Unbekannt
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Alle Dichtungen
Hehr ist Allvater über allen Himmeln -,
sein Atem ist Ewigkeit,
sein Maß Unendlichkeit -,
Seiner Krone Edelstein ist die leuchtende Sonne,
Sein Schmuck das Geschmeide der funkelnden Nacht,-
Aller Gottheit Ehre ist seines Kleides Pracht-,
Das Menschen ihn nennen,
Ist die Spur seines Ganges durch die Lande -.
Der Jahre Schreiten ist seine Sprache,
Sein Lachen Veilchenduft und Lerchensingen,
Wetter und Sturm sein grollendes Rufen,
-Weißer Winter seiner Ruhe stille Gedanken --.
Der Menschen Grimm und Wüten ist sein Zürnen,
Seiner Güte Glanz ist ihrer Augen freudiges Leuchten.
-Über hoher Wolken hellen Saume ist seines Grußes lichter Wink;
-Sein Morgentraum ist Grünen und Duften durch Bäume und Blumen,
Der Tierwelt Gewimmel seines Weckens erstes Regen,
In der Menschen Gedanken sein lichtes Erwachen! - -
Daß ich Dich fand, war Wunder heiligen Schweigens,
Daß ich Dir singe, ist meiner Freuden Stimme,
Daß ich Dich weiß, ist meines Werkes Ehre!
Jahr: 1875-1935
Das Gefühl körperlicher Gesundheit und Stärke gibt die sicherste Grundlage ab für die Charaktereigenschaften des Mutes, der Entschlossenheit und Besonnenheit, dagegen zieht Verweichlichung des Körpers geistige Erschlaffung nach sich und erschwert die Selbstbeherrschung!
O wie raunt, lebt, atmet in deinem Laut
der tiefe Gott, dein Herr; unsere Seele,
die da ist das Schicksal der Welt.
Du des Erhabenen
starres Antlitz,
mildes Auge des Traumes,
eherne Schwertfaust!
Eine helle Mutter, eine dunkle Geliebte,
stärker, fruchtbarer, süßer als all deine Schwestern;
bittern Kampfes, jeglichen Opfers wert:
Du gibst dem Herrn die Kraft des Befehls
und Demut dem Sklaven.
Du gibst dem Dunklen Dunkles
und dem Lichte das Licht.
Du nennst die Erde und den Himmel:
deutsch!
Du unverbraucht wie dein Volk!
Du tief wie dein Volk!
Du schwer und spröd’ wie dein Volk!
Du wie dein Volk niemals beendet!
Im fernen Land furchtbar allein,
das Dach nicht über dem Haupte
und unter den Füßen die Erde nicht:
Du einzig seine Heimat,
süße Heimat dem Sohn des Volkes.
Du Zuflucht in das Herz hinab,
du über Gräbern Siegel des Kommenden,
teures Gefäß ewigen Leides?
Vaterland uns Einsamen, die es nicht kennt,
unzerstörbar, Scholle dem Schollenlosen,
unserer Nacktheit ein weiches Kleid,
unserem Blut eine letzte Lust,
unserer Angst eine tiefe Ruhe:
Sprache unser!
Die wir dich sprechen in Gnaden, dunkle Geliebte!
Die wir dich schweigen in Ehrfurcht, heilige Mutter!
Jahr: 1892-1945
Nur immer frisch verboten,
nur immer konfisziert!
Und ging′ es auch nach Noten,
ihr weckt doch nicht die Toten,
das Leben triumphiert!
Ihr traurigen Kapuzen,
ihr aller Wahrheit Feind,
ihr wollt den Adler stutzen,
die Sonne wollt ihr putzen,
weil sie zu hell euch scheint?!
Umsonst! Ihr könnt nicht hindern,
auch nicht das kleinste Wort!
Ihr könnt den Haß nicht mindern,
ihr könnt die Glut nicht lindern,
die grimmig euch verdorrt!
Gebt acht, die Stunden schleichen,
die Morgensonne strahlt:
Gebt acht, ich seh′ ein Zeichen,
da werden noch mit Streichen
die Striche euch bezahlt!
So nährt ihr selbst die Flamme,
die selber euch verzehrt:
Schon knistert es am Stamme -
O daß euch Gott verdamme!
Ihr seid kein Mitleid wert.
Nach Kamtschatka, nach Kamtschatka,
Drückt mich lang schon die Krawatka,
Wo der Wendegreis sich narrt;
Wo der Russe endlich endigt,
Wo der Wandrer verelendigt,
Und der Mutterwitz erstarrt -
Dahin -
Nach Gorillien, nach Gorillien
Tu' das Budget mir verwilligen,
Wo der Waldmensch lebt und leibt;
Wo die Muse, die verirrte,
Mit Gewalt verliert die Myrthe,
Und der Wechselbalg sich sträubt -
Dahin -
Auf dem Dawala-lackhieri
War ich auch schon schneeblind schieri,
Wo die Pore rötlich rinnt;
Wo der Mensch gen Himmel zipfelt,
Wo der Unsinn grausam gipfelt,
Und das Bohnenlied beginnt -
Dahin komm' ich schließlich hin!
Aus dem Ernst der Zeit
muss geboren werden
der Mut zur Tat!
Jahr: 1862-1925
Vor meinem Fenster steht ein Baum,
Ich sah ihn manche Jahre grünen.
Das Leben steigt, das Leben fällt,
Was kümmert das den alten Hünen.
Im Herbst, da taumeln nach und nach
Müde die Blätter von den Zweigen.
Doch schlägt die Drossel, dann erwacht
Der Winterwald aus Schlaf und Schweigen.
Und wieder Herbst. Es stirbt das Laub,
Das noch vor Wochen sommergrüne;
Doch nächstes Jahr, im Ostertraum –
Was raunt der alte finstre Hüne?
Jahr: 1844-1909
Vergiß es nie!
Ist deine Mutter heimgegangen,
Schloß ihr der Tod die Augen zu,
Für immer bleich sind ihre Wangen.
Gönn` ihr die wohlverdiente Ruh!
In ihrem arbeitsreichen Leben
Hat sie für dich gesorgt, geschafft,
Das letzte hat sie hingegeben
Für dich – und sie ist nicht erschlafft.
Und was sie hat für dich ertragen
Von deiner früh`sten Jugend an,
Gelitten hat sie – ohne Klagen
Doch nur für dich – o, denke dran.
Und wie sie sich für dich tat grämen
Jahraus, jahrein, ob spät, ob früh,
Das sollst du dir zu Herzen nehmen,
Was sie dir war – vergiß es nie!
Hinaus muß der Jüngling ins stürmende Leben,
Denn Einsamkeit bildet, veredelt ihn nicht;
Gedrängt von dem Schicksal muß mutig er streben,
Dann übt er die Kräfte, erprobt seine Pflicht.
Im Umgang mit Menschen, die tadeln und loben,
Dort wird er gezwungen, sich selbst zu beschau'n;
Er wird dort gedemütigt, wird dort gehoben,
Und lernet ertragen, und lernt sich vertrau'n.
So reifet der Jüngling, und kehret er dann
Zurück in die Heimat, dann ist er ein Mann!
Heiliges Wort, hoch über Zeiten und Sternen.
Friede am fremdesten Ort, Trost noch in dunkelsten Fernen.
Schimmernder Spiegel der Welt, da sich im Rahmen der Enge zeitlos dein Antlitz erhält, schön und in lieblicher Strenge.
Bild du aus blühendem Stein, wie auch die Wetter dich trafen.
Schiff meiner Sehnsucht fahr ein - immerzu winkt mir dein Hafen!
Und dennoch! Starkes Losungswort!
Mag's brechen, oder biegen,
Du scheuchst die matten Ängste fort
und rufst zu Kampf und Siegen.
Ob auch der Sturmwind uns umbraust
mit harten Schicksalsschlägen,
wir halten ihm, geballt die Faust,
das trotz'ge Wort entgegen:
Und dennoch!
Min Modersprak, wa klingst du schön!
Wa büst du mi vertrut!
Weer ok min Hart as Stahl un Steen,
Du drevst den Stolt herut.
Du bögst min stiwe Nack so licht
As Moder mit ȩrn Arm,
Du fichelst mi umt Angesicht
Un still is alle Larm.
Ik föhl mi as en lüttjet Kind,
De ganze Welt is weg.
Du pust mi as en Værjahrswind
De kranke Boss torecht.
Un föhl so deep: dat ward verstan,
So sprickt dat Hart sik ut,
Un Rau vunn Himmel weiht mi an
Un Allns is wedder gut!
Min Modersprak so slicht un recht,
Du ole frame Rȩd!
Wenn blot en Mund min Vader" seggt,
So klingt mi’t as en Bȩd,
So herrli klingt mi keen Musik
Un singt keen Nachdigal;
Mi lopt je glik in Ogenblick
De hellen Thran hendal.
Jahr: 1819–1899
Nennt ihn nicht Deutschland, euren Staat von heute;
Deutschland ist mehr, ist alles deutsche Land;
es ist nicht alles deutsche Land auch Reich.
Des Torsos aus dem Jahre Einundsiebzig
kläglichen Torso aus dem Jahre Neunzehn,
könnt ihr nicht Deutschland heißen, nein!
Nennt "Deutsches Reich" ihn und empfindet Scham
darüber, wie so klein es ist, das Reich der Deutschen,
wie wenig "Deutschland" noch in seinem Wesen,
wie sehr noch Kolonie des Kapitals,
wie wenig Zeichen uns des ewigen Bundes,
wie wenig Heimat unsren Seelen noch
uns dreißig Millionen Deutscher außer
den engen Grenzen eures Deutschen Reichs!
So lang nennt Deutschland nicht dies Deutsche Reich,
solang der Unterschied von Staat und Volk
nicht schon im Herzen eurer Kinder brennt
schmerzhaft und groß; solang ihr noch nicht wißt,
wo überall man "Heimat" sagt und "Volk"
und Bismarck denkt und Schiller, Eichendorff,
Andreas Hofer, Friedrich der Große,
und über Luther hin der Freiheit Ahnen
und Kaiser alt im Sagenglanz des Reichs...,
solang ihr noch nicht wißt, wie groß es ist,
D e u t s c h l a n d, nennt Deutschland nicht dies Deutsche Reich!
Singt ihr das Deutschlandlied, dann sei's Erkenntnis,
singt ihr das Deutschlandlied, dann sei es Sehnsucht,
Sehnsucht nach der Erfüllung Deutschen Reichs;
Staat unter vielen Staaten; denn ihr sollt
das Heilige nicht eitel nennen, Deutsche!
D e u t s c h l a n d i s t g r ö ß e r!
Jahr: 1901-1974
Alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch zu thun können vermeint, ist Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes!
In den reinen Strahlen des Lichtes
Erglänzt die Gottheit der Welt.
In dem reinen Feuer des Äthers
Erstrahlt der Ichheit hohe Kraft.
Ich ruhe im Geiste der Welt,
Ich werde mich immer finden
Im ewigen Geiste der Welt.
Kraft in meine Seele!
Jahr: 1862-1925
Ihr habt uns Eigen und Ehre gestohlen
Ihr habt unsre Taten der Nachwelt verhohlen
Ihr habt die gefallenen Kameraden verhöhnt
Ihr habt euch nicht einmal mit ihnen versöhnt
Ihr gönnt selbst den Toten keine Ruh
Ihr schändet die Gräber noch immerzu.
Ihr habt uns bespien und habt uns verlacht
Ihr habt uns zum Spott unserer Kinder gemacht
Ihr habt uns durch jeden Schmutz gezogen
Ihr habt uns geschmäht und habt uns betrogen
Ihr seid winselnd vor jedem Sieger gekrochen
Doch unseren Stolz habt ihr nicht gebrochen!
Jahr: 1911-1995
Nicht wie die Ritter, welche mit goldenen Sporen einherstolzieren, die von den Kaisern mit Gunst und Torheit zu Rittern geschlagen sind. Die echten Ritter sind vom harten Geschick geschlagen und geprägt, ihr Sporn ist die Treue und ihr Schwert ist der Glauben an das ewige Bestehen der Geschlechter und, daß dieselbe Herrlichkeit aus dem Stamme immerdar wiedergeboren werde!
Jahr: 1781-1831
Roter Mond überm Silbersee,
Feuerglut wärmt den kalten Tee,
Kiefernwald in der Nacht,
Und noch ist der neue Tag nicht erwacht.
Sterne steh'n hoch am Firmament,
Solche Nacht findet nie ein End`,
Dieses Land, wild und schön,
Und wir dürfen seine Herrlichkeit seh'n.
Grauer Fels, Moos und Heidekraut,
Weit entfernt schon der Morgen graut,
Fahne weht, schwarz weiß rot,
Das Gras schimmert unterm Morgentau!
Du hast dich für den Einsatz hergerichtet,
Die freie Meinung, sie wird heut vernichtet.
Die Stiefel an, mit Schild und Schwert
Für etwas Geld, ist es das wert?
Du wirst beeinflußt und auf Haß getrimmt
Weshalb die Unterdrückung hier gewinnt.
Bist du gar schon so verkommen,
Willst dort gar nicht mehr entkommen?
Ein Wurm, ein Knecht, ein Speichellecker
Und auch Ihr williger Vollstrecker.
Du hast dich ganz ins Totentuch gehüllt,
wieder einmal nur deine Pflicht erfüllt?
Du weißt es selbst, siehst auch die Scherben,
Dürfen Meinungen gebrochen werden?
Lebe nicht in dieser Selbstverdammung,
Besinne dich deiner Volksabstammung.
Laß dich nicht weiter nur benützen,
denn deutsches Blut muß Deutsche schützen!
Jahr: 3824
Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!
Jahr: 1821–1856
Wir wollen nicht reden
Allerorten
Von kommenden Fehden
Mit großen Worten.
Wir wollen nicht sagen,
Was wir denken,
Nicht unser Klagen
Im Rausch ertränken.
Nicht mit dem Munde
Wollen wir streiten,
Nur auf die Stunde
Uns vorbereiten.
Wir wollen schweigen
Und handeln im Stillen;
Wir wollen uns beugen
Einem Willen.
Wir wollen als Freunde
Die Hand uns geben
Einer Gemeinde –
Und danach leben!
Jahr: 1877
Wenn irgendetwas uns verflucht hat, dann ist es doch die Großstadt gewesen, nirgends mehr geht die Einzelpersönlichkeit zugrunde als in diesen Stätten der Massensuggestion!
Leute, die sich in ihren Begriffen von der Freundschaft nicht höher schwingen können, als daß sie alle guten Bekannten für Freunde halten, denken, daß nichts gewöhnlicher in der Welt als die Freundschaft sei.
Wie betrügen sie sich!
Wir müssen im Hohen und Gemeinen nach dem Ewigen fahnden;
das ist unser Fallstrick und Verhängnis,
doch also auch der heilige Weg!
Immer geschmäht, verflucht – verstanden nie,
Bist du das Schreckbild dieser Zeit geworden…
Auflösung aller Ordnung, rufen sie,
Seist du und Kampf und nimmerendend Morden.
O laß sie schrei'n! – Ihnen, die nie begehrt,
Die Wahrheit hinter einem Wort zu finden,
Ist auch des Wortes rechter Sinn verwehrt,
Sie werden Blinde bleiben unter Blinden.
Du aber, Wort, so klar, so stark, so rein,
Das alles sagt, wonach ich ruhlos trachte,
Ich gebe dich der Zukunft! – Sie ist dein,
Wenn jeder endlich zu sich selbst erwachte.
Kommt sie im Sonnenblick – Im Sturmgebrüll?
Ich weiß es nicht… doch sie erscheint auf Erden! –
"Ich bin ein Anarchist!" "Warum?" "Ich will
Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!"
Jahr: 1864-1933
Die Heimat hat sich schön gemacht und Tau blitzt ihr im Haar.
Die Wellen spiegeln ihre Pracht wie frohe Augen klar.
Die Wiese blüht, die Tanne rauscht, sie tun geheimnisvoll.
Frisch das Geheimnis abgelauscht, das uns beglücken soll.
Der Wind streift auch durch Wald und Feld, er raunt uns Grüße zu.
Mit Fisch und Dachs und Vogelwelt stehn wir auf du und du.
Der Heimat Pflanzen und Getier behütet unsre Hand,
Und reichlich ernten werden wir, wo heut noch Sumpf und Sand.
Wir brechen in das Dunkel ein, verfolgen Ruf und Spur.
Und werden wir erst wissend sein, fügt sich uns die Natur.
Die Blume öffnet sich dem Licht, der Zukunft unser Herz.
Die Heimat hebt ihr Angesicht und lächelt sonnenwärts!
Jahr: 1932-1992
Ihr seid so weit
von euch entfernt
mit euch
gibt es keine Nähe
ihr pflegt lieber
euren Ichwahn
statt wärmende
Gemeinsamkeit!
Jahr: Kein Jahr vorhanden
Leider muß man manchmal Politikern ans Bein pinkeln, damit sie überhaupt mal reagieren.
Warum?
Na, sie behandeln uns doch wie Hunde...
Und ist unser Banner vom Sturme zerfetzt
und das Häuflein vom Kampfe gelichtet
wir halten dem Banner die Treu bis zuletzt
und das Antlitz zum Feinde gerichtet
Wir streben auf steinigem, dornigem Pfad
dem Lichte, der Freiheit entgegen
Wir hassen die Feigheit und lieben die Tat
denn uns rührt kein Fluch und kein Segen
Die Freiheit erkaufen mit irdischem Gut
o ihr Narren welch nutzlos Beginnen
Die Freiheit will Kampf und die Freiheit will Blut
denn sie läßt sich mit Gold nicht gewinnen
Die Kräfte gespannt und das Banner voran
hell jauchzet der Sturm seine Lieder
Das Morgenrot leuchtet, der Tag, er hebt an
und wir holen die Freiheit uns wieder
O du bist deutsch, wie meiner Adern Blut:
Deutsch ist dein Herz, dein Wesen, Weg und Wollen,
deutsch deiner Giebel Zier, der Herde Glut,
und deutsch nun deine Not, dein Gram und Grollen.
Deutsch hieß der Ahnen Arbeit, die hier schuf,
deutsch der Geschlechter tausendjährige Treue,
deutsch war, deutsch ist, deutsch bleibt dein Gottberuf:
Grenzmark zu sein, daß man die Heimat scheue.
Deutsch ist der Ströme Fluten, deutsch das Schiff,
das hafenwärts die reichen Frachten landet;
deutsch ist das Meer, das jäh an steilem Kliff
mit wildempörten Wellen brandet.
Deutsch ist das Korn, das frei im Winde steht,
deutsch sind die Seen, deutsch die Ackerkrume,
deutsch ist die Wolke, die am Himmel geht,
und deutsch der letzte Halm, die letzte Blume!
Gelehrte deutsche Männer,
Der deutschen Rede Kenner,
Sie reichen sich die Hand,
Die Sprache zu ergründen,
Zu regeln und zu ründen
In emsigem Verband.
Indes nun diese walten,
Bestimmen und gestalten
Der Sprache Form und Zier:
So schaffe du inwendig
Thatkräftig und lebendig,
Gesamtes Volk, an ihr!
Ja, gieb ihr du die Reinheit,
Die Klarheit und die Feinheit,
Die aus dem Herzen stammt!
Gieb ihr den Schwung, die Stärke,
Die Glut, an der man merke
Daß sie vom Geiste flammt!
An deiner Sprache rüge
Du schärfer nichts, denn Lüge,
Die Wahrheit sei ihr Hort!
Verpflanz' auf deine Jugend
Die deutsche Treu' und Tugend
Zugleich mit deutschem Wort!
Zu buhlerischen Girren
Laß du ihn niemals kirren,
Der ernsten Sprache Klang!
Sie sei dir Wort der Treue,
Sei Stimme zarter Scheue,
Sei echter Minne Sang!
Sie diene nie am Hofe
Als Gauklerin, als Zofe!
Das Lispeln taugt ihr nicht
Sie töne stolz! Sie weihe
Sich dahin, wo der Freie
Für Recht, für Freiheit spricht!
Wenn so der Sprache Mehrung,
Verbesserung und Klärung
Bei dir von statten geht,
So wird man sagen müssen,
Daß, wo sich Deutsche grüßen,
Der Atem Gottes weht!
Jahr: 1787-1862
Wenn die fahrenden Sänger mit ihrem Liedgesang der Unterhaltung dienten, so war es gewiß auch die Bestimmung eines Teiles ihres Liederschatzes, als Tanzmusik zu dienen, denn der Tanz ward gesungen und umgekehrt: Die Hauptbestimmung ihrer Lieder, der Liebeslieder vor allem, war es, als Tanzlieder gesungen zu bleiben. Hierbei jedoch griff nun ganz besonders das Volk selbst singend ein, denn den ‚Reihen’ zu führen und vorzusingen war eine Ehre, die dem gewandtesten der Tänzer gebührte, zugleich nahm aber die ganze Schar unter dem Tanze auch mit am Gesang teil.
Jahr: 1820-1912
Wo mit der Dumpfheit sich die Wissenschaft verbündet,
Wird Unerfreuliches kunstmäßig fest gegründet.
Und eh'r nicht wieder wird der Zwingbau eingerissen,
Bis gegen Knechtisches aufsteht ein freies Wissen.
Dann wächst der Freiheit Haus selbst aus der Knechtschaft Trümmern
Für alle, die zuvor im Kerker nicht verkümmern!
Jahr: 1788–1866
Sonne, die Du bist im Himmel,
leuchte hell uns, scheine klar!
Glühtest schon seit Urbeginnen -
Brennen sollst Du, immerdar!
Lass' uns wachsen, wohl gedeih'n,
ob Deines Antlitz' Herrlichkeit!
Heil'ge Stifterin des Lebens
strahle in die Ewigkeit!
Nicht sank in Schwachheit unserer Sprache Kunst,
seitdem verhallt ist früher Heroen Schritt –
wir wandeln weiter ihre Bahnen
tönenden Fußes – und schauen lichtwärts.
Wir meistern, stolz nicht minder wie jene, noch
das Wort, und kunstreich meißelt die sichre Hand
aus deutscher Sprache reinstem Marmor
nimmer vergänglicher Formen Schönheit.
Denn für der Menschheit heilige Güter schlägt
auch uns das Herz. Die fröhliche Flammengluth,
die ewig zu den Sternen deutet,
loht auch in uns von dem Grund der Seelen.
Wie Göttern einst der lockigen Hebe Hand
geschenkt den Nectar ewigen Jugendmuths,
so wollen wir in alten Schalen
reichen den schäumenden Wein der Zeiten!
Ich stand allein in heißem Ringen
und weinte leis in schöner Nacht —
Da kam ein märchenhaftes Klingen
vom Alpsee in der Vollmondpracht.
Es sprachen tausend Silberwellen
zu meinem Herzen sanft und traut,
die rieselschnellen Silberquellen
der Wasserfälle sangen laut;
Der hohen Berge tiefe Wälder
umrauschten mich mit zartem Lied,
und fern des ebnen Landes Felder
erklangen, silberweiß umblüht.
Und was da flüsterte und rauschte
war wie ein Gruß auf Wiedersehn!
Ich fühlte zärtlich, da ich lauschte:
mein Heimatland, wie bist du schön!
Will mein die Macht sich nicht erbarmen,
die meines Schicksals Fäden spinnt?
Laß, Heimat, mich in deinen Armen!
O Heimat, halte fest dein Kind!
Da hüllte sich der Mond in Schleier,
es wurde grau das reine Licht —
doch meine Tränen flossen freier.
Und leichter schien mir jede Pflicht!
Jahr: 1877-1906