Ein Tag ohne Aufgucken, aber sie kriegt mich nicht unter, die Arbeit:
immer noch bin ich es, der sie treibt und der mich treibt.
Und stumpf werde ich auch nicht!
Ich sehe immer meine großen Lichter über mir!
Jahr: 1880 - 1916
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Ein Tag ohne Aufgucken, aber sie kriegt mich nicht unter, die Arbeit:
immer noch bin ich es, der sie treibt und der mich treibt.
Und stumpf werde ich auch nicht!
Ich sehe immer meine großen Lichter über mir!
Wieder taucht ein Maientag
aus des Winters Tiefen,
lockt ein heller Amselschlag
alle, die noch schliefen.
Wieder steht das goldene Licht
hoch im Heiligtume –
aus der Dornenhecke bricht
eine Rosenblume.
Maientag und Maienfest!
Unsre Klagen schweigen.
Unsre stolze Sehnsucht lässt
ihre Banner steigen;
ihre Tauben fliegen aus,
ihre Knospen springen –
Kirschen blühn um jedes Haus,
und die Glocken klingen.
Nicht im morschen Kirchenturm, –
tief in Volkes Herzen
wogt ein ganzer Glockensturm,
läutet Lust und Schmerzen.
Nicht vergangne große Zeit
kündet unsre Feier,
von der Zukunft Herrlichkeit
heben wir den Schleier.
Unsre Ernten schauen wir,
reife goldne Felder,
stolzer Stämme Früchtezier,
schattenkühle Wälder.
Hunde nicht, die duckend sich,
scheu am Boden schleichen:
Menschen, welche brüderlich
sich die Hände reichen.
Von den Höhen ringsherum
will ein Echo klingen;
tönend wird, was rau und stumm,
Lahmen wachsen Schwingen.
Blinde Augen werden wach,
schaun in blaue Weiten,
sehn den großen Frühlingstag
durch die Lande schreiten.
Maienfest und Maienlust! –
Axt und Hammer ruhen –
und der Alltag, schwarz berußt,
geht in seidnen Schuhen.
In den letzten Sklavenkrieg,
in der Tiefe Qualen,
wirft der Zukunft Sonnensieg
seine ersten Strahlen!
Es ist ein Kampf, sagst Du, das ganze Leben
und innerlich hast Du schon aufgegeben.
Deine Gedanken drehen Mühlen gleich,
im Kreise sich, der eng und reich
an Schmerz und Qual.
Doch keine Wahl
bleibt Dir und den Deinen.
Im Reinen sollst Du gehen.
Nicht alles kann man verstehen.
Nicht alles ist es wert, zu kämpfen.
Doch vieles kann die Schmerzen dämpfen.
Vieles kann uns Hoffnung geben,
in diesem tödlichen Kampf ums Leben.
Und einmal werden wir nicht siegen,
doch es geht um den Kampf und nicht ums Erliegen!
Tischsprüche
Die Sprache ist ein Spiegel einer Nation;
Wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.
Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache!
Eine glückliche Ehe ist eine,
in der sie ein bißchen blind
und er ein bißchen taub ist.
Vergaß dei Haamit net! Su singt jeds Vögele.
Vergaß dei Haamit net! Su rauscht der Wald.
Es heilt der Storm ons zu in kalter Winterschzeit:
Vergaß dei Haamit net, dort is dei Halt!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Jeds Blümel wos do blüht, der Wind daar drüberzieht,
on's Bachel rauscht ons immer haamlich zu:
Vergaß dei Haamit net! Denk a de Gongezeit,
wie du derham gelücklich warscht on fruh!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Als letzten Abschiedsgruß ruft noch der Vater nooch,
wenn's Kind verloßen muß es Elternhaus:
Vergaß dei Haamit net, on ehr dei Mottersproch!
Mog's komme wie's när will, horch, halt fei aus!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Wächst aah när Gros dort drubn, is aah der Winter lang,
sei doch de Barg vull Wälder frisch on grü.
Vergaß dei Haamit net, wenn's noch su aafach is,
denn in der Haamit is doch immer schie!
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Drüm Leit ven Arzgebirg, blebbt aafach, racht on fest,
wie onnre Wälder drubn of grüner Flur.
On loßt ons alle Zeit echt deitsche Brüder sei
on gabt en Handschlog drauf zen alten Schwur:
Fest stieh zen Volk, der Haamit trei,
su wolln mir Arzgebirger sei!
Ein Mensch hört irgendwas, gerüchtig,
Schnell schwatzt er's weiter, neuerungssüchtig,
So daß, was unverbürgt er weiß,
zieht einen immer größern Kreis.
Zum Schluß kommts auch zu ihm zurück. -
Jetzt strahlt der Mensch vor lauter Glück:
Vergessend, daß er's selbst getätigt,
Sieht froh er sein Gerücht bestätigt.
Lausch, mein Kind! Ganz tief ins Herz
schließe ein der Väter Wort:
Wir und unser Glück vergehen;
Doch die Kette, sie lebt fort!
Heilig ist die Jugendzeit!
Treten wir in Tempelhallen,
Wo in düsterer Einsamkeit
Dumpf die Tritte widerschallen!
Edler Geist des Ernstes
Soll sich in Jünglingsseelen senken,
Jede still und andachtsvoll
Ihrer heilgen Kraft gedenken.
Gehn wir ins Gefild hervor,
Das sich stolz dem Himmel zeiget,
Der so feierlich empor
Überm Erdenfrühling steiget!
Eine Welt voll Fruchtbarkeit
Wird aus dieser Blüte brechen.
Heilig ist die Frühlingszeit,
Soll an Jüglingsseelen sprechen!
Fasset die Pokale nur!
Seht ihr nicht so purpurn blinken
Blut der üppigen Natur?
Laßt uns hohen Mutes trinken!
Daß sich eine Feuerkraft
Selig in der andern fühle.
Heilig ist der Rebensaft,
Ist des Jugendschwungs Gespiele.
Seht das holde Mädchen hier!
Sie entfaltet sich im Spiele;
Eine Welt erblüht in ihr
Zarter, himmlischer Gefühle.
Sie gedeit im Sonnenschein,
Unsre Kraft in Sturm und Regen.
Heilig soll das Mädchen sein,
Denn wir reifen uns entgegen!
Darum geht in Tempel ein,
Edeln Ernst in euch zu saugen;
Stärkt im Frühling euch und Wein,
Sonnet euch an schönen Augen!
Jugend, Frühling, Festpokal,
Mädchen in der holden Blüte,
Heilig sein sie allzumal
Unserem ernsteren Gemüte!
Die Sterne, die begehrten nicht,
Sie standen still und klar;
Die Blumen, die erwachten nicht,
Sie schliefen fest und wahr.
Doch mitten in der Nacht,
Da ging ein leises Rauschen,
Ein Flüstern durch die Luft,
Ein Schauer durch die Gauen.
Und wie der Morgen graut,
Da war es schon geschehen:
Ein neues Deutschland war erwacht,
Mit Freiheit will es stehen.
Keine Maske der Welt kann das verbergen, was bei vielen Menschen während Corona zum Vorschein gekommen ist ...
Still von unsichtbarer Hand
Sah die Welt sich schmücken,
Und es wandelt übers Land
Ruhiges Beglücken.
Unsre alte Erde weit
Sank in frommes Sinnen,
Ahnend ihrer heiligen Zeit
Keimendes Beginnen.
Bald ist alles in dem Rund
Werdens voll und Waltens,
Jede Scholle wird zum Grund
Schwelgenden Gestaltens.
Reichtum siehst du jeden Platz
Aus der Tiefe heben,
Schenkend zeigt versenkten Schatz
Jedes Stückchen Leben!
Runen im Angesicht,
Das sind Zeichen vergangener Zeiten,
Wie wenn fernes Glockenläuten
Leise sich im Walde bricht.
Willst Du`s verstehen, willst Du sie deuten,
Du kannst es nicht.
Qualen und Leiden,
Strahlende Freuden,
Ach, auch Askesen
Sind es gewesen,
Die ihre Zeichen
In meine bleichen
Wangen gegraben.
Willst du mich haben,
Frage nicht
Nimm mich hin
Wie ich bin
Mit all den Runen im Angesicht.
Runen ritzen die Ewigen ein
In die Bäume, in Blatt und Stein,
In der Kämpfenden blutende Stirnen,
In des Mannes trotzende Brust.
Wollten sie segnen? wollten sie zürnen?
Nie hat ein Sterblicher es je gewußt.
Sie nur allein, die die Runen geritzt,
Sie, die den Kämpfer im Kampfe geschützt,
Wissen, warum er die Schlachten geschlagen,
Wissens, und werden es niemanden sagen,
Außer dem Einen, der es gebot,
Runen zu ritzen in Kämpfen und Not,
Das er dem Menschen beim großen Gericht
Urteil messe nach seinem Rechte.
Runen sind Male ewiger Mächte.
Du aber forsche und frage nicht!
Tischsprüche
Wenn ein Mensch oder eine Quelle das Licht der Welt erblickt, fragen wir umsonst:
Woher?
Zwar vermögen wir die Stelle, wo die Quelle entsprang, anzugeben; Jedoch nicht viel mehr.
Dennoch kommt sie irgendwo her und fließt irgendwo hin – scheinbar wahllos, nur einem inneren Gesetz gehorchend – immerhin dahin, bis sie sich im Strom ergießt und in Majestät im Ozean mündet.
Es war einmal.
Irgendwie aber erheben sich die Wasser aus der Tiefe des Ozeans wieder und steigen auf geheimnisvolle Weise und auf verborgenen Wegen in den Bergen hoch und springen erneut als Quelle in den Tag:
Grüß Gott, da bin ich wieder!
Früher rasierte man sich,
wenn man Beethoven hören wollte,
jetzt hört man Beethoven,
wenn man sich rasieren will.
Nicht das macht frei, daß wir nichts über uns anerkennen wollen, sondern eben, daß wir etwas verehren, das über uns ist.
Denn indem wir es verehren, heben wir uns zu ihm hinauf und legen durch unsere Anerkennung an den Tag, daß wir selber das Höhere in uns tragen und Wert sind, seinesgleichen zu sein.
Wenn ich nur zweifle, schau ich auf dein Bild,
Dein Auge sagt mir, was allein uns gilt.
So manche Stunde sprech ich wohl mit dir,
Als wärst du nah und wüßtest nun von mir.
Wo immer einer still wird vor der Tat,
Er kommt zu dir, du bester Kamerad.
In deinem Antlitz steht es ernst und rein,
Was es bedeutet, Deutschlands Sohn zu sein!
Den Indianern gab man Feuerwasser, sie einzulullen, uns gibt man das Fernsehen.
Laurette bleibstu ewig stein?
Soll forthin unverknüpffet seyn
Dein englisch-seyn und dein erbarmen?
Komm komm und öffne deinen schooß
Und laß uns beyde nackt und bloß
Umgeben seyn mit geist und armen.
Laß mich auff deiner schwanen-brust
Die offt-versagte liebes-lust
Hier zwischen furcht und scham geniessen.
Und laß mich tausend tausendmahl
Nach deiner güldnen haare zahl
Die geister-reichen lippen küssen.
Laß mich den ausbund deiner pracht
Der sammt und rosen nichtig macht
Mit meiner schlechten haut bedecken;
Und wenn du deine lenden rührst
Und deinen schooß gen himmel führst
Sich zucker-süsse lust erwecken.
Und solte durch die heisse brunst
Und deine hohe gegen-gunst
Mir auch die seele gleich entfliessen.
So ist dein zarter leib die bahr
Die seele wird drey viertel jahr
Dein himmel-rundter bauch umschliessen.
Und wer alsdenn nach meiner zeit
Zu lieben dich wird seyn bereit
Und hören wird wie ich gestorben
Wird sagen: Wer also verdirbt
Und in dem zarten schoosse stirbt
Hat einen sanfften tod erworben.
Geh nicht mit einer Erwartungshaltung,
lebe mit der Hoffnung!
Kaum ist man für Waffenlieferungen und Kriegseinsätze,
wird man in so eine grüne Ecke gedrängt!
Nein, o Mensch,
Du bist nicht das schwache,
Gebrechliche Wesen,
Wozu du dich selbst machst
Im finsteren Wahn und in feiger Verzagtheit.
Gehst du nicht aufrecht
Und blickest zum Himmel?
Gibt's eine Kraft in der Natur,
Die die Kraft deines Willens
Zu beugen vermöchte?
Umsonst feinden die Elemente dich an:
Der Arm, den der Stich einer Mücke lähmt,
Zeichnet dem Blitz seine Bahn vor.
Du schaukelst dich auf Wogen des Ozeans,
Dein Geist arbeitet mit im Sturme,
Zerstört mit im Feuer
Und fähret auf den Fittichen des Windes.
Von allen Wesen, die wir kennen,
Ist nur dir das Wahre wahr,
Ist nur dir das Schöne schön,
Ist nur dir das Gute gut.
Ohne des Löwen Kraft
Meisterst du den Löwen;
Ohne des Adlers Fittich
Schwingst du dich in den Kreis der Sonne.
Du siehst dich in einer Wüste –
Deine Hand schafft sie zum Garten um
Und zwingt Fruchtbarkeit
Dem nackten Felsen ab.
Dein Blick forscht unruhig umher
Nach den Grenzen der Erde
Und findet sie zu nahe gerückt. —
Sonne und Mond
Ebbe und Flut
Sind fremden Gesetzen untertan;
Sein Gesetz
Trägt der Mensch in sich
Und ist frei, indem er ihm gehorcht.
Sterne können fallen,
Ihre Spur wird vergehen!
Aber die Bahn,
Die ein großer Mensch durchläuft,
Ist nach Jahrtausenden nicht verwischt!
Nur eines waltet über ihm –
Mit eiserner Hand
Die harte Notwendigkeit,
Doch hüllt er sich in seine Würde
Und steht ruhig, wenn ihre Donner rollen,
Das Recht zu ehren,
Beugt er seinen Nacken
Unter dem Henkerbeil;
Den rufenden Bruder zu retten,
Stürzt er in des Abgrundes Wogen;
Dem Vaterlande zu gehorchen,
Verspritzt er sein Herzblut;
Das Wort seines Mundes zu besiegeln,
Besteigt er den flammenden Holzstoß.
Mensch, der du aufrecht wandelst
Und zum Himmel schaust:
Du bist ein Gott
In der Kraft deines Bewußtseins!
Umsonst hält die Erde
Dir ihren Schuldbrief vor;
Du gibst ihr zurück, was sie dir lieh,
Und forderst dein Erbteil
Unter den Söhnen des Himmels.
Ich ehre dich, Mensch,
Der du dich selber ehrst!
In dir ist nur Größe,
In dir ist nur Güte,
In dir ist nur Wahrheit!
In dir nur verknüpft sich
Das Sichtbare mit dem Unsichtbaren,
Das Endliche mit dem Unendlichen,
Das, was begann,
Mit dem, was war und sein wird!
Das war ein alter König,
Sein Herz war schwer, sein Haupt war grau;
Der alte König, der nahm Abschied,
Von seinem alten Schloß und seinem alten Gau.
Er ritt hinaus in die weite Welt,
Fort, immer weiter, bis er starb.
Und als er tot war, da war er alt,
Und niemand wußte, wo sein Grab.
Doch als der Frühling wiederkam,
Da blühten die Blumen auf seinem Grab,
Und die Vögel sangen so süß,
Als ob sie wüßten, wer dort lag.
Und die Leute, die gingen vorbei,
Sie sprachen: 'Das ist ein schönes Grab,
Hier ruht ein König, der war gut,
Und sein Volk hat ihn liebgehabt.'
Tischsprüche
Ich klage um Deutschland.
Nicht, weil es besiegt, zerstückelt, entmachtet ist,
ich klage, weil es sein Wesen preis gibt,
weil es seine Seele verrät.
Ich klage um Deutschland,
weil es seine Herkunft vergißt,
um jenes Deutschland,
wo ein Wort noch ein Wort,
Recht Recht, Treue Treue, Verrat Verrat war,
wo Korruption fremd und Opportunismus verächtlich war,
wo Pflicht höher stand als Genuß.
Ich klage nicht
um ein erträumtes, nie dagewesenes Land,
sondern ein miterlebtes,
was im Kaiserreich, der Weimarer Republik
und trotz allem im Dritten Reich und danach
noch vorhanden war
und erst jetzt, Jahr um Jahr entschwindet.
Selbstgewalt als Pflicht begreifen,
urgemäß, der Frucht nach, reifen,
eigenmächtig aufwärts streben, dennoch erdverbunden leben,
das sind Bild und Eigenschaft
des heilreichen Freien,
seiner Lebenssaft und Kraft-
daran er hell wird deihen.
Nach der Heimat möcht ich wieder,
Nach dem teuren Vaterort,
Wo man singt die frohen Lieder,
Wo man spricht manch trautes Wort.
Teure Heimat, sei gegrüßt,
In der Ferne sei gegrüßt.
Sei gegrüßt in weiter Ferne,
Teure Heimat, sei gegrüßt!
Nicht bei Seite sehen,
nicht drum herum gehen und ausweichen,
nicht darüber hinwegträumen...
Stand halten,
Aug in Auge seine Kraft erproben,
und Herr drüber werden!
Und willst du ein Geheimnis wissen,
Das immer grün und unzerrissen,
Den hochzeitlichen Kranz bewahrt?
Es ist des Herzens reine Güte,
Der Anmut unverwelkte Blüte,
Die mit der holden Scham sich paart;
Die gleich dem heiteren Sonnenbilde
In alle Herzen Wonne lacht:
Es ist der sanfte Blick der Milde,
Und Würde, die sich selbst bewacht!
Nicht derjenige ist Sieger über die Tyrannei, der sie zerschlägt, sondern derjenige, der sich von ihr nicht einschüchtern läßt!
WIR brachen auf — ins Unermeßliche —
So dachten wir dereinst — und keiner wagt
Den Widerspruch. Wir schauten häßliche
Gesichter, von der tollen Zeit zernagt.
Wir sahen tote Augen aufwärts starren
Aus schwarzen Särgen, Winterwind-umtost.
Papierne Vögel hielten uns zum Narren,
Umschwirrten uns und brachten keinen Trost.
Wir sahen Wälder in erfrorne Himmel ragen,
Und erst danach fand unser Weg zu Zielen:
Uns zu erwärmen, flohen wir und fielen
Zurück ins bürgerliche Wohlbehagen.
Was bleibt von den vergangenen Ekstasen?
Ein Hauch verfaulter Luft in leeren Vasen.
Der Abschied
Kein Wort, auch nicht das kleinste, kann ich sagen,
Wozu das Herz den vollen Schlag verwehrt;
Die Stunde drängt, gerüstet steht der Wagen,
Es ist die Fahrt der Heimat abgekehrt.
Geht immerhin - denn eure Tat ist euer -
Und widerruft, was einst das Herz gebot;
Und kauft, wenn dieser Preis euch nicht zu teuer,
Dafür euch in der Heimat euer Brot!
Ich aber kann des Landes nicht, des eignen,
In Schmerz verstummte Klagen mißverstehn;
Ich kann die stillen Gräber nicht verleugnen,
Wie tief sie jetzt in Unkraut auch vergehn. -
Du, deren zarte Augen mich befragen, -
Der dich mir gab, gesegnet sei der Tag!
Laß nur dein Herz an meinem Herzen schlagen,
Und zage nicht! Es ist derselbe Schlag.
Es strömt die Luft - die Knaben stehn und lauschen,
Vom Strand herüber dringt ein Möwenschrei;
Das ist die Flut! Das ist des Meeres Rauschen!
Ihr kennt es wohl; wir waren oft dabei.
Von meinem Arm in dieser letzten Stunde
Blickt einmal noch in's weite Land hinaus,
Und merkt es wohl, es steht auf diesem Grunde,
Wo wir auch weilen, unser Vaterhaus.
Wir scheiden jetzt, bis dieser Zeit Beschwerde
Ein andrer Tag, ein besserer, gesühnt;
Denn Raum ist auf der heimatlichen Erde
Für Fremde nur und was den Fremden dient.
Doch ist's das flehendste von den Gebeten,
Ihr mögt dereinst, wenn mir es nicht vergönnt,
Mit festem Fuß auf diese Scholle treten,
Von der sich jetzt mein heißes Auge trennt! -
Und du, mein Kind, mein jüngstes, dessen Wiege
Auch noch auf diesem teuren Boden stand,
Hör mich! - denn alles andere ist Lüge -
Kein Mann gedeihet ohne Vaterland!
Kannst du den Sinn, den diese Worte führen,
Mit deiner Kinderseele nicht verstehn,
So soll es wie ein Schauer dich berühren
Und wie ein Pulsschlag in dein Leben gehn!
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker auf einander schlagen!
Im Wald steht ein Stein
und erzählt eine Geschichte.
Ein Herzog und sein Heer
Im Kampf um Freiheit und um die Ehr`.
Ein Mann mit blauen Augen
und Treu dem Glauben,
seiner Ahn`.
Im Wald steht ein Stein
und der wurde einst errichtet.
Im Wald steht ein Stein
der aus Alter Zeit berichtet.
Er war ein Krieger, er war ein Herzog,
er war ein Held.
Er suchte mit den Seinen und den Gemeinen
den Sieg im Feld.
Im Wald steht ein Stein,
steht dort fest seit 1000 Jahren.
Im Wald steht ein Stein,
erinnert dort seit 1000 Jahren.
An den Mann mit Schild und Schwert,
treu getragen von seinem Pferd.
An den Kampf und an das Streben,
frei zu leben
und noch viel mehr.
Im Wald steht ein Stein
und erzählt eine Geschichte.
Wird dort stehen in 100 Jahren,
In 1000 Jahren und noch viel mehr.
Und wird in all den Jahren
Die Ehr` bewahren
und auch die Mär.
Im Wald steht ein Stein
und erzählt eine Geschichte!
Tischsprüche
Nicht einmal nur im Jahre
Ist Auferstehungszeit.
Es liegt in jeder Bahre
Ein Stück Unendlichkeit.
Der Welt geht nichts verloren,
Und immer wieder bricht
Sich aus des Todes Toren
Das Leben durch das Licht.
Und Götter auferstehen
Mit jedem Glockenschlag.
Für Taten und Ideen
Ist ewig Ostertag!
Ich selbst berief mich zu dem strengen Werke.
Nicht Gnade nahm ich, Frost war meine Stärke.
Nie gab ich mich dem Gott der Zeit zu eigen.
Die mit mir leben, sind mir längst gestorben.
An ihrer Nacht hab ich das Recht erworben,
unangetastet in mein Licht zu steigen.
In einem hoffnungslosen Kampfe falle
ich weit voran, kein Mann der Ruhmeshalle;
jedoch der Ehre wert, daß jene schweigen.
Drei zogen müde über deutsche Erde,
- das große Feuer hatte ausgebrannt -,
und dachten daran, was nun kommen werde
und strebten heimwärts, möglichst unerkannt,
hier Löwenzahn gerupft am Wegesrand,
dort Brot und Suppe gar von einem Herde.
Wir schliefen im Gestrüpp, scheu wie die Diebe,
daß man uns nicht, vom Schlachtentod verschmäht,
nun doch versklavt und in die Knechtschaft triebe.
Wir ahnten, daß das Sterben weiter geht
im Hunger, der geplant. Am Wegrand öd
stand leis‘ der Tod, zu sehen, wo er bliebe.
Motorenlärm! Gefahr! Dort naht ein Wagen!
Nur ruhe jetzt, sonst schöpfen sie Verdacht!
Sie hielten an. Ein Prüfen und ein Fragen:
Entlassungsschein? Der Schwarze hat gelacht.
Und dann auf Deutsch: Papiere gut gemacht!
Sind wir entdeckt? Wir wähnten uns geschlagen.
Jedoch sieh‘ da: Er reicht‘ vom Wagen nieder
die plumpe Fälschung, die er hat erkannt,
fuhr fort auf Deutsch: Ich komme später wieder!
Ihr warten hier auf mich am Straßenrand!
Der Seinen keiner sonst, der Deutsch verstand.
Wir ließen bangend uns am Raine nieder.
Er kam zurück nach mehr als einer Stunde,
mit schwerem Sack und querfeldein, zu Fuß.
Das sein für euch!, klang es aus seinem Munde,
und Brot und Dosenfleisch und Pflaumenmus,
das türmt‘ er auf und lächelte zum Gruß,
gebleckt die weißen Zähne in die Runde.
Mein Vater war Soldat im Ersten Kriege
für German Kaiser: Immer vorwärts‚ ran!
In Afrika stand einstens meine Wiege.
Und immer sagen: German gutes Mann,
und lernen Deutsch und immer denken dran:
Mit Lettow-Vorbeck viel Askari-Siege!
Was and’re säten, uns war’s zugemessen!
Wir drückten alle seine schwarze Hand.
Und gierig schlingend haben wir gegessen.
Der Mohr, die Schuldigkeit getan, verschwand,
doch keiner von uns jemals hat das Band,
das seinen Stamm mit unserm Volk verband,
bis an das Ende seines Wegs vergessen.
Es fragte mich heute dein bebender Mund, wer frei denn sei?
Ich hob meine Hand zum Himmel und sagte: die Wolken sind frei,
Und frei ist der Wind, der die Weiten der Welt im Fluge durchwühlt,
Und frei ist das Meer, das den schimmernden Strand mit Küssen bespült.
Frei sind jene Bergeshäupter, die nie ein Fußtritt bog,
Und frei sind die ruhenden Wälder, die nie ein Ruf durchflog
Dort baut der Fuchs sein Nest, der Hirsch wirft sein Geweih:
Natur, ihr glühendes Leben, ihr schweigender Tod, sie sind frei!
Sprich, sahst du den Adler kreisen? Was lenkt seinen ziellosen Flug?
Und sahst du ein Roß in der Wüste, das nie den Halfter trug?
Vernahmst du mein Lied, mein stürmisches Lied, meinen ersten und letzten Schrei?
Das Meer und der Aar und der Wald, das Roß und mein Lied, sie sind frei!
Dort spielt ein Kind am Ufer … die Barke durchschneidet den See …
Es küßt die Rose der Tau – was lächelst du trübe und weh?
Ach, jetzt erst versteh' ich die Frage, die Frage: wer frei denn sei?
Wir Toren, wir Knechte der Torheit, nur wir sind nicht frei!
Freiheit @deutschedichter
Helden, Dichter und Frauen gehören untrennbar zusammen.
Heldentum und Dichtertum, durch das Frauentum erhalten beide erst die rechte Weihe!
Die in der Nacht sich umgedreht,
den Mantel nach dem Winde hängen und sich zu jedem Staat bekennen,
das sind die Praktiker der Welt –
man könnte sie auch Schurken nennen!
Menschen, welche ihr Leben miteinander zu teilen gedenken, müssen vor allem die lauterste Wahrhaftigkeit gegeneinander sich zur Pflicht machen.
Dann können kleine Äußerlichkeiten wohl für Augenblicke verstimmen, aber der innerste Kern des Bündnisses bleibt davon unberührt!
Schneesturm rast um alte Mauern, im Kamine heult es hohl, den die Weiber bang umkauern. ahnend um des Todes Lauern, in den Bergen von Tirol. Da steht jäh in Tores Rahmen, wüst von Reif und Eis bedeckt, mit sich reißend Sturmes Fahnen, bleich, ein Mann mit fremdem Namen, der nach einem Seile frägt. Das von wirrem Haar umwallte, narbenwilde Angesicht und das dunkle, kraftgeballte Auge, das von Feuer strahlte, liehen seinem Wort Gewicht. Während all' die Mägde schwiegen, sprach ein Alter, ernst und schlicht, Fremder lass' den Sturm versiegen, Berge kannst du nicht besiegen, Sturm entbindet dich der Pflicht. Doch der Fremde greift nach Stricken und er sagt, war gut gemeint, doch was wiegen Sturmes Tücken, wenn in tiefen Gletscherlücken auf die Rettung harrt ein Freund? Mann bedenkt's, entfährt's dem Alten, mag es auch dein Bruder sein, er starb längst in Gletschers Spalten. Warum willst du den Gewalten sinnlos leichte Beute sein? Ist es Brauch in euren Gauen, rief der Fremde zornentbrannt, ziellos lungern bei den Frauen, während Freunde auf euch bauen, hoffend, spähend unverwandt? Den, den ich zu retten gehe, hielt kein Heer von Feinden ab, wüsst er mich in Todesnähe, wüsst er elend mich und wehe. Er ist würdig meiner Tat. Jäh entschwunden in den Böen war des Fremden Spukgestalt. Nichts als Heulen, nichts als Wehen, keinen Arm weit war zu sehen und kein Ruf, der nicht verhallt. Schaudernd beteten die Dirnen, und ein Knabe schloss das Tor. Ernst umwölkte Männerstirnen, alles Ehrfurcht, nirgends Zürnen, nur im Tal gilt Held als Tor. Unschuldsvoll kam dann der Morgen, hat wohl nie an Sturm gedacht. Lacht so mild und fern von Sorgen, könnt' er nicht von Sanftmut borgen jener sturmdurchbrüllten Nacht? In den Schnee hinaus zu waten drängt sich eilig Jung und Alt, freizulegen Stall und Katen, mit der Schaufel, mit dem Spaten, denn der Ruf der Kühe schallt. Da, ein Mädchen fand den Fremden, der nicht fern vom Hause lag. Während Tränen Augen blenden, wühlt sie sacht, mit zarten Händen, bis der Schnee nichts mehr verbarg. Manche taten stumm sich wenden, vor dem grauenhaften Fund. Leblos sahn sie jenen Fremden, halten in erstarrten Händen, einen grauen, toten Hund.
Des Fremden Freund
-Gedicht von Gerd Honsik-
So mancher kluge Kopf versucht,
Die Wahrheit tiefer zu ergründen.
Nach einer Antwort oft gesucht,
Die alles Dasein kann begründen.
Im wirren Geistesspiel geübt,
Gedanken kunstvoll zu vereinen,
An der Verflochtenheit vergnügt,
Sucht oft, das Schlichte zu verneinen.
Doch ist der Wahrheit bitt'rer Preis,
Mehr Deutung Nichtigem zu geben.
Zu einfach für den klugen Geist,
Der seiner Eitelkeit erlegen.
Entfremdet und entfernt von dem,
Was uns mit der Natur verbindet,
Sucht er die Antwort nur in dem,
Was seine Schöpferkraft erfindet!
Tischsprüche
Laut flötet der Wind durch den Haselnußstrauch,
Schneeflocken durchwirbeln den Hain,
Bald Hagel, bald Regen und eisiger Hauch,
Bald lachendster Lenzsonnenschein.
Ich weiß ja, daß kurz dieser Sonnenblick dauert,
Daß Hagel und Regen und Schneefall schon lauert
Und Nordwinds erstarrendes Wehn,
Und dennoch mich freudige Hoffnung durchschauert,
Es ist ja so schön, ja so frühlingshaft schön.
Erfriern auch die Veilchen, die gestern erblüht,
Verstummt auch der Fink in dem Wald –
So lieb ich, April dich, in meinem Gemüt
Ist's auch heute warm, morgen kalt.
Auch dich hatt' ich lieb, die so oft mich belogen,
So oft mich mit Lachen und Weinen betrogen,
Dich Mädel, trotz Falschheit und Lug,
Ja, Zauberkraft war's, die zu dir mich gezogen,
Ja Trug, doch berauschender, seliger Trug.
Schon lange ist's her, schon manch langes Jahr,
Hab' immer gern deiner gedacht,
Du rosige Wange, du goldhelles Haar,
Du Auge, voll tiefblauer Pracht,
Ihr Lippen, wie konntet ihr lachen und schmollen,
Ihr Augen, wie konntet ihr strahlen und grollen,
Bald Höllenpein spenden und bald Paradies,
Was half mir mein besseres Wissen und Wollen,
Ja Lüge und Trug war's, doch süß, ach so süß.
Ich weine den Blumen des Herzens nicht nach,
Schon morgen erblüht neues Glück,
Und wenn auch der Nordwind die Lenzblüten brach,
Ein Jahr und sie kehren zurück.
Ja Hagel und Regen und Sonne und Schneien,
Und Wechsel von Trauer, von Lust und Bereuen,
Bald jauchzend, bald düster und still,
Die Lust nicht verachten, die Schmerzen nicht scheuen,
Ich lieb euch, falsch Mädchen und falscher April!