In meine Heimat kam ich wieder,
Es war die alte Heimat noch,
Dieselbe Luft, dieselben alten Lieder,
Und alles war ein andres doch.
Die Welle rauschte wie vorzeiten,
Am Waldweg sprang wie sonst das Reh,
Von Fern erklang ein Abendläuten,
Die Berge glänzten aus dem See.
Doch vor dem Haus, wo uns vor Jahren
Die Mutter stets empfing, dort sah
Ich fremde Menschen, sah ein fremd Gebaren;
Wie weh, wie weh mir da geschah!
Mir war, als rief es aus den Wogen:
Flieh, flieh, und ohne Wiederkehr!
Die du geliebt, sind alle fortgezogen
Und kehren nimmer, nimmermehr!
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Alle Dichtungen
Aus Selbstachtung entspringt notwendig auch Selbstgefühl, Selbstvertrauen und Selbständigkeit.
Wer sich aber nicht selbst achten kann und doch Ansehen in der Welt gewinnen will, der muß notgedrungen alle Mittel der Verstellung, Kriecherei, Schmeichelei aufbieten, um sein Ziel zu erreichen.
Menschen dieser Art, deren es leider viele gibt, sind die gemeinschädlichsten im Staate!
Ich trage geduldig die Last meiner Jahre,
eins spinnt nach dem andern in schwerer Zeit
graue Fäden in blonde Haare
sie alle erzählen von tiefstem Leid.
Nie werde ich über Sorgen klagen,
die bin ich von Jugend an schon gewohnt;
auch will ich die Härten der Arbeit ertragen,
die trotz allen Fleißes so schlecht entlohnt.
Nie hat die Verzweiflung mich niedergerungen,
nur eines macht meine Seele so krank,
dass sie meinem armen, gefallenen Jungen
Hass schenkten und Hohn, statt Liebe und Dank!
Laß deine Augen offen sein,
geschlossen deinen Mund,
und wandle still,
so werden dir
geheime Dinge kund!
Jahr: 1866 – 1914
Nicht nur auf schönen, gold'nen Tagen
Baut sich das wahre Lebensglück,
Entbehren müssen wir, entsagen,
Wir müssen lernen, zu ertragen
Auch manches bitt're Mißgeschick.
Doch nur getrost – indes wir weinen –
Steht hinter Wolken schon bereit
Die liebe Sonne, uns zu scheinen
Aufs neu in voller Herrlichkeit!
O Geist der Dichtung, göttliche Gabe, du
Deckst mit Blumen den Abgrund des Lebens zu!
Du beust Weihe der Freude und Balsam dem Schmerz,
Ziehst goldene Fäden vom Himmel ins Herz,
Auf daß schon hienieden ein Abglanz der Klarheit
Uns werde vom Urborn des Lichts und der Wahrheit!
O Land, du schöne Heimat, du bist mein Glück, mein Stolz, dein Boden, der mich nährte, dein Himmel, der mich hüllt, ich liebe dich von Herzen, du bist mein Paradies.
Jahr: 1860
Längs einem Strom in einem Felsenschlunde,
Ging einst ein Edelmann,
Und ihn umhüpften seine beiden Hunde:
Joli und Soliman.
Joli, das Windspiel, sprang mit tausend Possen
Hinan an seinen Herrn,
Und wird geküßt, indessen steht verstoßen
Der arme Pudel fern,
Den armen liebt man nicht, er kann nicht schmeicheln,
Zu finster ist sein Blick,
Und statt den treuen, wie Joli, zu streicheln,
Stößt man ihn stets zurück.
Nun aber wankt der Herr am steilen Strande
Mit ungewissem Fuß
Und stürzet plötzlich von dem glatten Rande
Des Abgrunds in den Fluß.
Indes Joli mit Furcht und bangem Bellen
Am hohen Ufer steht,
Sich in dem Silberspiegel glatter Wellen
Begaffet und dann geht,
Stürzt sich der brave, stets verschmähte Pudel
Hinab vom hohen Strand,
Entreißet mühsam seinen Herrn dem Strudel
Und trägt ihn froh ans Land.
O möge diese kleine Fabel lehren,
Wie oft der Schein belügt,
Nur die Gefahr kann einen Freund bewähren,
Die Außenseite trügt.
Ihr Weltenherrscher hasset nicht den Braven,
Weil er nicht niedrig kriecht,
Der erste eurer tiefgebückten Sklaven
Ist oft ein Bösewicht!
Deutschland, Deutschland , du mein Alles,
Schwergeprüftes Vaterland,
Das so lang zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenstand!
Jetzt gebeugt und arg zerrissen
Durch des Haders schwere Schuld,
Deutschland, Deutschland , du mein Alles,
Schwergeprüftes Vaterland!
Deutscher Mut und deutsche Treue,
Einst bewährt in aller Welt,
Wie so traurig und erbärmlich
Ist es jetzt um euch bestellt!
Statt dem Feind die Stirn zu bieten,
Selbst besiegt – noch einig, stark,
Hassen deine Brüder jetzt sich
Voll Verblendung bis ins Mark.
Freiheit ist die Losung aller
Aber nicht von Feindes Macht,
Nein, von Selbstzucht und von Ordnung
Die allein doch glücklich macht!
Keine Freiheit ohne Ordnung,
Ohne Recht und Einigkeit!
Werde wieder fest und einig,
Mein geliebtes Vaterland!
Jahr: 1919
Denn die Zeit ist schwer, Ehrwürd'ge
Heil'ge Satzung wird zur Fabel,
Recht zu Aberwitz; aus Trümmern
Baut der Wahn ein neues Babel;
Wild die Herzen, feil die Treue,
Gold und Macht die höchsten Götter,
Und den Altar unterwühlen
Hier die Heuchler, dort die Spötter!
Wir stehen heute barfuß vor den Toren,
gebeugten Haupts durchs Joch der Tyrannei.
Wir haben unsern Mut und Stolz verloren,
das war der klare Wille der Partei.
Wir fühlen noch der Kette kalte Spuren,
die Seele hängt zerfetzt im Stachelzaun.
Wir sind getürmt durch Wald, durch Nacht, durch Fluren,
zurückgeblieben ist ein düst'rer Traum.
Es rasseln noch die Dollars gleich den Schellen,
mit denen wir die Freiheit uns erkauft.
Geknechtet und das Menschenrecht missachtet,
als Handelsware hat man uns missbraucht.
Wir stehen heute barfuß vor den Toren,
in bloßer Scham, oh Joch der Tyrannei!
Wir sind der Freiheit ohne Angst verschworen.
Erpresste Ehre schenk' ich Dir, Partei!
Die Würde will nicht Heimlichkeit!
Verbirgst du deine Wesenheit,
um anders zu erscheinen,
was wirst du dann verneinen?
Dein wahres Selbst - nur für ein Spiel,
das dir wahrscheinlich nie gefiel?
Richt' deinen Blick nach Innen!
Was willst du denn gewinnen?
Wenn du zu denen dich gesellst,
auch wenn du dich geschickt verstellst,
musst du dich selbst verkaufen
und hältst das Spiel am Laufen!
Letztlich gewinnen ist dein Ziel
- und so wirst du ein Teil vom Spiel,
für das du nicht geboren!
Trotz Sieg hätt'st du verloren.
Vergiss die Tücke und die List,
erkenne, wer du wirklich bist.
Komm, leg die Karten nieder
und spiel ihr Spiel nie wieder!
Nicht auf den einen ist ihr Schwert gezückt, gegen uns alle kehrt sich der Sturm.
Sie wollen nicht leiden, daß man über ihre Zwingherrschaft schreie, sie wollen ihre Machenschaften und Schleichwege nicht aufgedeckt, ihrem Wahnsinn nicht gesteuert, ihrem Wüten keinen Damm entgegengesetzt wissen.
Das ist's, was sie so erbittert, was sie mit den Zähnen knirschen läßt, so daß sie nun jede Scham in ihrem Betragen von sich werfen.
Ihr aber, die ihr dies klar vor Augen seht, welche Schritte wollt ihr tun, welchen Entschluß wollt ihr fassen?
Wenn ihr mich hören wollt, so sage ich:
Jetzt ist's an Euch, Euch daran zu erinnern, daß ihr Deutsche seid!
Jahr: 1488 - 1523
Im Augenblick du sie verkaufst,
den Stolz und deine tiefe Würde,
doch schaue weiter nur bergauf,
überspring noch diese tiefe Hürde.
Ein Spiel wo alle Karte halten,
so blöffe weiter unentwegt,
doch keiner weiß, das Spiel wirst du gestalten,
bis die Karten wer'n gelegt.
Schon lang durchschaut,
die Spieler die am Tische starren,
alles was in dir sich staut,
bleibt inne, für die blinden Narren.
Lass sie im Glauben wer du bist,
lass sie probieren dich zu lesen,
mit innerliche Ruh und List,
zeigst Ihnen ein fiktives Wesen.
Wenn der Zeitpunkt ist gekommen,
legst du offen deines Blatt,
dann erst haben sie vernommen,
das Sie verloren, sind Schach matt.
Du wirst es nicht zu Tüchtigem bringen
bei deines Grames Träumereien,
die Tränen lassen nichts gelingen;
wer schaffen will, muß fröhlich sein.
Wohl Keime wecken mag der Regen,
Der in die Scholle niederbricht,
Doch golden Korn und Erntesegen
Reift nur heran bei Sonnenlicht!
Phol ende Uuôdan uuorun zi holza. Dû uuart demo Balderes uolon sîn uuoz birenkit. Thû biguol en Sinthgunt, Sunna era suister, thû biguol en Frîia, Uolla era suister; thû biguol en Uuôdan sô hê uuola conda: sose bênrenkî, sose blutrenkî, sose lidirenkî: bên zi bêna, bluot zi bluoda, lid zi geliden, sose gelimida sin !
Betrachten Sie mich als eine Art Mauer, in die seit Jahren das Unglück Breschen schießt.
Von allen Seiten kommt Sturm auf Sturm.
Häusliches Unglück, geheimer Kummer, öffentliche Anfälle und drohende Katastrophen.
Das ist mein täglich Brot.
Aber glauben Sie nicht, daß ich mürbe werde.
Sollte alles drunter und drüber gehen, so lasse ich mich im Einsturz mitbegraben mit dem kalten Blut, mit dem ich Ihnen schreibe!
Jahr: 1712 - 1786
Ein Kriegsdienstverweigerer kann sich auf edle Motive berufen, auf Menschenliebe, auf Religion, es werden ihm viele Begriffe und Redensarten zur Verfügung stehen und zu Hilfe kommen, und die ganze bürgerliche Welt wird gerührt behaupten, jener Mann handele aus "ehrenhaften Motiven".
Und doch ist er in unserem Sinne ein Ehrloser, weil er es duldet, daß sein Volk geschändet wird.
Er ist ein gemeiner Egoist, weil er seine kleine und erbärmliche Privatehre, die kein Opfer verlangt, als verbindlicher ansieht als die Ehre seines Landes.
Vor der Nation gilt eine solche klägliche Privatehre nichts!
Eiris sâzun idisi,
sâzun hêra duoder.
Suma hapt heptidum, suma
heri lezidun,
suma clûbôdun
umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandum,
inuar uîgandun !
Und ich sah den Greis mit schleppendem Gang,
wie er gramgebeugt schlurft die Straße entlang.
Und ich sah, wie er schaut mit leblosem Blick.
Vorbei sind die Träume und Stunden voll Glück.
Und ich sah, er fürchtet das Ende, das naht.
Und er sieht keinen Tunnel, keine Brücke, keinen Pfad.
Er war niemals für den Nächsten ein Freund in der Not.
Nun steht er mit leeren Händen vor seinem Gott.
Doch ich sah auch den Greis mit der Lust am Leben;
bereit, aus der Fülle seiner Weisheit zu geben.
Ich sah ein zerfurchtes Gesicht, doch zwei funkelnde Augen;
erzählend von Liebe, von Hoffnung und Glauben.
Ich sah die Leiden des Alters, doch einen klaren Verstand,
ein Herz voller Liebe, eine helfende Hand.
Wer so gelebt hat, der wird auch verstehn,
am letzten Tag in Frieden zu gehn.
Die Erkenntnis kommt meistens viel zu spät:
"Man erntet im Alter, was man früher gesät!"
Und ich sah das Kind mit dem leeren Blick,
das niemand geliebt und ans Herz gedrückt.
Und ich sah die Wangen, die niemand gestreichelt;
sah die Zuneigung, die man nur geheuchelt.
Und ich sah, wie es sich in sein Schicksal gefügt,
scheinbar nicht würdig, daß man es liebt.
Für seine Bedürfnisse war man taub und blind.
Es war nie gewollt. Es war nur ein Kind.
Doch ich sah auch das Kind mit dem strahlenden Blick;
erhofft und ersehnt, welch unbeschreibliches Glück.
Man lehrte es Stärke, Mut und Vertrauen;
gab ihm Wärme und stärkte sein Selbstvertrauen.
Ich sah die kostbare Zeit, die man im gab.
Man stand ihm stets zur Seite mit Rat und Tat.
Es hat gelernt und es hat gespürt,
dass die Hoffnung immer als letztes stirbt.
Die Erkenntnis kommt meistens viel zu spät:
"Die Kinder ernten, was die Eltern gesät!"
Mit allem Großen ist es wie mit dem Sturm.
Der Schwache verflucht ihn mit jedem Atemzug,
der Starke stellt sich mit Lust dahin,
wo's am heftigsten weht!
Wo keine Wiegen stehn,
da rostet bald der Pflug,
wenn sich auch heut noch Äcker breiten
und hell die Sensen drüber gleiten,
wo keine Wiegen stehn,
wird jede Ernte Trug.
Wo keine Wiegen stehn,
wird auch das Schwert verlacht,
und mögen noch so stolze Bauten ragen,
und Männer sieggewiß das Banner tragen,
wo keine Wiegen stehn,
verliert das Schwert die Macht.
Wo keine Wiegen stehn,
wird jedes Beten Spott.
Ob auch die Dome widerklingen
und Fromme ihre Opfer bringen,
wo keine Wiegen stehn,
da schweigt auch Gott!
Es hat einmal ein Tor gesagt,
Daß der Mensch zum Leiden geboren worden;
Seitdem ist dies – Gott sei's geklagt! –
Der Spruch aller gläubigen Toren worden.
Und weil die Menge aus Toren besteht,
Ist die Lust im Lande verschworen worden,
Es ist der Blick des Volkes kurz
Und lang sind seine Ohren worden!
Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
Träumet still die Au.
An der letzten Rose
Löset lebenssatt
Sich das letzte lose,
Bleiche Blumenblatt!
Goldenes Entfärben
Schleicht sich durch den Hain!
Auch Vergeh'n und Sterben
Däucht mir süß zu sein.
Jahr: 1815 – 1890
Rast wie ihr wollt, ihr unverschämten Neider!
Ich klag und zittre nicht,
Auf! zeiget eure Schwäche!
Wenn mir zu viel geschicht,
Muß ich der Thorheit lachen.
Ihr möget nur aus mir sehr wenig machen.
Ihr werdet, doch vielleicht zu späte, sehn,
Daß ich auf edle Art mich an euch räche.
Wie wollt ihr da bestehn,
Wenn man einst wird von meiner Großmuth sprechen:
Sie steiget doch, wenn man sie gleich will schwächen!
Doch wie du auch ein Ende nimmst,
du kehrest zu den Göttern,
kehrst ins heilge, freie, jugendliche Leben der Natur,
wovon du ausgingst,
und das ist ja dein Verlangen nur und auch das meine!
Es ist ein Zeichen selt'ner Art,
nicht fein und zart, nein, Eisenhart,
zu dem wir Jungen beten -
ein schlichtes Tuch, ein harter Schaft,
doch wird uns seine stolze Kraft
befrei'n aus allen Nöten!
Lohnt es sich denn, für dieses Volk zu streiten,
das nicht begreift, dem nichts mehr heilig ist?
Das sich devot verneigt nach allen Seiten
und seinen Feinden aus den Händen frißt?
Das das Zerstörungswerk an sich vollendet
und selber Hand an sein Bestehen legt?
Das in den Hirnen so total verblendet,
nicht mehr das Erbe seiner Väter hegt?
Das seine Jugend wirft aus ihren Bahnen,
das seine großen Helden nicht verehrt,
das sich versammelt um des Feindes Fahnen -
ist dieses Volk noch meiner Liebe wert?
Ich brauche nur Einen... der mit mir geht...
Durch Licht und Schatten... durch Freud und Leid...
Ich brauche nur Einen... der mich versteht...
Dann trägt mein Dasein ein Sonntagskleid...!
Ich brauch nur Einen... der um mich bangt...
Und gut zu mir ist... der lieb zu mir spricht...
Und streichelt mein Haar... und nach mir verlangt...
Den Einen nur... mehr brauch ich nicht...!
Alles, was man in dieser Zeit für seinen Charakter tun kann, ist,
zu dokumentieren,
daß man nicht zur Zeit gehört!
A oagne Mundart ischt a Seaga,
drum mueß ma' se mit Sorgfalt pfleaga und ällaweil a Aug' druff hau',
koa Wöartle sot verlaora gauh'!
Am schwersten lassen sich die Mauern niederreißen,
die man um sich selbst errichtet hat!
Der Glaube unserer Vorfahren war tiefstes Wissen.
Möge das Wissen heutiger Tage tiefster Glaube werden!
Du aus den Händen der Natur,
Zu ihrem Ruhm hervorgegangene Schöne!
Jetzt singet, auf der arm gewordnen Flur,
Nicht mehr die Lerche. Jetzt verlernt die Thöne
Selbst deiner Schwester Nachtigall. Sie schweigt
In ihrem melancholischen Gehäuse;
Tief denkend sitzt sie da – so sitzet oft der Weise,
Der Menschenfreund, wenn fremde Noth ihn beugt,
Wenn drückend Elend kommt mit jung gewordnen Tagen,
Wenn durch das Vaterland die lautgestöhnten Klagen
Erschallen allgemein: Dann sitzet traurig er,
Verstummt von Schmerz, und blickt umher,
Ob aufgeklärtre Tage kommen –
Du holdes Mädchen, von zwey Frommen,
Im Lande Friedrichs auf die Welt gebracht;
Unmuthig siehest du den Bäumen ihre Pracht,
Den Blumen ihren Reiz benommen.
Der Maulbeerbaum – er stehet blätterlos;
Wie liegen unter ihm, die stolz getragne Locken
Zerstreut, auf schwarzer Erde Schooß,
Den blassen Leichen gleich! O! ihre Sterbeglocken,
Die rauhen Winde stürmten um sie her.
Wie ist die Reben-Wand von ihrem Schmuck so leer!
Nichts grünet mehr in dem beliebten Raume,
Wo du Lustwandeln giengst, wo Blumen sich gebückt,
Vor deines weissen Kleides Saume,
Wann sie dein Angesicht erblickt.
So nimmt die Zeit, einst Güter der Natur
Dir schönes Kind! Dein Herbst, dein Winter werden kommen
Mit räuberischer Hand. Dann wird, wie von der Flur,
Der Reiz von dieser Wange weggenommen.
Sie lassen dir des Herzens Schönheit nur!
Nur den Verstand heraufgereift, nur Züge
Der Seele, die mit Tugend ausgeschmückt
Nicht von der Zeit, vom Zufall nicht erdrückt,
Bezeuget, daß in ihr der Gottheit Funke liege!
Wann achtzehn Erndten noch vorüber gehn,
Und Krankheit nicht in Dir Verwüstung angerichtet;
Dann ist vielleicht noch dieses Antlitz schön,
Das alle Kunst der Mahlerey zernichtet.
Wann aber funfzig Sommer du gelebt;
Alsdann haucht alle Reize von den Wangen
Die starke Zeit, vor der die Gärten sind vergangen,
Die prächtig in der Luft geschwebt.
Dein äußrer Bau, so künstlich er gewebt,
So fein die Nerven auch sind überzogen worden,
Ist nichtig, muß vergehn; wie Blüten im April,
Wenn nächtlich sie ein Frost kommt in der Knospe morden,
Und wenn ins Leben sie die Sonne wecken will,
Noch ungestalt und welk an Zweige kleben –
Dir aber sollen noch die Jahre Reizung geben.
Dein Geist, der innre Mensch, soll, wirst du älter seyn,
Durch größre Schönheit den erfreun,
Der dir bestimmt, und deiner werth befunden,
Mit dir durchlebet goldne Stunden.
Uns nicht bekannt, ist dieser Jüngling noch.
Du horchst hoch auf, wirst roth, und willst ihn wissen?
Der Himmel kennet ihn, und der wird doch
Dich nicht unedle Lippen lassen küssen.
Nein, fromm und treu, verständig, zärtlich, ernst
Sey der, von dem du leicht mehr Tugenden noch lernst!
Jahr: 1722 - 1791
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns des Lebens freun,
Denn draußen tobt der Holden.
Der Sommer ging, der Herbst ist da,
Doch wir, wir bleiben sitzen;
Wir leeren noch den letzten Krug,
Eh' wir von hinnen schreiten.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns des Lebens freun,
Denn draußen tobt der Holden.
Jahr: 1849
Wahre Liebe kann ja alles,
Kann den hohen Himmel stürmen,
Und die Sterne niederreißen,
Kann im Tal Gebirge türmen,
Sie kann Todeswunden schlagen,
Sie kann Todeswunden heilen;
Aber niemals wird sie lernen:
Was sie liebt mit andern teilen!
Jahr: 1842
Die Sklaverei lässt sich bedeutend steigern,
indem man ihr den Anschein der Freiheit gewährt.
Und ob er mitunter kanzleihaft spricht,
Ob Tinten und Farben erblassen,
Die Großen der Zeiten sterben nicht,
Das Alter ist keinem erlassen.
Doch ahmst du ihm nach, du junges Volk,
So laß vor allem dir sagen:
Der Schlafrock steht nur denen wohl,
Die früher den Harnisch getragen!
Gedenket ihr deutschen Jungen und Mädchen!
All das stolze Blut der Könige und Helden, der Dombauer, frommen Maler, der Meister selbstbewussten Handwerks, der Sänger und Seher Deutschlands ist in euch!
In euch ist das Blut der Wikinger und Seefahrer, die den Stürmen trotzen und fremde Fernen Kühn befuhren, in euch ist das Blut der Ostlandwanderer, die wilde Weiten eroberten und neben den Schwerte den Pflug in Ödnis und Fremdland trugen, in euch ist das Blut der Sehenden und Suchenden, die in Gotthingegebenheit über ewigen Dingen sannen, aber in euch ist auch das Blut der Trotzigen, Freien, die gegen Bedrückung und Knechtschaft sich auflehnen, der Sachsen, die bei Verden an der Aller eher den Tod als den Sachsenschlächter Karl sich beugten, der Bauern die in furchtbar grausamen Kriege sich erhoben gegen Willkür und Unrecht übermütiger Herren, der Freiheitskämpfer von 1813, die über den Kaiser der Welt siegten, in der Kraft ihrer Heimatliebe, ihres deutschen Stolzes, in euch ist das Blut der ganzen jungen Knaben, die bei Langemarck singend den Kugeln des Feindes entgegen stürmten, in euch ist das Blut der Forscher und einsam in ihre Werke gebannten Gelehrten, der ehern dienenden Arbeiterschar und der vorwärtsdrängenden Wissenschaftler und Erfinder, Blut des Bergmanns und des Fliegers, in euch ist zuchtvolle Begrenzung und weltschweifende Maßlosigkeit, in euch ist das Blut, das kühnste Ewigkeitsträume zu träumen vermag.
Erkenne euren Reichtum, werdet stolz eurer Art, bewusst eurer Verantwortung, ermesset eure Abkunft und liebet das Volk, das all die hütet, kämpft für die Zukunft, in der das Volkstum blühen soll!
Jahr: 1891
Entschuldige sich nur keiner damit, daß er in der langen Kette zuunterst stehe; er bildet ein Glied, ob das erste oder das letzte, ist gleichgültig, und der elektrische Funke könnte nicht hindurch fahren, wenn er nicht da stände. Darum zählen sie alle für einen und einer für alle, und die letzten sind, wie die ersten!
Jahr: 1813 - 1863
Jedes Kämpfen für die Freiheit
Geht der Menschheit nie verloren,
Und aus jedem ihrer Gräber
Wird sie mächt’ger stets geboren.
Alles Blut, was ihr geflossen,
Tränkt allewig ihre Saat;
Jede That der Weltgeschichte
Zeugt auch wieder eine That!