Ich hatte einen wundersamen Traum:
Im Traume lag ich unter einer Eiche!
Gar mächtig stand sie da, am Waldessaum,
Im Licht des Himmels, der die Sondergleiche
Just wie ein blauer Baldachin bedeckte.-
Es wehte süßer Friede durchs Geäste,
Die Morgensonne warf ihr Gold hernieder,
Und alle Vöglein schmetterten aufs Beste
Dem gütgen Schöpfer ihre schönsten Lieder - -
Was wars, das uns in dieser Eintracht schreckte?
Es kamen vier Männer des Weges daher
Mit Seil und Keil, mit Axt und Säge,
Die waren sich einig,sie wollten nicht ruhn,
Bis daß der Eichbaum am Boden läge.
Schon teilten im Geist sie den hölzernen Recken
Und schickten sich an, ihn niederzustrecken. -
Es stellte der Längste sich großspurig hin,
Er mahnte die Andern zu raschem Beginn
Und führte den ersten – vergeblichen – Streich.
Sein Mund sprach: Oh yes, den haben wir gleich!
Nun holte der Zweite sein Werkzeug heraus,
Es sägte die Säge – der Segen blieb aus! -
Mit Keilen versuchte der Dritte sein Glück,
Doch kamen die Keile weit wuchtger zurück! -
Nur her mit dem Seile! Dem Übrigen galt`s!
Doch schlang sich der Strick nur dem Strick um den Hals. -
So hatten sie nichts mit der Eiche geschafft!
Umsonst war der Eifer – Vergeudet die Kraft! -
Das hat so tief in uns gehaust,
Bang – vergraben im stillen!
Schicksal schlag zu, wo du erbaust!
Was durch das Wort vernichtet ist,
zerklüftet und zerschichtet ist,
zwingst du zu einem Willen.
Macht, Aberwitz und feiles Brot
Ihnen, die dran verderben!
Uns aber, die große Not!
Daß unserm Maul das Wort verweht,
Des Blutes Welle aber geht
Hoch über allem Sterben!
Klingt`s nicht von anno 13 her?
Weiter noch her! Ein Dröhnen,
Da dreißig Jahre zentnerschwer,
Von fremder Faust, von fremdem Tritt
Das deutsche Land die Buße litt,
Um Welten zu versöhnen.
Und bricht`s nicht aus der Erde Schoß,
Stärker als Lüg` und Waffen?
Der Mütter Last, der Väter Los:
Immer wieder zu Boden gezwungen,
Immer wieder ans Licht gerungen.
Auch wir, wir werden`s schaffen!