Behaglich sitz ich in Bordeaux
bei einem guten Tropfen
indes Mariannchen irgendwo
das Fell sich läßt verklopfen
Der Ritter Schorsch von England spricht
daß bald´ge Rettung winke –
Ich aber trau dem Frieden nicht
und trinke, trinke, trinke
Bestimmt war doch im Völkerrat
daß Frankreichs Waffen siegen
und schändlich find ich´s in der Tat
daß wir nun Kloppe kriegen
Für deutschen Blei- und Pulvergruß
ist mir mein Bauch zu schade
Drum nahm ich mein Gepäck und blus
tut! tut! – zur Retirade
Der brave Bruder Nicolas
welkt hin als wie ein Röschen
er depeschiert ohn´ Unterlaß
nach wasserdichten Höschen
Sind diese nicht nach seinem Sinn
droht er mich zu verprügeln
Ich schick ihm nächstens Micheln hin
der wird sie ihm schon bügeln
In Belgien zu Antwerpen lebt
ein Freund mir, ein gelackter
wenn er nach England jetzt entschwebt
so zeigt das von Charakter
Er stellt wie ich sein Glück und Ehr´
aufs Rückwarts-sich-bewegen
In England aber findet er
viel freundliche Kollegen
Noch blickt Freund Peter auf mich hin
und hofft, daß ich mich halte
denn was ich für ein Trottel bin
das weiß nur meine Alte
Mein Präsidentenstolz und so
war ach nur eitel Schminke
drum sitz ich lieber in Bordeaux
und trinke, trinke, trinke
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Alle Dichtungen
Schlachtentag, der Unheil oder Segen
Aufs Haupt von Nationen wenden soll,
Dir schaun die Augen schlummerlos entgegen
Und alle Herzen qual- und schreckenvoll!
O ernste Zeit, wo Millionen fragen:
"Wie wird für uns der nächste Morgen tagen?"
O heiliger deutscher Wald,
Wie bist du tief und alt,
Wie rauscht dein grüner Dom
So wundersam und fromm!
Du birgst in deinem Schoß
Heilige Stätte, still und groß,
Wo altes deutsches Ahnenblut
Für unsere Freiheit glühend ruht.
Du sahst der Helden Zug,
Der Väter ersten Pflug,
Du birgst der Treue Pfand -
Des Deutschen heilig Vaterland.
Und rauscht es durch dein Laub,
So klingt es ernst und traut,
Als ob der alten Geister Schar
Noch wandelt unter uns - so nah!
Jahr: 3825 n. St. (nach Steinhagen)
Faßt frohen Mut!
Auch wer uns haßt, muß doch verstehen:
Es müßte mit uns untergehen
Der Menschheit bestes Gut!
Durch die Wellen braust ein Kiel,
Wikingerboot zu fernem Ziel.
Durch die Wellen, mit dem Kahn,
ziehst du sicher deine Bahn.
Kehrreim:
Der Wikingeradler, das Wikingerboot,
die Wikingerfahne in Freud, Leid und Not,
die Wikingerfahne in Schwarz, Weiß und Rot!
Du bist wie ein Kamerad,
stolzes Schiff auf jeder Fahrt.
und die Wimpel, die du hisst,
zeigen, wer dein Führer ist.
An des Ruderholzes Pfahl
steht ein Kerl, so hart wie Stahl
und den Schild, das Schwert zur Seit,
ist gerüstet er zum Streit.
Stürzt durchbohrt von Feindes Ger,
mancher auch ins graue Meer;
doch er fürchtet nicht den Tod,
weitersegeln muss das Boot!
Ein Blümchen ist so wunderschön,
gelobt von allen, die es sehn,
es ist das Blümchen, welches spricht:
Vergissmeinnicht.
Dies Blümchen hab ich oft gepflückt,
die Farbe hat mich stets entzückt,
weil jedes Mal sie zu mir spricht:
Vergissmeinnicht!
Jahr: 1848
Kalt und hart die schwarze Erde,
in deren Schoß geborgen warten,
in der Sicherheit des Stirb und Werde,
all die Samen für den Sommergarten.
Von Schnee bedeckt die weite Flur,
die Bäume kahl, das Laub dahin.
Im steten Jahreskreis der Allnatur
verheißen zarte Knospen Neubeginn .
Bach und See schließt bald das Eis,
gebändigt gar der Flüsse Lauf.
Vergängliches Kristall erstrahlt im Weiß
der milden Wintersonne auf.
Winter ist die Zeit der Stille,
voll Besinnung und auch Hoffen.
Eingekehrt sind Herz und Wille,
neu stehn alle Wege offen!
Alle Wahrheit ist Schönheit, und alles Unschöne ist Unwahrheit!
Jahr: 1785-1859
Siehst du nicht ein Leuchten dämmern
sieghaft für die Ewigkeit?
Hörst du deine Pulse hämmern
in dem harten Schlag der Zeit?
Fühlst du nicht den Strom des Blutes,
der ein Volk aus Ketten reißt
und dem Leben starken Mutes
Wege aus dem Dunkel weist?
Spürt dein Herz nicht das Erkennen
einer Welt, die wieder jung,
daß in dir die Flammen brennen
heiligster Begeisterung?
Siehst du nicht Gestalten wanken
Einer Welt, die nicht mehr lebt?
Siehst du nicht das Junglaub ranken,
das ans Licht der Sonne stebt?
Neues Werden bringt dir Kunde!
Schicksal ruft zur Einigkeit,
fordert zur Entscheidungsstunde
Herz und Hände tatbereit!
Ein alter Brauch zum Jahreswechsel.
Das Bleigießen.
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
Sie schweigen noch nicht,
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
Jahr: 1944
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der Kochhexe.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende Kriegsrezepte, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die Tauschzentrale und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
Jahr: 1945
Fühlt ihr sie beben,
Die alte Erden,
Spürt ihr das Leben,
Das neue Werden?
An allen Enden
Dringt es zu Tag
Und legt in Trümmer,
Was hindern mag. -
Reget die Hände,
Steht nicht beiseit,
Nutzet die Wende -
Seid Herren der Zeit!
Deutschland, heiliges Wort,
du voll Unendlichkeit,
über die Zeiten fort,
seist du gebenedeit.
Heilig sind deine Seen,
heilig dein Wald
und der Kranz deiner stillen Höhn,
bis an das grüne Meer!
Jahr: 1972
Glaube eins nur und bewahre immer
Dir noch einen letzten Hoffnungsschimmer,
deutscher Mensch in der Zerrissenheit!
Denke was Du willst, doch eins nur glaube:
Alles, was Dir wert war, liegt im Staube.
Aber Deutschland blüht im Schutt der Zeit, der Zeit!
Aber Deutschland blüht im Schutt der Zeit!
Glaube an die Not der deutschen Seele,
aber auch an ewige Befehle
und an das, was Dir das Herz gebeugt:
Glaube an die Welt, die Dir entrissen,
glaube alles, eins nur mußt Du wissen:
Noch blüht Deutschland unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Noch blüht Deutschland unterm Schutt der Zeit!
Ewig sei das Wort, Deutschland muß leben!
Präg' es neu, auch wenn das Reich daneben,
ward verloren in der Völker Streit.
Frag' nicht warum, frag' nicht nach den Gründen,
sprich ein ehrlich Wort und laß es zünden:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Und das sei Dein künftiges Erfassen,
was nicht taugt für Deutschland, das sollst Du lassen
nur was echt ist, halte griffbereit.
Grabe nach des Deutschtums echter Krume,
sei teilhaftig diesem stillen Ruhme:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Denn Du bist ein Teil von jenem Kerne
und Du bleibst es, wenn auch Näh' und Ferne
Dich hineinzwängt in ein fremdes Kleid.
Bleib Dir selber treu und Deinem Wesen
und Du wirst in Deiner Sprache lesen:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Such' die Bindung an Dein Volk, belehre,
jeden über jene wahre Ehre,
die im Unglück uns die Würde leiht!
Nicht umsonst soll unser Opfer bleiben
und wir wollen glauben, sagen, schreiben:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Nur Gott weiß, wie lange
Ich an dich gedacht,
Beim Wachen und Träumen,
Bei Tag und bei Nacht –
Die Schönheit von Körper
Und Seele im Sinn,
Die schönen Momente
Sind niemals dahin.
Das Schicksal allein
Hält das Herz in der Hand,
Jenseits von Wille
Und Plan und Verstand!
Ein jeder muß ein inneres Heiligtum haben,
dem er schwört,
und sich als Opfer in ihm unsterblich machen -
denn Unsterblichkeit muß das Ziel sein!
Nichts ist untragbar, was notwendig ist.
Auch der Winter ist tragbar.
Und das Alter.
Und der Tod!
Sie kommen ohne zu fragen, wollt ihr's tragen?
Sie kommen.
Und wir tragen's!
Jahr: 1912
Dem Gott des Nordens, Odin, stand
Ein Rabenpaar zur Seite,
Der Eine Hugin zubenannt
Und Munin hieß der Zweite;
Es trug sie ihrer Flügel Schwung
Durch alle Zeit und Schranke.-
Munin war die Erinnerung,
Und Hugin der Gedanke.
Treu wurde durch sein Rabenpaar
Dem Gott alltäglich Kunde
Was in der Welt geschehen war -
Daß er auf festem Grunde
Sein Reich gebaut, und Alt und Jung
In Treue niemals wanke,
Deß freut ihn die Erinnerung,
Ergötzt ihn der Gedanke.
Und Odin herrschte lange Zeit
In ungetrübtem Glücke,
Das weckt des bösen Loke Neid,
Durch arge List und Tücke
Lähmt er der Raben Flügelschwung,
Bannt sie in enge Schranke;
Da trübt sich die Erinnerung,
Empört sich der Gedanke!
Und sieh, es fühlt im eig'nen Blut
Odin das Gift des Bösen,
Er will in seinem grimmen Muth
Die Raben nicht erlösen,
Daß sie, wie einst, ihr Flügelschwung
Trage durch Zeit und Schranke -
Da quält ihn die Erinnerung,
Zernagt ihn der Gedanke!
In seinem Zorne will der Gott
Die Raben ganz zerstören,
Daß sie nicht länger, wie zum Spott,
Sich gegen ihn empören.
Doch, trotz gewalt'gem Keulenschwung,
Lebendig in der Schranke
Bleibt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Ob auch auf kurze Zeit gezähmt,
Sie waren nicht zu zwingen;
Ob auch ihr Flügelpaar gelähmt,
Es wuchsen neue Schwingen,
Und mit gewalt'gem Flügelschwung
Aus Odins Dienst und Schranke
Floh Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Als sich das Rabenpaar entschwang
War Schrecken in Walhalle,
Die Flucht ward Odins Untergang,
Todt sind die Götter alle.
Unsterblich aber, stark und jung
Durch alle Zeit und Schranke
Fliegt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke!
Jahr: 1819-1892
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen!
Jahr: 1832-1908
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
Die Scheidestunde fliegt vorbei
und nun nach allen Enden fort
Doch was uns auch beschieden sei
es gilt als erst und letztes Wort.
Mit Wunsch und Klag ist nichts gethan
es will die Zeit die That des Manns
Schon öffnet sich die Ehrenbahn
wohlan, wer ringen will, der kann´s.
Drum noch einmal die Gläser voll
und ruft´s hinaus in alle Welt
Wir ziehn dahin, lebt wohl, lebt wohl
zum Frieden nicht, es geht ins Feld.
Mit Herz und Hand
wie jubelnd wir geschworen
fürs große Land, fürs Vaterland
Deutschland, das uns geboren!
Sie schweigen noch nicht,
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
Jahr: 1944
Aufrecht und stolz,
zu jedem persönlichen Opfer bereit sein,
der Not und Gefahr kühn ins Auge schauen,
heißt:
deutsch sein!
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten
Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor!
Wir schreiten ernst, wir schreiten still,
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit.
Ein Volk, das sich zusammenlitt,
Ein Volk, das um die Sterne stritt
Ein Volk, in dem die Seele rang
Um den Untersterblichkeitsgesang.
Ein Volk, das sich in Demut bog,
Ein Volk, das heiß zum Sturme flog,
Ein Volk, das irrend sich verlor
Und doch noch fand zum großen Tor.
Wir schreiten ernst, wir schreiten still.
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit!
Es pfeift im Hagedorn,
Laut ächzt es in den Föhren,
Da läßt sein schmetternd Horn
Der wilde Jäger hören.
Hoch droben durch die Schlucht
Der sturmzerriss'nen Wolke
Jauchzt er in wilder Flucht
Vorbei mit seinem Volke.
Er schwingt den Eschenschaft
In erzgewalt'gen Händen,
Und Lebensüberkraft
Flammt in des Auges Bränden. -
Der du verschmäht die Rast
Des Himmels und des Grabes,
Der du begehrt die Last
Des ew'gen Wanderstabes,
Ruf' mich in Sturm und Nacht
Empor, dich zu geleiten
Auf wilder Lebensjagd
Durch alle Ewigkeiten.
Die Seel' erstickt in mir,
Denk' ich der Gruft, der engen,
Und tobend möcht' ich schier
Des Todes Fesseln sprengen.
Endlose Lebenslust,
Nein! du sollst nicht verrauchen,
Nicht elend in den Wust
Des Staubes untertauchen.
Wenn über meiner Gruft
Die Frühlingswinde pfeifen,
Wenn wirbelnd in der Luft
Die falben Blätter schweifen;
Dann bannt auch mich nicht mehr
Der dumpfe Totenhügel,
Dann jag' auch ich daher
Auf freiem Sturmesflügel!
Die Weihnachtszeit kam nun heran.
Es herrschte bittere Kälte, kaum Brennmaterial war im Haus, unsere Pumpe eingefroren, und an den Fenstern blühten Eisblumen, die heute wohl kein Kind mehr kennt.
Heimlich schleppten wir aus dem Wilden Moor einen Tannenbaum herbei und stellten ihn in
das einzige warme Zimmer.
Dort wollten alle am Weihnachtsabend zusammenkommen.
Ich bastelte Strohsterne und buk Kringel, Brezel und andere Figuren aus Wasserteig für den Baum. Jeder trug etwas bei zum Fest:
Der nette Herr M. war lange mit dem Rad hinter einem Rübenwagen hergefahren, bis endlich eine Rübe herunterfiel, die er meiner Mutter feierlich überreichte. Der Nachbar brachte zwei seiner geschnitzten Löffel, unser Milchmann füllte etwas mehr Milch in die Kanne, die Kaufmannsfrau spendete ein Stück Einheitsseife, und unser Apotheker steckte meiner Mutter Formamint Tabletten zu.
Die waren eigentlich gegen Halsschmerzen gedacht, wurden von uns aber gern als süße Lutschbonbons verzehrt.
Ich hatte Glück und entdeckte in einer Buchhandlung Andersens Märchen.
Nun war es soweit!
Der Baum stand in einem alten Wagenrad, geschmückt mit den Strohsternen, dem braunen Gebäck, Kerzenresten aus vergangenen Jahren und den Märchenfiguren, die wir im Krieg für das
Winterhilfswerk verkauft hatten.
So wirkte unser Weihnachtsbaum in seiner Schlichtheit feierlich und schön.
Das kleine Zimmer füllte sich langsam.
Alle Hausbewohner waren erschienen, um gemeinsam das erste Weihnachten im Frieden zu feiern. Ein seltsames Gefühl:
Dankbarkeit, wieder zu Hause zu sein, mit den Heimatvertriebenen zu fühlen und Sehnsucht zu spüren nach Licht und Freude.
Plötzlich ein Klopfen an der Tür!
Ich öffnete.
Ein junger Soldat trat ins Haus, der Sohn des Herrn M. – er kam aus einem Internierungslager.
Nun war er in unserem Kreis, und das war eine große Weihnachtsfreude.
Wir fassten uns an den Händen, sangen die alten Lieder und konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Dann fand meine Mutter ein paar aufmunternde Worte und bat zu Tisch.
Was wir gegessen und getrunken haben, weiß ich nicht mehr, die geschenkte Rübe war aber sicher dabei.
Die Stühle reichten nicht, und so holten wir Wehrmachtshocker aus der Küche.
Soldaten einer Sperrballonstellung hatten sie uns bei Kriegsende geschenkt. Ich hatte sie leuchtend rot angestrichen, und mit ihrer Farbe verschönten sie das Weihnachtszimmer.
Nach dem Essen nahm ich mein neues Märchenbuch und las Die Geschichte vom Tannenbaum. Am Abend, als meine Mutter und ich ins Bett gehen wollten, hockten zwei Feldmäuschen im Baum und freuten sich über die Wasserkringel. Die schlimme Kälte hatte sie ins Haus getrieben.
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen.
Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürte man Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal danke sagen!
Jahr: 1945
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der Kochhexe.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende Kriegsrezepte, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die Tauschzentrale und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
Jahr: 1945
Nun brennen die Kerzen wieder
In stiller, heiliger Nacht,
Und die alten vertrauten Lieder
Sind uns wieder erwacht.
Berge und Wiesen und Wälder
Sind wie daheim verschneit,
Draußen läuten über die Felder
Granaten das Lied der Zeit.
Wir träumen uns in die Ferne,
Ferne Heimat hinaus,
Und stehen am Himmel die Sterne,
Ist unser Herz zu Haus.
So hebt uns die eine Stunde
Ganz aus dem harten Gescheh'n,
Als dürften wir all in der Runde
Euch heimlich ins Fenster seh'n.
Leise verklingen die Lieder,
Mögt ihr in Frieden ruh'n
Wir aber gehen wieder
Draußen auf Posten nun!
Anfang Juli 1945 war ich, Jahrgang 1929, aus dem für Deutsche eingerichteten und bald berüchtigten Gefängnis in der vormaligen Post in Nesselsdorf in die Walachischen Berge verbracht worden.
Unweit befindet sich heute der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingerichtete Soldatenfriedhof von Walachisch Meseritz.
Ich sollte auf einem Bauernhof Zwangsarbeit leisten.
Der Bauer des Hofes hatte im Krieg Partisanen beherbergt, war aber von Dorfbewohnern verraten worden.
In dieser Gegend lebten nur Tschechen!
Auf der Flucht vor der deutschen Polizei wurde er dann erschossen.
Seine Frau kam als Mitwisserin ins Gefängnis.
Diese Ausgangsposition war zweifellos für ein deutsches Mädchen 1945 denkbar schlecht.
Meine Aufgabe war unter anderem, nach dem frühen Melken der fünf Kühe und einer Ziege den Stall auszumisten, den Mist abzufahren und mit den Tieren und zwei Schafen auf die Weide gehen.
Mit dabei waren immer die beiden Mischlingshunde, die mir sehr zugetan waren.
Wie kalt waren doch diese frühen Morgenstunden in meiner dürftigen Kleidung,
barfuß, später in löchrigen Soldatenstiefeln, die ich auf dem Dachboden gefunden hatte.
Sie boten zum Glück genügend Platz, um sie mit Heu auszufüttern.
Eine freundliche Tschechin hatte mir ein Kopftuch geschenkt, weil sie meinen geschorenen Kopf nicht mehr ansehen wollte.
Weidezäune gab es nicht, man musste beim Weiden immer aufpassen, dass die Tiere nicht davon liefen.
Aber anfangs waren alle mit Fressen beschäftigt, und ich versuchte mich im Gras etwas auszuruhen. Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde kamen und kuschelten sich vorne an mich und bald kam – hätte ich es nicht erlebt, ich würde es nicht glauben – die Ziege, und rums, legte sie sich genau an meinen Rücken.
Hatte sie etwa gefühlt, wie kalt es mir war?
Die Monate vergingen und Weihnachten kam heran.
Ich konnte nicht mehr bei starkem Frost auf dem Dachboden auf dem Strohsack schlafen, aber wo sonst?
Im einzigen Zimmer schlief meine Herrin mit ihren zwei Kindern.
In all den Monaten meiner Anwesenheit durfte ich diesen Raum nicht betreten.
Dann war da noch der Wirtshaussaal, denn beim Hof befand sich eine Gastwirtschaft, aber der war eisig kalt und zugig und lohnte sich nicht zu heizen für die paar Männer, die abends auf ein Bier kamen. Also auf dem Sofa in der Küche.
Na toll, welch ein Fortschritt! – könnte man denken.
Nur, während ich darauf schlafen sollte, saßen vorne dran und um den ganzen Tisch herum, der vor dem Sofa stand, die Männer, einige davon ehemalige Partisanen, bei Bier und Schnaps, die unter solchen Umständen die Finger nicht bei sich halten konnten.
Und so war es auch an Weihnachten.
Das Bier, der Schnaps flossen reichlicher als sonst und die Zudringlichkeiten waren entsprechend. Verzweifelt nahm ich meine Decke und schlich nach draußen, aber wohin?
Der Schnee lag hoch und es war bitterkalt.
Da hörte ich aus dem Stall ein leises Muhen – und ich wusste wohin.
Vorsichtig, daß mich keiner sah, öffnete ich die Stalltür und schlüpfte hinein.
Malina, die Leitkuh, begrüßte mich mit einem freundlichen Muhen, die anderen stimmten
bedächtig ein und die Schafe blökten kurz erstaunt.
Ich nahm im Dunkeln ein Bündel Stroh und legte es bei der Ziege in die Futterkrippe, legte
mich darauf und deckte mich zu.
Da dauerte es nicht lange und die beiden Hunde sprangen zu mir hoch und kuschelten sich an mich. Die Ziege beschnupperte sanft mein Gesicht und leckte meine salzigen Tränen.
Bald aber schliefen wir alle tief und fest in dieser Nacht 1945.
Jahr: 1945
Sterne hängen in den Birkenzweigen,
die in heller, schimmerndweißer Pracht
sich zur stillen Mutter Erde neigen
wunderbar, in weiter, klarer Nacht.
Tiefer Schnee glänzt licht auf allen Wegen
und die Spur der Rehe leuchtet fein
und ein reiner, gütig milder Segen
schließt die Welt und alles Leben ein.
Rauhreif glitzert leis im Mondglanz nieder,
wenn ein Hauch vom hohen Himmel sinkt,
und es klingen traute, liebe alte Lieder,
daß es weit durch Wind und Wälder klingt.
Sterne hängen in den Birkenzweigen
still in schimmerndheller großer Pracht,
wenn sich alle Herzen staunend neigen
in der wunderbaren Weihenacht!
Nun singet und seid froh - beim Scheine lichterloh
Der Kerzen, die da glüh'n - aus dunklem Tannengrün
Wenn in Winters Not - strahlt des Lichtes Bot'.
Der Morgen, er ist nah - drum klingt bald hier und da
Von neuen Frühlings Wonn' - der Jubel auf zur Sonn'
Unter Schnee und Eis - regt sich Hoffnung leis'.
Nun, Seele, ring dich frei - bald blüht dir neuer Mai
Davon wie holder Traum - dir künd' der Lichterbaum
Frost und Sturmeswehn - weicht bald Auferstehn!
Der ew'gen Lichtwelt zu - erheb' dein Herz auch du,
Schaust Balders Sonn' du so - dann singe und sei froh
Julnacht heil'ger Ruf - groß Erwachen schuf.
Wir singen und sind froh - beim Scheine lichterloh
Der Kerzen, die da glüh'n - aus dunklem Tannengrün
Wenn in Winters Not - strahlt des Lichtes Bot`!
Wir saßen mit etwa acht Mann um den bullernden Kanonenofen in der Revierbaracke.
Die anderen lagen auf ihren Strohpritschen.
Sie waren zum Teil zu schwach, um aufzustehen.
Seit Anfang November vegetierte ich dahin.
Im Mai waren wir hierher transportiert worden in Güterwagen, in denen noch zentimeterdick der Kohlenstaub lag.
Ich war in Deutschland am Main durch amerikanische Truppen in Gefangenschaft geraten.
Diese hatten uns durch mehrere Hungerlager transportiert, nach Südfrankreich gebracht und uns dort an meinem 18. Geburtstag an die Franzosen übergeben.
Obwohl wir jetzt etwa 200 Kilometer südlich von Bordeaux waren, war es draußen empfindlich kalt.
Ausgemergelt, wie wir waren, setzte uns die Kälte besonders zu.
Ich war lange von meinen Kameraden getrennt und war durch mehrere Arbeitslager geschleppt worden.
Wir mussten Bäume fällen und zersägen.
Das Schlimme war, dass die Wälder absichtlich in Brand gesteckt worden waren.
Der Boden war bedeckt mit schwarzer Asche und bei jedem Axthieb wurde sie wieder aufgewirbelt.
Durch Hungerruhr, die ungewohnt schwere Arbeit und völlig ungenügende Ernährung waren alle total abgemagert und entkräftet.
Da bekam ich Fieber und wurde mit ein paar anderen Kameraden in das regionale Hauptlager Sore gebracht.
Dort wollte ich aber auf keinen Fall bleiben, denn ich hatte hier schon früher schlechte Erfahrungen gemacht.
Der deutsche, noch relativ junge Lagerarzt erschien und stellte mich auf eine Waage.
Ich sah nur noch, wie er die Stirn runzelte, dann wurde ich bewusstlos und fiel um.
Als ich aufwachte, lag ich im Revier auf einer Pritsche.
Ich hatte eine doppelseitige Lungenentzündung und permanent hohes Fieber.
Vieles habe ich in der Folgezeit deshalb nicht richtig wahrgenommen.
Ich habe auch einmal im Fieberwahn einen Fluchtversuch gemacht und wäre dabei beinahe erschossen worden.
Aber das hat man mir erst später alles erzählt.
Ich weiß nur, dass sich der deutsche Lagerarzt sehr um mich gekümmert hatte, aber er konnte keine Medikamente herbeizaubern.
Nach der Krankheit wog ich noch 39 Kilo.
In den vergangenen Monaten waren jede Woche mehrere Kameraden verhungert.
Aber dann hatte ich Anfang Dezember Glück!
Neben mir lag für einige Tage der deutsche Koch der französischen Unteroffiziersküche.
Wir bekamen jeden Monat zwei kleine Päckchen Tabak, die ich natürlich gegen Lebensmittel eintauschte.
Da er die Verpflegung aus der Lagerküche nicht benötigte, aber gerne rauchte, hatte er seine Abendsuppe gegen ein Päckchen Tabak eingetauscht.
Dieser Kamerad war aber auf ein Arbeitskommando versetzt worden, und da bot er mir, ich hatte wohl sein Mitleid erregt, den gleichen Tausch an.
Meine Freude war unbeschreiblich!
Nun saßen wir hier, so gut wie niemand hatte bis jetzt irgendeine Nachricht von zu Hause erhalten, und machten uns so unsere Gedanken.
Das wichtigste Thema war natürlich der Fresspott!
Es hatte zu Weihnachten für jeden eine Flasche Leichtbier gegeben, die ich aber sofort gegen eine Scheibe Brot eingetauscht hatte.
Nun ging langsam unser Holzvorrat zu Ende, als die Tür aufging und eine Gruppe von Kameraden aus den anderen Baracken erschien und Holz, das sie in den gerodeten Wäldern für uns sammeln mussten, hereinbrachten.
Das war die erste Weihnachtsüberraschung.
Kurz danach kam für mich persönlich die zweite.
Der bereits erwähnte Koch erschien, kam direkt zu mir und fragte mich, ob ich auch das zweite monatliche Päckchen Tabak für die täglich Mittagssuppe tauschen wollte, denn sein anderer Tauschpartner war auch nicht mehr da.
Das war für mich mehr als eine Bescherung, denn es bedeutete meine Rettung!
Jahr: 1945
Wieder blüht im Glanz der Kerzen
märchenschön der grüne Baum,
wieder fügt dem tiefsten Herzen
Sich der alte Weihnachtstraum.
Wieder geht des Sinnes eilen
in der Jugend Reich zurück,
um verharrend zu verweilen
vor verwehter Stunden Glück.
Wieder hebt aus Duft und Singen
Sich der Zauber einer Frist,
der, wenn Jahre auch vergingen,
immer neu lebendig ist!
Wenn in stiller Stunde Träume mich umwehn
bringen frohe Kunde Geister ungesehn
reden von dem Lande meiner Heimat mir
hellem Meeresstrande, düsterm Waldrevier.
Weiße Segel fliegen auf der blauen See
weiße Möwen wiegen sich in blauer Höh´
blaue Wälder krönen weißer Dünen Sand
Pommerland, mein Sehnen ist dir zugewandt!
Aus der Ferne wendet sich zu dir mein Sinn
aus der Ferne sendet trauten Gruß er hin
traget, laue Winde, meinen Gruß und Sang
wehet leis und linde treuer Liebe Klang!
Bist ja doch das eine auf der ganzen Welt
bist ja mein, ich deine, treu dir zugesellt
kannst ja doch von allen, die ich je gesehn
mir allein gefallen, Pommerland, so schön!
Jetzt bin ich im Wandern, bin bald hier, bald dort
doch aus allen andern treibt´s mich immer fort
Bis in dir ich wieder finde meine Ruh
send ich meine Lieder dir, o Heimat, zu!
Jahr: 1889
Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht --
und Teich und Seen krachen,
das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er sich totlachen. --
Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande,
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.
Da ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen,
und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren!
Der Sitte treu, den Ahnen treu.
Wir zünden den Holzstoss und rufen dabei.
Ihr Flammenzungen sprecht durch die Nacht,
Zu Freund und Feind: Der Deutsche wacht.
Der Deutsche wacht und behütet sein Feld,
Und zu Sonnenwende das Feuer schwelt.
Denn rot ist die Glut und die der Flamme Schein
Leuchtet gelb in die Nacht hinein.
Über das lebende Farbentuch
Sagen auch wir unseren Feuerspruch:
Mit Herz und Mund für Deutschtums Ehr
Die Hand am Schwert zur gerechten Wehr.
Und immer wach wie der Flamme Glut,
Die erst in grauer Asche ruht.
So treu dem Spruch bis ans Lebensend
Heil Sonnenwend!
Wieder blicke ich zum Jahresende,
gebe hin mich meinem Sinnen,
in Erwartung jener Winterwende,
die das Licht uns wird gewinnen.
Stets erwachen neue Sterne,
die das All vergießt zum Licht.
Sie gesellen sich in weiter Ferne,
geben langen Nächten ihr Gesicht.
Und so kommen wir zusammen,
singend um die großen Feuer,
die dem alten Geist entstammen.
Mir sind solche Nächte teuer.
Bald senkt sich in den hohen Nächten
stille Heiligkeit in unsere Herzen,
die in Gold wir schmückend flechten,
und sich drehen werden über Kerzen.
Jahr: 2025
In Winters Haft und Bänden
Seh' ich ein's Lichtes Schein,
Denn Nacht und Tod zu Schanden
Zieht sieghaft Sonne ein.
Ihr Blümlein, die ihr schlafet
Und träumt vom holden Mai'n,
Weiß euch ein heimlich Singen,
Deß woll'n wir fröhlich sein!
Es raunen's schon die Eichen
Wohl in der Stille fein,
Davon bringt euch die Kunde
Bald manch Waldvögelein:
Es will ein Held einreiten
In Glanz und Sonnenschein,
Dem Lenz den Weg bereiten
Wer möcht' da müßig sein?
Das neue Licht zu zünden.
Soll unser Amt nun sein.
Daß sich die Herzen finden
Beim Sonnwendflammen-Schein.
So reicht euch froh die Hände
Und stimmet jubelnd ein:
In Treue bis ans Ende
Woll'n wir dem Licht uns weih'n!
Wieder geht ein Jahr zu Ende.
Das nun bald hinter uns liegende Jahr war wieder ein Jahr des Kampfes, der Opfer für unser geliebtes Vaterland, daß immer noch seit 1945 geschunden durch fremde Interessen danieder liegt.
Wenn wir von unserem Vaterland reden meinen wir nicht das der letzten fünfzig Jahre, nicht das der Gegenwart, sondern das der Zukunft.
Dem Vaterland, das unser Kampf gilt, ein Deutschland in erster Linie für uns Deutsche und unsere Nachkommen.
Dieses ergibt sich aber von selbst, sollte man meinen, denn wenn es nicht so wäre, müßte Deutschland ja nicht Deutschland heißen, sondern Ausland.
Kameraden wir wissen aber, daß es sich eben nicht von selbst versteht.
Genau wie wir auch wissen daß deutsche Politiker eben nicht in erster Linie deutsche Politiker sind.
Jeder, der schon einmal eine patriotische Rede gehalten hat, kennt sicherlich die Gedanken, die so einer Rede vorausgehen!
Denn ihr Auftrag soll es ja sein, Mißstände aufzudecken, Verräter beim Namen zu nennen, nachlässige Kameraden an ihre Pflichten erinnern und Gäste ermuntern, sich unseren Reihen anzuschließen, um den schwierigsten Kampf, den Kampf um unser Volk zu fechten.
Wer meine Reden gehört hat weiß, daß ich immer und sehr konkret die Mißstände in unserem Lande anspreche und Schweinehunde auch als Schweinehunde bezeichne; aus welcher Ecke sie auch immer kommen.
Nämlich immer dann, wenn diese kriechend und winselnd hervorkommen, wenn ehemalige Sieger sie auf den Plan rufen, ihre Forderungen an das deutsche Volk über diese stellen, oder das Ausland das Sühnegewand über uns wirft, um uns so mancherlei abzupressen.
Gerade über dieses Thema könnte ich Seiten verfassen.
Aber heute zur Julfeier wollen wir nicht über unsere ach so standfesten, auf gar keinen Fall korrupten, ehrlichen, korrekten und aller Orts so hoch geschätzt und geliebten Größen der Gegenwart reden...
Deswegen will ich auch in diesem Zusammenhang nicht über die Verbote und alle fiesen Tricks des Bonner (Berliner) Systems reden, die im freiesten Staat, den es je auf deutschen Boden gab, angewendet werden, um gute deutsche Patrioten zu brandmarken und sich so jeder Opposition zu entledigen.
Selbst der billigste und absurdeste Grund reicht heute, um Haussuchungen durchzuführen.
Sinn und Zweck dieser Aktionen ist es nicht etwas zu finden, das ist auch meist unmöglich, sondern es soll eingeschüchtert werden.
Gespannt bin ich, wann diese Figuren einmal merken, daß uns das alles nur härter und verbissener macht!
Aber vaterlandslose Lumpen werden nie begreifen, für was wir kämpfen.
Denn unser Ziel verändert sich ja nicht stetig, sondern wir kämpfen für die Wiederherstellung des Deutschen Reiches, nicht nur gestern und heute, sondern auch Morgen und Übermorgen, bis ans Ende aller Tage.
Wir wissen, unser Ziel und unser Kampf wird weiter getragen, von unseren Kindern und Kindeskindern, von den Kameraden, die wir ausgebildet haben und ausbilden werden.
Denn nichts ist so sicher wie das Amen in der Kirche außer, daß der Sieg unser ist.
Auf Dauer wird die Lüge keinen Bestand haben, sondern die Wahrheit wird siegen und die Wahrheit ist das nationale Deutschland.
So werden wir unseren Kampf auch 1994 fortsetzen.
Wir wollen aber nicht vergessen, daß Weihnachten feierliche Tage sind, ja Tage an denen wir unserer Kameraden, die in aller Welt für unserer aller Zukunft, im Glauben an Deutschland und sein Volk, auf dem Felde der Ehre den Heldentod fanden, gedenken sollen.
Und darum schließe ich mit den Gedanken an unsere Soldaten und verspreche euch:
Deutschland stirbt nicht!
Jahr: 1993