Die Geschichte muß dem Volk, wenn auch nur in der Gestalt der Sage, gegenwärtig bleiben, es darf sein geschichtliches Bewußtsein nicht verlieren, wenn es nicht vor der Zeit altern soll!
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
treu deutschem Pflichtgebot
mit festverschloss´nem Munde
traf dich die Todeswunde
fielst du für deutsche Not.
Du hast uns wollen zeigen
was deutscher Mut vermag
zu kämpfen und zu schweigen
drum sollen Flammen steigen
aus deinem Sterbetag.
Die Fahne soll sich senken
bei deines Namens Klang
du sollst den Sinn uns lenken
wir wollen dein gedenken
das ganze Leben lang.
Jahr: 1923
Alles opfert' ich hin, sprichst du, der Menscheit zu helfen,
Eitel war der Erfolg, Haß und Verfolgung der Lohn. –
Soll ich dir sagen, Freund, wie ich mit Menschen es halte?
Traue dem Spruche! noch nie hat mich der Führer getäuscht,
Von der Menschheit – du kannst von ihr nie groß genug denken,
Wie du im Busen sie trägst, prägst du in Taten sie aus.
Auch dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet,
Reich ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand.
Nur für Regen und Tau und fürs Wohl der Menschengeschlechter
Laß du den Himmel, Freund, sorgen wie gestern so heut!
Jahr: 1759 - 1805
Ihr, die beim frohen Mahle lacht,
Euch eure Blumen zieht in Scherben,
Und was an Gut euch zugedacht,
Euch wohlbehaglich laßt vererben,
Ihr starrt dem Dichter in's Gesicht,
Verwundert, daß er Rosen bricht
Von Disteln, aus dem Quell der Augen
Korall' und Perle weiß zu saugen;
Daß er den Blitz herniederlangt,
Um seine Lampe zu entzünden,
Im Wettertoben, wenn euch bangt,
Den rechten Odem weiß zu finden;
Ihr starrt ihn an mit halbem Neid,
Den Geistes-Crösus seiner Zeit,
Und wißt es nicht, mit welchen Qualen
Er seine Schätze muß bezahlen.
Wißt nicht, daß ihn, Verdammten gleich,
Nur reines Feuer kann ernähren,
Nur der durchstürmten Wolke Reich
Den Lebensodem kann gewähren;
Daß, wo das Haupt ihm sinnend hängt,
Sich blutig ihm die Thräne drängt;
Nur in des schärfstes Dornes Spalten
Sich seine Blume kann entfalten.
Meint ihr das Wetter zünde nicht?
Meint ihr der Sturm erschüttre nicht?
Meint ihr die Thräne brenne nicht?
Meint ihr die Dornen stechen nicht?
Ja eine Lamp' hat er entfacht,
Die nur das Mark ihm sieden macht;
Ja Perlen fischt er und Juwele,
Die kosten nichts — als seine Seele.
Ruf der Störche
O, sieh', welche Wonne hier oben uns blüht,
Wenn kreisend wir schweben im blauen Zenith,
Und unter uns dehnt sich gebreitet
Die herrliche, sonnenbeschienene Welt,
Umspannt vom erhabenen Himmelsgezelt,
An dem nur Dein Blick uns begleitet!
Uns trägt das Gefieder; gehoben vom Wind
Die breiten, gewölbten Fittige sind;
Der Flug macht uns keine Beschwerde;
Kein Flügelschlag stört die erhabene Ruh’.
O, Mensch, dort im Staube, wann fliegest auch Du?
Wann löst sich Dein Fuß von der Erde?
Und senkt sich der Abend, und ruhet die Luft,
Dann steigen wir nieder im goldigen Duft,
Verlassen die einsame Höhe.
Dann trägt uns der Flügelschlag ruhig und leicht
Dem Dorfe zu, ehe die Sonne entweicht;
Dann suchen wir auf Deine Nähe.
So siehst Du im niedrigen Fluge uns ziehn
Im Abendrot über die Gärten dahin.
Zum Neste kehren wir wieder.
Auf heimischem Dache dann schlummern wir ein,
Und träumen von Wind und von Sonnenschein,
Und ruh’n die befiederten Glieder.
Doch treibt Dich die Sehnsucht, im Fluge uns gleich
Dahinzuschweben, im Lüftebereich
Die Wonnen des Flug’s zu genießen,
So sieh’ unsern Flügelbau, miß unsre Kraft,
Und such’ aus dem Luftdruck, der Hebung uns schafft,
Auf Wirkung der Flügel zu schließen.
Dann forsche, was uns zu tragen vermag
Bei unserer Fittige mäßigem Schlag,
Bei Ausdauer unseres Zuges!
Was uns eine gütige Schöpfung verlieh’n,
Draus mögest Du richtige Schlüsse dann zieh’n,
Und lösen die Rätsel des Fluges.
Die Macht des Verstandes, o, wend’ sie nur an,
Es darf Dich nicht hindern ein ewiger Bann,
Sie wird auch im Fluge Dich tragen!
Es kann Deines Schöpfers Wille nicht sein,
Dich, Ersten der Schöpfung, dem Staube zu weih’n,
Dir ewig den Flug zu versagen!
Jahr: 1889
Die Wissenschaft hat uns den Organismus der Sprache aufgedeckt; aber was sie uns zeigte, war ein abgestorbener Organismus, den nur die höchste Dichternot wieder zu beleben vermag, und zwar dadurch, daß sie die Wunden, die das anatomische Seziermesser schnitt, dem Leibe der Sprache wieder schließt, und ihm den Atem einhaucht, der ihn zur Selbstbewegung beseele. Dieser Atem aber ist: – die M u s i k !
Tischsprüche
Wir wissen alle, es gibt solche, die mit dem Kopfe durch die Wand wollen.
Wie man so sagt.
Je nun, wenn schon mit dem Gesagten die Unvernunft übertriebener Dickköpfigkeit anschaulich dargelegt wird, so käme es doch noch darauf an, ob ein Gummiball, eine Turteltaube oder eine Kanonenkugel durch die Wand will.
Ich weiß, wir reden von Menschen und von seinem Kopfe, und ob sich dieser an de Wand als Gummiball, Nachtigall oder Kanonenkugel ausweist.
Der Ball wird von der Mauer abprallen, das verständige Lebewesen sich um die Wand herumbewegen und die Kanonenkugel sie einfach durchbrechen.
Man tut gut, seinen Kopf nicht immer für eine Kanonenkugel zu halten!
Gespräche sollen in der Erzählung nur zur Belebung und Darstellung der Handlung dienen.
Dienen sie auch noch zur Charakteristik der Personen, so werden sie langweilig.
Ein Gehirn
wäscht
das andere
Die erste Gans im Gänsezug,
Sie schnattert: "Seht, ich führe!"
Die letzte Gans im Gänsezug,
Sie schnattert: "Seht, ich leite!"
Und jede Gans im Gänsezug,
Sie denkt – Daß ich mich breite
So selbstbewußt, das kommt daher,
Weil ich, ein unumschränkter Herr,
Den Weg mir wähl' nach eignem Sinn,
All meiner Schritte Schreiter bin
Und meine Freiheit spüre!
Jahr: 1830 - 1916
Freiheit ist wie die Luft zum Atmen.
Man muß erst die Luft abgedrückt bekommen bevor man nach ihr schnappt!
Im tiefen Keller sitz ich hier
bei einem Fass voll Reben
bin frohen Muts und lasse mir
vom allerbesten geben.
Der Küfer zieht den Heber vor
gehorsam meinem Winke
reicht mir das Glas, ich halt's empor
und trinke, trinke, trinke
Mich plagt der Dämon, Durst genannt
doch um ihn zu verscheuchen,
nehm' ich mein Römerglas zur Hand
und lass mir Rheinwein reichen.
Die ganze Welt erscheint mir nun
in rosenroter Schminke,
ich könnte niemand Leides tun
und trinke, trinke, trinke.
Allein mein Durst vermehrt sich nur
bei jedem vollen Becher,
das ist die leidige Natur
der echten Rheinweinzecher;
Doch tröst ich mich, wenn ich zuletzt
vom Faß zu Boden sinke,
Ich habe keine Pflicht verletzt
ich trinke, trinke, trinke.
Jahr: 1802
Dieser Unteroffizier,
Mädchen, wie gefällt er dir?
Seine Farben steh'n ihm gut,
Und sein kriegerischer Hut;
Und er schaut so muthig d'rein:
Mädchen, hast ihn Lust zu frei'n?
Mädchen, laß es bleiben.
Dieser Unteroffizier,
Wie ein Mann steht er allhier;
Wenn er seinen Rock zieht aus,
Wird, o weh, ein Mädchen d'raus;
Und wer irgend ihn will frei'n,
Darf fürwahr kein Mädchen sein.
Das sind Wunder Gottes.
Dieser Unteroffizier
War ein Mädchen, so wie ihr;
Aber als der Krieg begann,
Macht' es sich zu einem Mann;
Weil's die Schneiderei verstand,
Macht' es sich ein Mannsgewand,
Zog als Mann zu Felde.
Dieser Unteroffizier
Wer ihn frein will, glaubet mir,
Muß ein tücht'ger Hauptmann sein,
Wenn der Handel soll gedeih'n.
Ei, ein Hauptmann bringt ihn schon
Zur Subordination,
Trotz dem Kreuz am Halse.
Mein Leben war ein Ringen
Von morgens früh bis abends spät.
An jedem Tage
Die gleiche Frage:
Kannst du es zwingen?
Und immer sah der Glaube:
Es geht!
Finden wir uns damit ab:
Der Mensch ist nicht zum Vergnügen allhier.
Dazu ist unser Erdball zu problematisch.
Aber weil der Mensch lieber lacht als weint, macht er sogar Witze, um (wenn es nicht anders geht) auch ohne Grund lachen zu können.
Folglich scheint der Mensch kaum um seinetwillen, als vielmehr zur besonderen Verwendung da zu sein.
Fragt sich nur, für wen oder was.
Von mir aus wäre es nicht durchaus notwendig, daß ich einen -für mich- angenehmen Zweck haben müßte.
Natürlich wehre ich mich gegen jede mich schmerzende Verwendung.
Aber es gibt auch Mittel und Zwecke für andere!
Tischsprüche
Es war einmal ein Königskind, das ging im Walde spazieren,
da sah es einen Jäger fein, der schoss es tot mit einem Schuss.
Es war einmal ein Jägersmann, der ging im Walde jagen,
da sah er einen Königskind, das schoss er tot mit einem Schuss.
Es war einmal ein Königskind, das ging im Walde spazieren,
da sah es einen Jäger fein, der schoss es tot mit einem Schuss.
Es war einmal ein Jägersmann, der ging im Walde jagen,
da sah er einen Königskind, das schoss er tot mit einem Schuss.
Jahr: 1850
Eine Jungfrau ist etwas sehr Schönes,
vorausgesetzt, sie bleibt es nicht!
O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt´ger Aufenthalt.
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft´ge Welt;
Schlag noch einmal die Bogen,
Um mich, du grünes Zelt!
Dem Rade gleich
Entrollt des Lebens Lust! Wohlan, genießet
Und grübelt nicht! Entnehmt mit Kindessinn
Der Mutterhand, die lächelt ihn euch beut,
Der klaren Stunde Kelch, eh' er verrinnt!
Ergreift mit Kraft, bevor er euch entflieht,
den Augenblick und schmückt ihn mit der That!
Weder Gott, noch Tier; ein Feuer
Jäher Leidenschaft war ich,
Hetzte sommers Abenteuer,
Als ich durch die Wälder strich,
Scheute weder Wein, noch Fehde,
War ein froher Knecht der Hast,
Ach, in meinem Herz war jede
Ungestüme Lust zu Gast.
Namenlose Zechgefährten
Bannten mich in ihren Troß,
Dornen meine Lippen sehrten,
Frucht um Frucht ich blind genoß,
Flog von Rausch zu Rausch dem Fleische
Zugetan, das ich verschlang,
Huldigte dem Brunftgekreische;
Meine Flöte dazu sang!
Jetzt, beschenkt mit weiser Gabe
Blumenleichter Kindlichkeit,
Ich mich an den Stunden labe,
Die der Stille sind geweiht.
Einmal noch darf meiner Flöte
Unbeschwertes Sommerlied
Jagen nach der Morgenröte,
Jubeln über welkem Ried.
Du, mein Lied, sei Meeresrauschen,
Wie ein Falkenschrei entflieh!
Innehaltend will ich lauschen
Deiner wilden Melodie.
Flieg, mein Lied, entfliehe heiter
Tönend ostwärts; ich bin alt,
Fliege ohne mich nun weiter,
Meine Tage enden bald.
Morsch ist mein Gehörn geworden,
Stumpf und starr mein Nackenhaar;
Schon zu oft nahm allerorten
Abschied ich von jedem Jahr.
Müde bin ich! nach durchzechten
Sommern trauter Kraft beraubt,
Möchte nur auf Moos und Flechten
Betten mein ergrautes Haupt.
Zwischen raunenden Zypressen,
Sanft entzweit von wirrem Ziel,
Will entschlafend ich vergessen
Aller Freuden Schattenspiel.
Rieseln soll im Herbst aus meinen
Augen alter Wege Staub,
Fern von meiner Jugend Hainen,
Unter moderweichem Laub.
Wo ich über Rosenhecken,
Fliegenpilz und weißen Klee
Lüstern tollte, soll bedecken
Letzte Spuren hoher Schnee.
Sinken meine Augenlider
Und mein längster Traum beginnt,
Führt Äonenschlaf mich wieder
In des Rausches Labyrinth.
Wenn der Nächte Sternenschimmer
Mich vergiftet, wie einst Wein,
Werde trunken ich für immer
Schmerz und Lust entronnen sein,
Werde folgen, ohne Alter,
Frei von meiner Sinne Trug,
Leichter gaukelnd als ein Falter,
Meines Liedes Vogelzug.
Solange wir nicht vom Geiste der Wechselstuben zu dem Geiste des alten Preußen der sittlichen Weltverfassung zurückkehren, solange haben wir kein Recht auf Wiedergeburt und Wiederauferstehung.
Jahr: 1878
Alle Worte waren hoch gesprochen
und von Mächtigen bald gebrochen.
Es galt sodann der heilige Schwur,
dem die Waffen folgten auf der Spur.
Sie schritten furchtlos voller Sorgen
für Volk, für Land und für ein Morgen
und die geliebte Heimat in die Schlacht,
standen an den Fronten auf der Wacht.
Als sie auf Befehl die Waffen niederlegten,
da begann für sie ein Hoffen und ein Beten.
Wird ein Frieden diesen Gang beenden
oder Recht sich hin zur Rache wenden?
Es wurde Rache, die Recht und Ehre nahm,
in ihrem Schlepptau alter Hass zu ihnen kam,
Rauben, Plündern, Schänden , Folter, Lügen,
Mord und Totschlag bis hinein in unsere Wiegen.
Von Befreiung tönten nun die hohen Worte,
von den Feinden einer ganz besonderen Sorte,
und dieser Blutpreis sei nur billig und gerecht.
Ohne Waffen tobt seither das tödliche Gefecht.
Jahr: 2020
Alte Soldaten sterben nicht,
sie leben fort in den Erzählungen ihrer Männer und in der Nachahmung ihres Beispiels!
Die Völker leben dadurch, daß die Besten und Selbstlosesten, die Kräftigsten und Reinsten sich selbst zum Opfer darbieten.
Was die Menschheit an höchsten Gütern besitzt, durch solche ist es erworben und mit Verkennung, Ausstoßung, Tod gedankt worden!
Tischsprüche
Gedanken sind Wege, Wege die ins Tal oder zur Höhe führen, Wege, die ins Uferlose gehen und solche, die in einer Sackgasse enden.
Es gibt auch ungewohnte, ausgetretene, gerade und krumme Wege.
Wege süß wie Gedankensünden, lüsternbunt und verboten.
Wege die nicht mit guten Vorsätzen gepflastert sind und dennoch zur Hölle führen.
Wege, an deren Anfängen eine Warnungstafel mit Strafandrohung aufgerichtet ist, daraufhin sich der Held eines gegebenen Romans für verpflichtet erachtet, die Warnungstafel nicht zu beachten.
Aber es gibt auch gute Wege und gute Menschen, ja sogar Wegbereiter, die einem brauchbaren Gedanken zuerst haben und solche, die ihn auf der großen Heerstraße auf Mutwillen ziehen, bis sie ihn auf den den sogenannten Geheimplätzen wie Schutt abladen.
Und endlich gibt es noch einen letzten Gedanken und einen letzten Weg, der eigentlich kein Weg mehr ist!
Sophie, mein Henkersmädel,
komm, küsse mir den Schädel!
Zwar ist mein Mund —
ein schwarzer Schlund —
doch du bist gut und edel!
Sophie, mein Henkersmädel,
komm, streichle mir den Schädel!
Zwar ist mein Haupt
des Haars beraubt —
doch du bist gut und edel!
Sophie, mein Henkersmädel,
komm, schau mir in den Schädel!
Die Augen zwar,
sie fraß der Aar —
doch du bist gut und edel!
Viel Klagen hör ich oft erheben
Vom Hochmut, den der Große übt.
Der Großen Hochmut wird sich geben,
Wenn unsre Kriecherei sich gibt.
Jahr: 1960
Die Menschen könnten aus ihren Fehlern lernen,
wenn sie nicht so sehr damit beschäftigt wären,
sie zu leugnen.
Gesundheit ist der größte Reichtum.
Gesundheit schätzt man erst, wenn man krank ist.
Gesundheit muß dir alles sein,
Weit mehr als Geld und Gut;
Drum halte deinen Körper rein,
Halt` ihn in treuer Hut!
Dann paart in dir gesunder Geist
Sich mit gesundem Leib,
Und was bei andern Mühe heißt,
Das ist dir Zeitvertreib!
Alles neu macht der Mai
macht die Seele frisch und frei,
kommt heraus, lasst das Haus,
windet einen Strauß!
Rings erglänze Sonnenschein,
duftend prangen Flur und Hain,
Vogelsang, Hörnerklang
tönt den Wald entlang.
Wir durchziehen Saatengrün,
Haine, die ergötzend blüh'n!
Waldespracht, neu gemacht
nach des Winters Nacht.
Dort im Schatten an dem Quell
rieselnd munter silberhell,
Klein und Groß ruht im Moos,
wie im weichen Schoß.
Hier und dort, fort und fort,
wo wir ziehen, Ort für Ort,
weit und breit, alles freut
sich der schönen Zeit.
Stimmet Jubellieder an!
Singe jeder wie er kann:
Alles neu, frisch und frei
macht der holde Mai!
Jahr: 1796 - 1867
Ein Tag ohne Aufgucken, aber sie kriegt mich nicht unter, die Arbeit:
immer noch bin ich es, der sie treibt und der mich treibt.
Und stumpf werde ich auch nicht!
Ich sehe immer meine großen Lichter über mir!
Jahr: 1880 - 1916
Wieder taucht ein Maientag
aus des Winters Tiefen,
lockt ein heller Amselschlag
alle, die noch schliefen.
Wieder steht das goldene Licht
hoch im Heiligtume –
aus der Dornenhecke bricht
eine Rosenblume.
Maientag und Maienfest!
Unsre Klagen schweigen.
Unsre stolze Sehnsucht lässt
ihre Banner steigen;
ihre Tauben fliegen aus,
ihre Knospen springen –
Kirschen blühn um jedes Haus,
und die Glocken klingen.
Nicht im morschen Kirchenturm, –
tief in Volkes Herzen
wogt ein ganzer Glockensturm,
läutet Lust und Schmerzen.
Nicht vergangne große Zeit
kündet unsre Feier,
von der Zukunft Herrlichkeit
heben wir den Schleier.
Unsre Ernten schauen wir,
reife goldne Felder,
stolzer Stämme Früchtezier,
schattenkühle Wälder.
Hunde nicht, die duckend sich,
scheu am Boden schleichen:
Menschen, welche brüderlich
sich die Hände reichen.
Von den Höhen ringsherum
will ein Echo klingen;
tönend wird, was rau und stumm,
Lahmen wachsen Schwingen.
Blinde Augen werden wach,
schaun in blaue Weiten,
sehn den großen Frühlingstag
durch die Lande schreiten.
Maienfest und Maienlust! –
Axt und Hammer ruhen –
und der Alltag, schwarz berußt,
geht in seidnen Schuhen.
In den letzten Sklavenkrieg,
in der Tiefe Qualen,
wirft der Zukunft Sonnensieg
seine ersten Strahlen!
Es ist ein Kampf, sagst Du, das ganze Leben
und innerlich hast Du schon aufgegeben.
Deine Gedanken drehen Mühlen gleich,
im Kreise sich, der eng und reich
an Schmerz und Qual.
Doch keine Wahl
bleibt Dir und den Deinen.
Im Reinen sollst Du gehen.
Nicht alles kann man verstehen.
Nicht alles ist es wert, zu kämpfen.
Doch vieles kann die Schmerzen dämpfen.
Vieles kann uns Hoffnung geben,
in diesem tödlichen Kampf ums Leben.
Und einmal werden wir nicht siegen,
doch es geht um den Kampf und nicht ums Erliegen!
Tischsprüche
Die Sprache ist ein Spiegel einer Nation;
Wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.
Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache!
Eine glückliche Ehe ist eine,
in der sie ein bißchen blind
und er ein bißchen taub ist.
Vergaß dei Haamit net! Su singt jeds Vögele.
Vergaß dei Haamit net! Su rauscht der Wald.
Es heilt der Storm ons zu in kalter Winterschzeit:
Vergaß dei Haamit net, dort is dei Halt!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Jeds Blümel wos do blüht, der Wind daar drüberzieht,
on's Bachel rauscht ons immer haamlich zu:
Vergaß dei Haamit net! Denk a de Gongezeit,
wie du derham gelücklich warscht on fruh!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Als letzten Abschiedsgruß ruft noch der Vater nooch,
wenn's Kind verloßen muß es Elternhaus:
Vergaß dei Haamit net, on ehr dei Mottersproch!
Mog's komme wie's när will, horch, halt fei aus!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Wächst aah när Gros dort drubn, is aah der Winter lang,
sei doch de Barg vull Wälder frisch on grü.
Vergaß dei Haamit net, wenn's noch su aafach is,
denn in der Haamit is doch immer schie!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Drüm Leit ven Arzgebirg, blebbt aafach, racht on fest,
wie onnre Wälder drubn of grüner Flur.
On loßt ons alle Zeit echt deitsche Brüder sei
on gabt en Handschlog drauf zen alten Schwur:
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Ein Mensch hört irgendwas, gerüchtig,
Schnell schwatzt er's weiter, neuerungssüchtig,
So daß, was unverbürgt er weiß,
zieht einen immer größern Kreis.
Zum Schluß kommts auch zu ihm zurück. -
Jetzt strahlt der Mensch vor lauter Glück:
Vergessend, daß er's selbst getätigt,
Sieht froh er sein Gerücht bestätigt.
Lausch, mein Kind! Ganz tief ins Herz
schließe ein der Väter Wort:
Wir und unser Glück vergehen;
Doch die Kette, sie lebt fort!
Heilig ist die Jugendzeit!
Treten wir in Tempelhallen,
Wo in düsterer Einsamkeit
Dumpf die Tritte widerschallen!
Edler Geist des Ernstes
Soll sich in Jünglingsseelen senken,
Jede still und andachtsvoll
Ihrer heilgen Kraft gedenken.
Gehn wir ins Gefild hervor,
Das sich stolz dem Himmel zeiget,
Der so feierlich empor
Überm Erdenfrühling steiget!
Eine Welt voll Fruchtbarkeit
Wird aus dieser Blüte brechen.
Heilig ist die Frühlingszeit,
Soll an Jüglingsseelen sprechen!
Fasset die Pokale nur!
Seht ihr nicht so purpurn blinken
Blut der üppigen Natur?
Laßt uns hohen Mutes trinken!
Daß sich eine Feuerkraft
Selig in der andern fühle.
Heilig ist der Rebensaft,
Ist des Jugendschwungs Gespiele.
Seht das holde Mädchen hier!
Sie entfaltet sich im Spiele;
Eine Welt erblüht in ihr
Zarter, himmlischer Gefühle.
Sie gedeit im Sonnenschein,
Unsre Kraft in Sturm und Regen.
Heilig soll das Mädchen sein,
Denn wir reifen uns entgegen!
Darum geht in Tempel ein,
Edeln Ernst in euch zu saugen;
Stärkt im Frühling euch und Wein,
Sonnet euch an schönen Augen!
Jugend, Frühling, Festpokal,
Mädchen in der holden Blüte,
Heilig sein sie allzumal
Unserem ernsteren Gemüte!
Die Sterne, die begehrten nicht,
Sie standen still und klar;
Die Blumen, die erwachten nicht,
Sie schliefen fest und wahr.
Doch mitten in der Nacht,
Da ging ein leises Rauschen,
Ein Flüstern durch die Luft,
Ein Schauer durch die Gauen.
Und wie der Morgen graut,
Da war es schon geschehen:
Ein neues Deutschland war erwacht,
Mit Freiheit will es stehen.
Jahr: 1844
Keine Maske der Welt kann das verbergen, was bei vielen Menschen während Corona zum Vorschein gekommen ist ...
Still von unsichtbarer Hand
Sah die Welt sich schmücken,
Und es wandelt übers Land
Ruhiges Beglücken.
Unsre alte Erde weit
Sank in frommes Sinnen,
Ahnend ihrer heiligen Zeit
Keimendes Beginnen.
Bald ist alles in dem Rund
Werdens voll und Waltens,
Jede Scholle wird zum Grund
Schwelgenden Gestaltens.
Reichtum siehst du jeden Platz
Aus der Tiefe heben,
Schenkend zeigt versenkten Schatz
Jedes Stückchen Leben!
Tischsprüche
Wenn ein Mensch oder eine Quelle das Licht der Welt erblickt, fragen wir umsonst:
Woher?
Zwar vermögen wir die Stelle, wo die Quelle entsprang, anzugeben; Jedoch nicht viel mehr.
Dennoch kommt sie irgendwo her und fließt irgendwo hin – scheinbar wahllos, nur einem inneren Gesetz gehorchend – immerhin dahin, bis sie sich im Strom ergießt und in Majestät im Ozean mündet.
Es war einmal.
Irgendwie aber erheben sich die Wasser aus der Tiefe des Ozeans wieder und steigen auf geheimnisvolle Weise und auf verborgenen Wegen in den Bergen hoch und springen erneut als Quelle in den Tag:
Grüß Gott, da bin ich wieder!
Runen im Angesicht,
Das sind Zeichen vergangener Zeiten,
Wie wenn fernes Glockenläuten
Leise sich im Walde bricht.
Willst Du`s verstehen, willst Du sie deuten,
Du kannst es nicht.
Qualen und Leiden,
Strahlende Freuden,
Ach, auch Askesen
Sind es gewesen,
Die ihre Zeichen
In meine bleichen
Wangen gegraben.
Willst du mich haben,
Frage nicht
Nimm mich hin
Wie ich bin
Mit all den Runen im Angesicht.
Runen ritzen die Ewigen ein
In die Bäume, in Blatt und Stein,
In der Kämpfenden blutende Stirnen,
In des Mannes trotzende Brust.
Wollten sie segnen? wollten sie zürnen?
Nie hat ein Sterblicher es je gewußt.
Sie nur allein, die die Runen geritzt,
Sie, die den Kämpfer im Kampfe geschützt,
Wissen, warum er die Schlachten geschlagen,
Wissens, und werden es niemanden sagen,
Außer dem Einen, der es gebot,
Runen zu ritzen in Kämpfen und Not,
Das er dem Menschen beim großen Gericht
Urteil messe nach seinem Rechte.
Runen sind Male ewiger Mächte.
Du aber forsche und frage nicht!