäcke.
Ein Windbeinkleid pfeift stürmisch um die Ecke.
Die Zitterpappel zittert mit dem Hinterteil.
Die Trauerweide grüßt mich: Trauerweidmannsheil!
Es schluchzt die Nachtigall beim Mondenscheine,
sie klagt so über Nachtigallensteine.
Auch die Glühwürmchen funktionieren nicht,
dieweil es ihnen an dem Hinterlicht gebricht.
Und dann die Mücken - Mücken -, nichts als Mücken.
Man soll's nicht glauben, wie die Mücken jücken.
Sogar der gute Mond nimmt ab - statt zu,
und über allen Wipfeln ist mehr Un- als Ruh.
Im Teiche höre ich die bösen Unken unken.
Es klingt, als lachten sie mich aus, diese Halunken.
Doch tröst ich mich: O armes Herz, verzage nicht.
Der Esel geht so lang zum Brunnen, bis er bricht.