Allwo ich Blick und Sinn lass schweifen,
seh ich Früchte, die noch reifen,
seh ich laut’res Menschensein,
seh ich Lauterkeit urfein.
Wider dieses hold Empfinden,
weiß, im Innern zweiend, ich:
Selbstgewalt in Allen finden,
ist ein schwerlich Werk in sich.
Zarte Wesen dergestalt,
wo schöpferliebe widerhallt,
wo Schönheitssinn in vollster Pracht,
das Antlitz schmückt- die Anmut macht.
Das Aug verfällt dem Trug gefach,
so ist, trotz äuß’rem Wohlgefall,
manchmal trotz schönem Schein hernach
die Frucht zwar süß, der Kern doch gall.
Zorngegrämt gewahre ich,
Trübsicht fest als Wesenskern.
Lebensweisheit läut’re mich-
fege mir den Miesblick fern!
Arm wird matter, Stirn wird bleicher,
Balde reißt des Lebens Faden,
Grabt ein Grab mir auf dem Speicher,
Auf der Walstatt meiner Taten!
Fester Kämpe, trug die ganze
Wucht ich hitzigen Gefechtes:
Senkt mich ein mit Schild und Lanze
Als den Letzten des Geschlechtes.
Als den letzten, – o die Enkel,
Nimmer gleichen sie den Vätern,
Kennen nicht des Geists Geplänkel,
Ehrbar sind sie, steif und ledern.
Ledern sind sie und langweilig,
Kurz und dünn ist ihr Gedächtnis;
Nur sehr wen'ge halten heilig
Ihrer Ahnherrn fromm Vermächtnis.
Aber einst, in fernen Tagen,
Wenn ich längst hinabgesargt bin,
Zieht ein nächtlich Katerklagen
Zürnend über euren Markt hin.
Zürnend klingt euch in die Ohren
Hiddigeigeis Geisterwarnung:
"Rettet euch, unsel'ge Toren,
Vor der Nüchternheit Umgarnung"!