In deinem Lande sei einheimisch klug,
im Fremden bist du nicht gewandt genug!
Jahr: 1749
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
In deinem Lande sei einheimisch klug,
im Fremden bist du nicht gewandt genug!
Wir sind das Volk der Dichter,
Ein jeder dichten kann,
Man seh’ nur die Gesichter
Von unser einem an.
Der Schelling und der Hegel,
der Schiller und der Hauff,
das ist bei uns die Regel,
das fällt hier gar nicht auf!
Held mit blonden Haaren
Und dem schweren Schwert!
Wir waren, ach wir waren
Deiner Tat nicht wert.
Mannhaft vor dem Feinde,
Fallend noch opfergroß:
So nicht im Schoß der Freunde
Fiel uns das schwere Los.
Wir schlugen uns zu Stücken,
Ehrgier, Wurmsucht, Neid.
Gegen die Speere im Rücken
Ist keiner gefeit.
Immer ersteht dem lichten
Siegfried ein Tronje im Nu.
Weh, wie wir uns vernichten
Und das Reich dazu!
Ihr müßt das Herz an eine Karte wagen,
Die Ruhe über Wolken ziemt euch nicht;
Ihr müßt euch mit in diesem Kampfe schlagen,
Ein Schwert in eurer Hand ist das Gedicht.
Alle klingenden Schätze magst Du vergeuden -
Wenn Du nur eins nicht vergeudest - die eilende Zeit!
Fülle die Stunden Dir randvoll mit Taten und Freuden -
Keine behänge mit Flittern der Nichtigkeit!
Denn wie ein Traum nur, aus dem wir zufrühe erwachen
Ist unser Leben... und währte es hundert Jahr!
Über den Strom des Vergessens entführt uns der Nachen,
Kaum, daß wir schauernd der herbstlichen Neige gewahr...
Siehe der Bäume gesegnetes Blühen und Tragen!
Erdenwanderer, blühe und trage wie sie!
Dann mag getrost einst der große Ernter Dich fragen,
Ob Dir Dein Dasein zu heiliger Fülle gedieh'!
Siehst Du, wie über Dir der Himmel sich wölbt, der Himmel, unter dem Du lebst, die Bahn der Sonne vom Morgen zum Abend und nachts der Gestirne Stand und Weg? Kennst du den Sturm, der von Norden her graue Wolken wälzt über die schauernde Erde, und kennst Du den sanften Hauch, der sommerabends leise in den Blättern spielt? Siehst Du die Eiche, wie sie kahl starrt im Winter, grünend zum Frühling und gilbend zum Herbst, allzeit verändert und allzeit vertraut, – siehst Du, wie die Meereswogen gleich schäumenden Rossen einherstürmen und brüllend am Steindamm sich bäumen, und siehst Du, wie das Flüßchen sanft durch eine grüne Au sich windet? Hörst Du die Sprache, darin du die ersten Worten lalltest, darin Du denkst und Deinen Glauben und Deine Liebe hegst, – hörst Du den Ton der knarrenden Türe in Vaters Haus, Dir seit der Kindheit vertraut, und hörst Du alljährlich den Schrei der ziehenden Wildgänse? Kennst Du das Gold des späten Abendsonnenglanzes, der das Sommerland, zaubrisch verwandelt, zu letztem Tagesblick erschließt, und kennst Du den tausendfachen Widerschein der Winterfrühsonne auf harschem Schneefeld? Weißt Du, wie nach Frühlingsregen die Scholle dampft vor heiliger Fruchtbarkeit, – weißt Du, wie der süße Sommerduft über dem blühenden Kornfeld steht, und weißt Du, wie die blauen Kornblumen leuchten im goldreifendem Felde? Kennst Du das alles, fühlst Du es? Es ist alles ein Stück von Dir, es ist in Dir Blume und Baum und Kornfeld, Strom und Meer und Sturm und Abendsonnenschein, es ist in Dir die frische Scholle und die grünende Wiese, das Schneefeld, der Schrei der Wildgänse und die jagenden Wolken im Herbststurm, das Lächeln der Mutter wie Sprache und Art Deines Volkes. – Du lebtest und wuchsest, und alles war in Dir, schon von den Vätern her, von deren Blute Du bist. Mensch, das alles ist Heimat – wahre die Heimat in Dir! Stark und gut bist Du, Heimatmensch, und trägst das Leben, – schwach und erbärmlich ist der Mensch ohne Heimat!
Zwei Knaben wollten Schach ziehen. Weil ihnen ein Springer fehlte, so machten sie einen überflüssigen Bauern durch ein Merkzeichen dazu. "Ei", riefen die anderen Springer, "woher Herr, Schritt vor Schritt?" Die Knaben hörten die Spötterei und sprachen: "Schweigt! Tut er uns nicht eben die Dienste, die ihr tut?"
Was ist die Heimat? Ist’s die Scholle,
Drauf deines Vaters Haus gebaut?
Ist’s jener Ort, wo du die Sonne,
Das Licht der Welt, geschaut?
Die Heimat ist, wo man dich gerne
Erscheinen, ungern wandern sieht:
Sie ist’s, ob auch in weiter Ferne
Die Mutter sang dein Wiegenlied!
Anders sein und anders scheinen,
Anders reden, anders meinen,
Alles loben, alles tragen,
Allen heucheln, stets behagen,
Allem Winde Segel geben,
Bös’ und Guten dienstbar leben;
Alles Tun und alles Dichten
Bloß auf eignen Nutzen richten:
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen!
Völker verrauschen,
Namen verklingen,
Finstre Vergessenheit
Breitet die dunkelnachtenden Schwingen
Über ganzen Geschlechtern aus.
Aber der Fürsten
Einsame Häupter
Glänzen erhellt,
Und Aurora berührt sie
Mit den ewigen Strahlen
Als die ragenden Gipfel der Welt!
Heilig ist der Wald,
Des Volkes Freund!
Wer ihn zerstört
Des Lebens Feind!
Freiheit schenkt der Wald
Und Lebenslust!
Gesundung auch
Der Menschen Brust!
Frieden schenkt der Wald
Der Stadt, dem Land!
Waldeinsamkeit,
Die Zwietracht bannt!
Schützt den Wald
Und fordert vereint:
Hände davon,
Gleich wie gemeint!
Heilig ist der Wald,
Des Volkes Freund!
Wer ihn zerstört
Des Lebens Feind!
Der Maurer schreitet frisch heraus,
er soll dich niederbrechen;
da ist es mir, du altes Haus,
als hörte ich dich sprechen:
Wie magst du mich, das lange Jahr′
der Lieb′ und Eintracht Tempel war,
wie magst du mich zerstören?
Dein Ahnherr hat mich einst erbaut
und unter frommem Beten
mit seiner schönen, stillen Braut
mich dann zuerst betreten.
Ich weiß um alles wohl Bescheid,
um jede Lust, um jedes Leid,
was ihnen widerfahren.
Dein Vater ward geboren hier
in der gebräunten Stube,
die ersten Blicke gab er mir,
der munt′re, kräft′ge Bube.
Er schaute auf die Engelein,
die gaukeln in der Fenster Schein,
dann erst auf seine Mutter.
Und als er traurig schlich am Stab
nach manchen schönen Jahren,
da hat er schon, wie still ein Grab,
in meinem Schoß erfahren;
In jener Ecke saß er da,
und stumm und händefaltend sah
er sehnlich auf zum Himmel.
Du selbst - doch nein, das sag′ ich nicht,
ich will von dir nicht sprechen,
hat dieses alles kein Gewicht,
so laß nur immer brechen.
Das Glück zog mit dem Ahnherrn ein,
zerstöre du den Tempel sein,
damit es endlich weiche.
Noch lange Jahre kann ich stehn,
bin fest genug gegründet,
und ob sich mit der Stürme Wehn
ein Wolkenbruch verbündet,
kühn rag′ ich wie ein Fels empor,
und was ich auch an Schmuck verlor,
gewann ich′s nicht an Würde?
Und hab′ ich denn nicht manchen Saal
und manch geräumig Zimmer?
Und glänzt nicht festlich mein Portal
in alter Pracht noch immer?
Noch jedem hat′s in mir behagt,
kein Glücklicher hat sich beklagt,
ich sei zu klein gewesen.
Und wenn es einst zum letzten geht,
und wenn das warme Leben
in deinen Adern stille steht,
wird dies dich nicht erheben,
dort, wo dein Vater sterbend lag,
wo deiner Mutter Auge brach,
den letzten Kampf zu streiten?
Nun schweigt es still, das alte Haus;
mir aber ist′s, als schritten
die toten Väter all heraus,
um für ihr Haus zu bitten,
und auch in meiner eig′nen Brust,
wie ruft so manche Kinderlust:
Laß stehn das Haus, laß stehn!
Indessen ist der Mauermann
schon ins Gebälk gestiegen,
er fängt mit Macht zu brechen an,
und Stein′ und Ziegel fliegen.
Still, lieber Meister, geh von hier,
gern zahle ich den Taglohn dir;
allein das Haus bleibt stehen.
Auch auf dem Schachfeld mit dem Jüngeren macht Ernst eine gute Figur.
So wie das Zerstören des edleren Pflanzenwuchses ein Land auf ewig zur verbrannten Wüste machen kann, so wird sich auch ein zu übel misshandeltes Volk nie mehr erholen.
Es gibt (wenigstens scheinbar) absolut zerstörende Mächte, unter deren Hufschlag kein Gras mehr wächst!
Frei sein, heißt denken, reden und handeln, wie die Notwendigkeit es will, – und seine Not zu wenden, weiß, wer solcherweise Freiheit sich erwirkt!
Nur einmal bringt des Jahres Lauf
uns Lenz und Lerchenlieder.
Nur einmal blüht die Rose auf,
und dann verwelkt sie wieder;
Nur einmal gönnt uns das Geschick
so jung zu sein auf Erden:
Hast du versäumt den Augenblick,
jung wirst du nie mehr werden.
Drum lass von der gemachten Pein
um nie gefühlte Wunden!
Der Augenblick ist immer dein,
doch rasch entfliehn die Stunden.
Und wer als Greis im grauen Haar
vom Schmerz noch nicht genesen,
der ist als Jüngling auch fürwahr
nie jung und frisch gewesen.
Nur einmal blüht die Jugendzeit
und ist so bald entschwunden;
und wer nur lebt vergangnem Leid,
wird nimmermehr gesunden.
Verjüngt sich denn nicht auch Natur
stets neu im Frühlingsweben?
Sei jung und blühend einmal nur,
doch das durchs ganze Leben!
Erwachst du endlich aus dem Todesschlummer,
Heimath des Hermann, Marbod, Wittekind?
Wird endlich Grimm das Grämen, Zorn der Kummer?
Verräth die Zunge, wie die Brust gesinnt?
Ja, du erwachst! du sprengst die Kette,
Du raffst dich auf voll Scham und Schmerz;
Der Kinder Angstruf: Rette! Rette!
Zerreißt dein Ohr und schwellt dein Herz!
Die große Wend’ in ihrem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf!
Mit wuchtigen Knien,
Von Krähen umschrien,
Im Dunst seiner Pferde,
Die Fäuste am Sterz, –
Samt Pflugschar und Rossen
Selbst bodenentquollen,
Stampft er jetzt die Schollen
Und zwingt in die Erde
Sein reißendes Herz.
Die Brache umbrechen,
Heißt Kräfte lossprechen,
Die Erde braucht Hände,
Zu lösen ihr Herz.
Mann, Pflugschar und Rosse,
Von Erde genommen,
Zur Erde gekommen,
Gestalt und Gelände
Im dampfenden März!
Die Natur hat uns das Schachbrett gegeben, aus dem wir nicht hinauswirken können, noch wollen, sie hat uns Steine geschnitzt, deren Wert, Bewegung und Vermögen nach und nach bekannt werden; nun ist es an uns, Züge zu tun, von denen wir uns Gewinn versprechen.
Nicht die Freiheitlichen sind die Schädlinge der Demokratie. Wir sind das Schädlingsbekämpfungsmittel! Bei uns regieren die Rothäute und die Schwarzen - und nicht wie üblich, daß sie in den Reservaten leben.
Tief im Winter hör' ich's gerne,
Eh' die Sonn' hervorgewallt,
Wie durchs Dunkel aus der Ferne
Eine Morgenglocke schallt.
Im August, wenn Donner rollen,
Freut mich's wie die Windfahn' ächzt,
Und im Herbst, wenn auf den Schollen
Abends spät ein Rabe krächzt.
Doch was kann mein Herz erweitern
Wie der erste Finkenschlag,
Wie der Lerche Lied am heitern,
Wundervollen Frühlingstag?
Die Menschen, die am lautesten von Vielfalt sprechen,
sind meist die Einfältigsten.
Und mit ihrer Begeisterung für Vielfalt ist sofort Schluß,
wenn sie auf einen Menschen mit anderer Meinung treffen.
Seedrachenbrut, aus altem Sagenhorte
Zur Welt gekehrt, so früh enteilst uns du?
Wo rastet jetzt dein Kiel? Welch‘ stillem Porte
Fuhrst du nach märchenhaften Siegen zu?
Viel edle Jugend sank, zu Riesengarben
Band sie der Tod. Wir neigten still das Haupt.
Daß Weddigen und seine Schar verdarben,
Das wehrte Gott, es lästert, wer es glaubt!
Sie leben, flüstert's leis wie Blätterwehen,
Sie leben – auf geheimnisvoller Fahrt
Tief untersee, von keinem Strahl gesehen,
Zu Taten ohnegleichen aufgespart.
O Volk, du treues Herz, du kannst nicht irren,
Dir lebt dein Held und Taten wird er tun,
Wenn die unnahbar‘n Hände längst im wirren
Geschling des Meers vom heißen Tagwerk ruh'n.
Wo Helden sich der Götterjugend freuen
Im Sehnen ihres Volks, das nie vergißt,
Dorthin ging Weddigen mit seinen Treuen,
Zu dem was schön wie sie und ewig ist.
Es ist in vielen Dingen eine schlimme Sache um die Gewohnheit.
Sie macht, daß man Unrecht für Recht, und Irrtum für Wahrheit hält!
Wer mehr, als er verschuldet,
Erlitten und erduldet,
Der ist zuletzt gefeit;
Wie immer er auch wandle,
Wie immer er auch handle:
Geschlichtet ist der Streit.
Denn endlich naht die Stunde,
Wo tief im Herzensgrunde
Die Frage lauter spricht:
Wem ward ein Recht gegeben –
Wer wagt es hier im Leben,
Zu halten ein Gericht?
Ja, was da auch geschehe,
Zum Wohl oder zum Wehe,
Geschieht's nicht, weil es muß?
Drum will ich siegreich fallen
Mit meinen Wunden allen!
Ruft dann der Mensch zum Schluß.
Er ruft's und will nicht halten
Zurück mehr die Gewalten,
Die man das Schicksal heißt –
Und fragt sich nicht mehr bange,
Wen er bei Untergange
Mit sich zum Orkus reißt!
Es liegt ein Grab in Polenland
Ein Hügel dort am Straßenrand
Ein schlichtes Kreuz, ein Helm von Stahl
Die Blumen sind schon alle fahl!
Und was ich da geschrieben fand
Von eines Kameraden Hand
Das prägt sich tief ins Herz mir ein
Ich stand auf weitem Feld allein!
Geschrieben stand es knapp und schlicht
Wir wissen seinen Namen nicht
Ein unbekannter deutscher Mann
Der Herbstwind fing zu wehen an!
Gemäht ist längst der grüne Klee
Bald deckt dein Grab der weiche Schnee
Die Sonne strahlt mit mildem Licht
Vergessen werden wir dich nicht!
Ich fühle, daß meine Tage gezählt sind.
Und so will ich Abschied nehmen von all den mir Nahestehenden,
von allen, die mir nur Treue, Liebe und Anhänglichkeit entgegenbrachten
und auch von jenen, die mir mit Recht oder Unrecht weniger gut gesinnt waren.
Ich blicke zurück auf ein langes Leben,
und stünde ich am Anfang desselben,
ich würde es genau wieder so leben wollen.
Ich bereue nichts,
ich grolle niemand und bitte, daß auch mir niemand mehr grolle.
Es irrt der Mensch, solange er lebt!
Das Hinschwinden des Mittelstandes, die Spaltung des Volkes in wenig Überreiche und zahllose Proletarier ist der vornehmste Weg, auf welchem die freien und in Blüte stehenden Nationen altern und verfallen!
Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich!
Heimat bist du großer Söhne,
Volk, begnadet für das Schöne,
vielgerühmtes Österreich.
Heiß umfehdet, wild umstritten
liegst dem Erdteil du inmitten,
einem starken Herzen gleich.
Hast seit frühen Ahnentagen
hoher Sendung Last getragen,
vielgeprüftes Österreich.
Mutig in die neuen Zeiten,
frei und gläubig sieh uns schreiten,
arbeitsfroh und hoffnungsreich.
Einig laß in Brüderchören,
Vaterland, dir Treue schwören,
vielgeliebtes Österreich!
Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer.
Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde:
Ich, der Staat, bin das Volk.
Und ist das Reich zerschlagen
und wiederum dahin,
so hilft kein eitles Klagen.
Das brachte nie Gewinn.
So hilft kein Rückwärtsschauen,
kein Streit um Schimpf und Schuld.
So gilt es aufzubauen
mit ewiger Geduld.
Da legst du ohne Trauer
die Krone still beiseit
und bist nur noch der Bauer
im schlichten Bauernkleid.
Und wanderst hinterm Pferde,
die Hand an Pfluges Schaft.
Wer heimkehrt zu der Erde,
dem gibt sie ihre Kraft.
Und wer sich treu und wacker
bemüht mit frommer Tat,
dem gibt der alte Acker
sein Brot und neue Saat.
Es wird nicht lange dauern
- wie oft geschah es schon -
da holen sie den Bauern
vom Pfluge auf den Thron!
Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.
Natur spricht laut in Wort und Schrift
Du mußt nur Windeswehen
Und Duft und Klang und Wald und Trift
Und Fels und Meer verstehen!
Ein jeder Baum, der braust in Wettern,
Und jede Blume auf der Flur,
Und jeder Zweig ist voll von Blättern
Der Offenbarung der Natur.
Auf jedem Blatt steht licht und offen:
"O glaub' an helle Frühlingsluft!"
Auf jedem Blatt steht grünes Hoffen,
Still flüsternd um die Blumenbrust.
Auf jedem Blatt steht groß geschrieben:
"Der Geist der Lieb' durchweht die Flur!"
Auf jedem Blatt steht: "Lieben! Lieben!"
Als Offenbarung der Natur!
Verhöhnt von feindlichen Gewalten,
Besiegt von wilder Übermacht,
Laßt uns das Zeichen heilig halten,
Das sonnengleich durchstrahlt die Nacht.
Es war in alten Vätertagen
Symbol des Werdens und des Lichts,
So laßt es uns in Ehren tragen
Zum Schrecken jedes dunklen Wichts.
Als Fehdezeichen soll erscheinen
Es gegen Mammonstrug und List,
Und stählen soll es und vereinen
Was deutschen Bluts und Sinnes ist!
Nach langem Winterschlaf erwache – oh Erde,
bring uns zartes Grün
und lass aus deinem Schoße sanfte,
die Frühlingsboten auferstehn.
Zu lange hast du starr gelegen,
nichts grünte, trugst ein weißes Kleid.
Die Sonne weckt mit ihrer Wärme
nun kommt sie die schöne Frühlingszeit.
An allen Hängen sieht man's blühen
in gelb und lila und in blau.
Der kalte Wind zieht ab gen Norden,
die Lüfte wehen mild und lau.
Wir freuen uns am neuen Leben,
genießen froh die schöne Zeit.
Wir sitzen gern auch mal im Garten,
bestaunen dieses bunte Kleid!
Bruder, du sollst tragen
und dein Letztes wagen,
Angel einer Welt sein,
Kraft und Heldentum.
Doch nur Zeichen ragen
uns die alten Sagen.
Bruder, du sollst Held sein,
aber ohne Ruhm.
Tage ungeheuer
merzen uns in Feuer;
Lichtlein, das will brennen,
stirbt in Brandes Bann.
Nicht Unsterblichkeiten
soll'n wir uns erstreiten;
ob wir sterben können,
schreit der Gott uns an.
Jeden Wunsch begraben,
den wir selber haben,
jedem Rufe flammen,
der Gemeinschaft heißt.
An dem ehern großen
Grab der Namenlosen
finden wir zusammen,
Ein im Einen Geist!
Dies hier der Block und dorten klafft die Gruft.
Laßt einmal noch mich atmen diese Luft,
Und meine Leichenrede selber halten.
Was schauet ihr mich an so grausenvoll?
Ich führte Krieg, wie jeder tut und soll,
Gen feindliche Gewalten.
Ich tat nur eben, was ihr alle tut,
Nur besser; drum, begehret ihr mein Blut,
So tut ihr gut.
Es sinnt Gewalt und List nur dies Geschlecht;
Was will, was soll, was heißet denn das Recht?
Hast du die Macht, du hast das Recht auf Erden.
Selbstsüchtig schuf der Stärkre das Gesetz,
Ein Schlächterbeil zugleich und Fangenetz
Für Schwächere zu werden.
Der Herrschaft Zauber aber ist das Geld:
Ich weiß mir Beßres nichts auf dieser Welt,
Als Gift und Geld.
Ich habe mich aus tiefer Schmach entrafft,
Vor Kindermärchen Ruhe mir geschafft,
Die Schrecken vor Gespenstern überwunden.
Das Gift erschleicht im Dunkeln Geld und Macht,
Ich hab es zum Genossen mir erdacht,
Und hab es gut befunden.
Hinunter stieß ich in das Schattenreich
Mann, Brüder, Vater, und ich ward zugleich
Geehrt und reich.
Drei Kinder waren annoch mir zur Last,
Drei Kinder meines Leibes; mir verhaßt,
Erschwerten sie mein Ziel mir zu erreichen.
Ich habe sie vergiftet, sie gesehn,
Zu mir um Hülfe rufend, untergehn,
Bald stumme, kalte Leichen.
Ich hielt die Leichen lang auf meinem Schoß,
Und schien mir, sie betrachtend tränenlos,
Erst stark und groß.
Nun frönt ich sicher heimlichem Genuß,
Mein Gift verwahrte mich vor Überdruß
Und ließ die Zeugen nach der Tat verschwinden.
Daß Lust am Gift, am Morden ich gewann,
Wer, was ich tat, erwägt und fassen kann,
Der wird's begreiflich finden.
Ich teilte Gift wie milde Spenden aus,
Und weilte lüstern Auges, wo im Haus
Der Tod hielt Schmaus.
Ich habe mich zu sicher nur geglaubt,
Und büß es billig mit dem eignen Haupt,
Daß ich der Vorsicht einmal mich begeben.
Den Fehl, den einen Fehl bereu ich nur,
Und gäbe, zu vertilgen dessen Spur,
Wie viele eurer Leben!
Du, schlachte mich nun ab, es muß ja sein.
Ich blicke starr und fest vom Rabenstein
Ins Nichts hinein!
Auch liegt mir Deutschland warm am Herzen:
Ich habe oft einen bittern Schmerz empfunden bei dem Gedanken an das deutsche Volk, das so achtbar im Einzelnen und so miserabel im Ganzen ist!
Die im Abgrund dennoch singen,
hingegeben an den Geist,
der im Kämpfen und Vollbringen
Glauben, nichts als Glauben heißt:
denen, Bruder, wird die Hände
unsres Gottes Güte weihen.
Bete um der Arbeit Spende,
bete für des Werks Gedeihen!
Bruder, soll der Angst Gebärde
alles sein, was uns verblieb?
Hab den Himmel, hab die Erde,
hab die alten Wälder lieb!
Säe, wo die Väter starben,
ernte, wo die Mütter ruhn,
und in jedes Bündel Garben
schließe ein dein gläubig Tun!
Gott hat unser Blut gebunden
an die Furche, die uns nährt,
wer in Arbeit Gott gefunden,
ist des Brotes Segen wert!
Diese Demut, Bruder, trage
tief in deine Seele ein
und du lernst mit einem Schlage
das Geheimnis, Volk zu sein!