Land des Glaubens, deutsches Land,
Land der Väter und der Erben,
uns im Leben und im Sterben
Haus und Herberg, Trost und Pfand,
sei den Toten zum Gedächtnis,
den Lebend‘gen zum Vermächtnis,
freudig vor der Welt bekannt,
Land des Glaubens, deutsches Land!
Land der Hoffnung, Heimatland,
ob die Wetter, ob die Wogen
über dich hinweggezogen,
ob die Feuer dich verbrannt,
du hast Hände, die da bauen,
du hast Herzen, die vertrauen,
Lieb’ und Treue halten stand,
Land der Hoffnung, Heimatland.
Land der Liebe, Vaterland,
heil‘ger Grund, auf den sich gründet,
was in Lieb’ und Leid verbündet
Herz mit Herzen, Hand mit Hand.
Frei, wie wir dir angehören
und uns dir zu eigen schwören,
schling um uns dein Friedensband,
Land der Liebe, Vaterland!
Deutsche Dichter & Denker
Der Denker sagt das Sein, der Dichter das Heilige! https://t.me/deutschedichter
Ich bin ein Span von deinem Stamme,
von deinem Feuer eine Flamme,
ein Korn, das deine Erde reift,
ein Blatt, das deine Liebe steift!
Zu jeder Stunde eins mit dir und tiefverwandt
bist du in mir und ich in dir mein deutsches Volk und Land!
Jahr: 1923
Diese Art von Musik drückt am besten aus,
was ich von den Deutschen halte:
Sie sind von vorgestern
und von übermorgen -
sie haben noch kein Heute.
Ein altes metaphysisches Märchen voller Wundergeschichten, Widersprüche und Widersinn, aus der glühenden Einbildungskraft des Orients entsprungen, hat sich über Europa verbreitet.
Schwärmer haben es ins Volk getragen, Ehrgeizige sich zum Schein davon überzeugen lassen,
Einfältige es geglaubt, und das Antlitz der Welt ist durch diesen Glauben verändert worden.
Die heiligen Quacksalber, die diese Ware feilboten, haben sich zu Ansehen gebracht, sie sind Herrscher geworden, ja, es gab eine Zeit, wo sie Europa durch ihr Machtwort regierten.
In ihrem Hirn entstand jener Priesterhochmut und jene Herrschsucht, die allen geistlichen Sekten zu eigen ist, wie auch ihr Name laute!
Jahr: 1768
Schweigend treten wir an den Saum seines Weges, der einst sein Fluchtweg war vor gedungenem Verrat und vorher des Lebens, des Kampfes Bahn. Allein in den Wäldern vollendete sich sein Geschick, den unseren so nah verwandt, nur ohne Makel der Feigheit. So war er von vielen aufgegeben, bevor er dem Letzten verfiel. Allein in den Wäldern trat der Tod in den Weg.
Jahr: 1976
Jung Siegfried war ein stolzer Knab,
ging von des Vaters Burg herab.
Wollt rasten nicht in Vaters Haus,
wollt wandern in die Welt hinaus.
Begegnet' ihm manch Ritter wert
mit festem Schild und breitem Schwert.
Siegfried nur einen Stecken trug,
das war ihm bitter und leid genug.
Und als er ging im finstern Wald,
zu einer Schmiede kam er bald.
Da sah er Eisen und Stahl genug,
ein lustig Feuer Flammen schlug.
O Meister, liebster Meister mein,
Laß du mich deinen Gesellen sein!
Und lehr du mich mit Fleiß und Acht,
wie man die guten Schwerter macht!"
Siegfried den Hammer wohl schwingen kunnt,
er schlug den Amboß in den Grund.
Er schlug, daß weit der Wald erklang
und alles Eisen in Stücken sprang.
Und von der letzten Eisenstang
macht' er ein Schwert so breit und lang.
Nun hab ich geschmiedet ein gutes Schwert,
nun bin ich wie andre Ritter wert.
Nun schlag ich wie ein andrer Held
die Riesen und Drachen in Wald und Feld!"
Da ich ein Knabe war, lockte mich südliche Ferne,
trug die Sehnsucht mich in ein sonniges Land.
Da ich ein Mann nun geworden unter der Heimat Sterne,
hält mich fest silbernen Flusses Band.
Halten mich Heide und Hügel, die heimlichen Gassen,
halten mich weite Felder, vom Wind überweht,
hält mich die Stille der leise raunenden Wälder,
wenn der Abend im Gold über den Wipfeln steht.
Immer, o Heimat, könnt deine Erde ich fassen,
immer und immer stehst du vor meinem Sinn,
dein will ich bleiben, wenn dich auch andre verlassen,
weil ich dich liebe, du Erde, der ich entsprossen bin!
Es gibt noch Leute, die sich quälen,
Aus denen sich die Frage ringt:
Wie wird der Deutsche nächstens wählen?
Wie wird das, was die Urne bringt?
Die Guten! Wie sie immer hoffen!
Wie macht sie doch ein jedesmal
Der Ausfall neuerdings betroffen!
Als wär' er anders, wie normal!
Wir wissen doch von Adam Riese,
Dass zwei mal zwei gleich vieren zählt.
Und eine Wahrheit fest wie diese
Ist, daß man immer Schwarze wählt.
Das Faktum läßt sich nicht bestreiten,
Auch wenn es noch so bitter schmeckt.
Doch hat das Übel gute Seiten :
Es ruhet nicht auf Intellekt.
Man muß die Sache recht verstehen;
Sie ist nicht böse, ist nicht gut.
Der Deutsche will zur Urne gehen,
So wie man das Gewohnte tut.
Wer hofft, daß es noch anders würde,
Der täuscht sich hier, wie überall.
Die Schafe suchen ihre Hürde,
Das Rindvieh suchet seinen Stall!
Ist das, was Ihr für wahr ausgebt, Wahrheit, so schwing ich mich im Denken zu ihr auf. –
Wenn ich mich aufschwinge, so ist's in die Wahrheit, lieg ich an der Fessel, so bin ich nicht an die Wahrheit gekettet.
Freisein macht allein, daß alles Wahrheit sei, von was ich mich fesseln lasse, das wird zum Aberglauben.
Nur was geistentsprungen mir einleuchtet, das ist Wahrheit, – was aber den Geist fesselt, das wird Aberglaube.
Geist und Wahrheit leben ineinander und erzeugen ewig neu!
Jahr: 1859
Eine Handvoll Heimaterde nahm ich von der Heimat mit, als ich schied, habe in ein Linnensäckchen eingenäht sie mitgebracht, unter meinem Kissen liegt sie in der Nacht.
Wenn ich schlafe, führt mein Träumen mich in flaches Steppenland, wo der glitzernd gelbe Sand in der Sonne Gluten flimmert und auf den Akazienbäumen goldig schimmert, wo den Horizont begrenzt ein endlos scheinend Halmenmeer, hin und her wogt es wie der Wellen Schaum, rauscht es wie ein leises Singen, Heimatlieder mir erklingen weich im Traum…
Wenn du jung bist - empfindest du nie ganz die Wonne des Jungseins!
Wie einzig schön und glückvoll die Jugend ist, empfindest du erst voll - wenn du sie nicht mehr hast!
Darum schaff' dir Erinnerungen!
Eine sonnige glückliche Jugendzeit vermag ihre verklärenden Scheine noch fernerhin über öde, lichtlose Lebensstrecken zu werfen, bis ins späte Alter…
Jugend ist Reichtum!
Alles, was die Zeit zerbröckelt und zerbricht, was der Lebenskampf vernichtet, alles hat die Jugend noch beisammen!
Geh' an keiner glücklichen Stunde vorbei!
Aber nütze deiner Jugend Reichtum recht!
Auf daß sich nie die Reue dir zugesellt!
Meide alles Niedrige, Häßliche, Gemeine!
Flatt're wie mit Falterflügeln darüber hin!
Du hast ja Flügel!
Du bist ja reich!
Du kannst zaubern, denn du kannst beglücken -- wenn du jung bist ... !
Jahr: 1870-1930
Über des Chaos noch ruhenden Wogen
Saßen um Odin die webenden Drei,
Und die Geschicke die künftigen zogen
An den gewaltigen Thronen vorbei.
Alles Verhüllte, noch Ungeword'ne
Schaute der Gott in leuchtendem Traum;
Ob er gestaltend zu Formen es ordne,
Wog er die Zeit und maß den Raum.
Aber die Nornen sie spannen und woben
Seine Gedanken zu Wirklichkeit;
Siehe, was glänzte da funkelnd oben
Plötzlich im Schoße der Dunkelheit?
War der Stern der Liebe gekommen?
Schon bei seinem ersten Strahl
Rauschte das dämmernde Meer erglommen,
Brauste das schweigende Felsenthal.
Doch mit Schmerz und erhobenem Zorne,
Aus dem vergessenden Sinnen erwacht,
Sprach der Vater der Dinge zur Norne:
Unglücksel'ge was hast du vollbracht?! -
Siehe! sie werden, die Wesen entstehen,
Jammer und Elend und Klage beginnt,
Wehe, nun soll mir Alles vergehen,
Was dein verwirrender Faden entspinnt:
Täuschung nur bringen die flüchtigen Stunden,
Bang nur von jenem Stern erhellt,
Bis du den Faden wieder gefunden,
Den ich ersann, zu vollenden die Welt!
Jahr: 1890
Behaglich sitz ich in Bordeaux
bei einem guten Tropfen
indes Mariannchen irgendwo
das Fell sich läßt verklopfen
Der Ritter Schorsch von England spricht
daß bald´ge Rettung winke –
Ich aber trau dem Frieden nicht
und trinke, trinke, trinke
Bestimmt war doch im Völkerrat
daß Frankreichs Waffen siegen
und schändlich find ich´s in der Tat
daß wir nun Kloppe kriegen
Für deutschen Blei- und Pulvergruß
ist mir mein Bauch zu schade
Drum nahm ich mein Gepäck und blus
tut! tut! – zur Retirade
Der brave Bruder Nicolas
welkt hin als wie ein Röschen
er depeschiert ohn´ Unterlaß
nach wasserdichten Höschen
Sind diese nicht nach seinem Sinn
droht er mich zu verprügeln
Ich schick ihm nächstens Micheln hin
der wird sie ihm schon bügeln
In Belgien zu Antwerpen lebt
ein Freund mir, ein gelackter
wenn er nach England jetzt entschwebt
so zeigt das von Charakter
Er stellt wie ich sein Glück und Ehr´
aufs Rückwarts-sich-bewegen
In England aber findet er
viel freundliche Kollegen
Noch blickt Freund Peter auf mich hin
und hofft, daß ich mich halte
denn was ich für ein Trottel bin
das weiß nur meine Alte
Mein Präsidentenstolz und so
war ach nur eitel Schminke
drum sitz ich lieber in Bordeaux
und trinke, trinke, trinke
Schlachtentag, der Unheil oder Segen
Aufs Haupt von Nationen wenden soll,
Dir schaun die Augen schlummerlos entgegen
Und alle Herzen qual- und schreckenvoll!
O ernste Zeit, wo Millionen fragen:
"Wie wird für uns der nächste Morgen tagen?"
Faßt frohen Mut!
Auch wer uns haßt, muß doch verstehen:
Es müßte mit uns untergehen
Der Menschheit bestes Gut!
Durch die Wellen braust ein Kiel,
Wikingerboot zu fernem Ziel.
Durch die Wellen, mit dem Kahn,
ziehst du sicher deine Bahn.
Kehrreim:
Der Wikingeradler, das Wikingerboot,
die Wikingerfahne in Freud, Leid und Not,
die Wikingerfahne in Schwarz, Weiß und Rot!
Du bist wie ein Kamerad,
stolzes Schiff auf jeder Fahrt.
und die Wimpel, die du hisst,
zeigen, wer dein Führer ist.
An des Ruderholzes Pfahl
steht ein Kerl, so hart wie Stahl
und den Schild, das Schwert zur Seit,
ist gerüstet er zum Streit.
Stürzt durchbohrt von Feindes Ger,
mancher auch ins graue Meer;
doch er fürchtet nicht den Tod,
weitersegeln muss das Boot!
Ein Blümchen ist so wunderschön,
gelobt von allen, die es sehn,
es ist das Blümchen, welches spricht:
Vergissmeinnicht.
Dies Blümchen hab ich oft gepflückt,
die Farbe hat mich stets entzückt,
weil jedes Mal sie zu mir spricht:
Vergissmeinnicht!
Jahr: 1848
O heiliger deutscher Wald,
Wie bist du tief und alt,
Wie rauscht dein grüner Dom
So wundersam und fromm!
Du birgst in deinem Schoß
Heilige Stätte, still und groß,
Wo altes deutsches Ahnenblut
Für unsere Freiheit glühend ruht.
Du sahst der Helden Zug,
Der Väter ersten Pflug,
Du birgst der Treue Pfand -
Des Deutschen heilig Vaterland.
Und rauscht es durch dein Laub,
So klingt es ernst und traut,
Als ob der alten Geister Schar
Noch wandelt unter uns - so nah!
Jahr: 3825 n. St. (nach Steinhagen)
Kalt und hart die schwarze Erde,
in deren Schoß geborgen warten,
in der Sicherheit des Stirb und Werde,
all die Samen für den Sommergarten.
Von Schnee bedeckt die weite Flur,
die Bäume kahl, das Laub dahin.
Im steten Jahreskreis der Allnatur
verheißen zarte Knospen Neubeginn .
Bach und See schließt bald das Eis,
gebändigt gar der Flüsse Lauf.
Vergängliches Kristall erstrahlt im Weiß
der milden Wintersonne auf.
Winter ist die Zeit der Stille,
voll Besinnung und auch Hoffen.
Eingekehrt sind Herz und Wille,
neu stehn alle Wege offen!
Die beste Reue
ist die bess`re Tat!
Alle Wahrheit ist Schönheit, und alles Unschöne ist Unwahrheit!
Jahr: 1785-1859
Siehst du nicht ein Leuchten dämmern
sieghaft für die Ewigkeit?
Hörst du deine Pulse hämmern
in dem harten Schlag der Zeit?
Fühlst du nicht den Strom des Blutes,
der ein Volk aus Ketten reißt
und dem Leben starken Mutes
Wege aus dem Dunkel weist?
Spürt dein Herz nicht das Erkennen
einer Welt, die wieder jung,
daß in dir die Flammen brennen
heiligster Begeisterung?
Siehst du nicht Gestalten wanken
Einer Welt, die nicht mehr lebt?
Siehst du nicht das Junglaub ranken,
das ans Licht der Sonne stebt?
Neues Werden bringt dir Kunde!
Schicksal ruft zur Einigkeit,
fordert zur Entscheidungsstunde
Herz und Hände tatbereit!
Fühlt ihr sie beben,
Die alte Erden,
Spürt ihr das Leben,
Das neue Werden?
An allen Enden
Dringt es zu Tag
Und legt in Trümmer,
Was hindern mag. -
Reget die Hände,
Steht nicht beiseit,
Nutzet die Wende -
Seid Herren der Zeit!
Deutschland, heiliges Wort,
du voll Unendlichkeit,
über die Zeiten fort,
seist du gebenedeit.
Heilig sind deine Seen,
heilig dein Wald
und der Kranz deiner stillen Höhn,
bis an das grüne Meer!
Jahr: 1972
@DeutscheDD
Glaube eins nur und bewahre immer
Dir noch einen letzten Hoffnungsschimmer,
deutscher Mensch in der Zerrissenheit!
Denke was Du willst, doch eins nur glaube:
Alles, was Dir wert war, liegt im Staube.
Aber Deutschland blüht im Schutt der Zeit, der Zeit!
Aber Deutschland blüht im Schutt der Zeit!
Glaube an die Not der deutschen Seele,
aber auch an ewige Befehle
und an das, was Dir das Herz gebeugt:
Glaube an die Welt, die Dir entrissen,
glaube alles, eins nur mußt Du wissen:
Noch blüht Deutschland unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Noch blüht Deutschland unterm Schutt der Zeit!
Ewig sei das Wort, Deutschland muß leben!
Präg' es neu, auch wenn das Reich daneben,
ward verloren in der Völker Streit.
Frag' nicht warum, frag' nicht nach den Gründen,
sprich ein ehrlich Wort und laß es zünden:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Und das sei Dein künftiges Erfassen,
was nicht taugt für Deutschland, das sollst Du lassen
nur was echt ist, halte griffbereit.
Grabe nach des Deutschtums echter Krume,
sei teilhaftig diesem stillen Ruhme:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Denn Du bist ein Teil von jenem Kerne
und Du bleibst es, wenn auch Näh' und Ferne
Dich hineinzwängt in ein fremdes Kleid.
Bleib Dir selber treu und Deinem Wesen
und Du wirst in Deiner Sprache lesen:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Such' die Bindung an Dein Volk, belehre,
jeden über jene wahre Ehre,
die im Unglück uns die Würde leiht!
Nicht umsonst soll unser Opfer bleiben
und wir wollen glauben, sagen, schreiben:
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit, der Zeit!
Deutschland blüht noch unterm Schutt der Zeit!
Ein jeder muß ein inneres Heiligtum haben,
dem er schwört,
und sich als Opfer in ihm unsterblich machen -
denn Unsterblichkeit muß das Ziel sein!
Nur Gott weiß, wie lange
Ich an dich gedacht,
Beim Wachen und Träumen,
Bei Tag und bei Nacht –
Die Schönheit von Körper
Und Seele im Sinn,
Die schönen Momente
Sind niemals dahin.
Das Schicksal allein
Hält das Herz in der Hand,
Jenseits von Wille
Und Plan und Verstand!
Nichts ist untragbar, was notwendig ist.
Auch der Winter ist tragbar.
Und das Alter.
Und der Tod!
Sie kommen ohne zu fragen, wollt ihr's tragen?
Sie kommen.
Und wir tragen's!
Jahr: 1912
Dem Gott des Nordens, Odin, stand
Ein Rabenpaar zur Seite,
Der Eine Hugin zubenannt
Und Munin hieß der Zweite;
Es trug sie ihrer Flügel Schwung
Durch alle Zeit und Schranke.-
Munin war die Erinnerung,
Und Hugin der Gedanke.
Treu wurde durch sein Rabenpaar
Dem Gott alltäglich Kunde
Was in der Welt geschehen war -
Daß er auf festem Grunde
Sein Reich gebaut, und Alt und Jung
In Treue niemals wanke,
Deß freut ihn die Erinnerung,
Ergötzt ihn der Gedanke.
Und Odin herrschte lange Zeit
In ungetrübtem Glücke,
Das weckt des bösen Loke Neid,
Durch arge List und Tücke
Lähmt er der Raben Flügelschwung,
Bannt sie in enge Schranke;
Da trübt sich die Erinnerung,
Empört sich der Gedanke!
Und sieh, es fühlt im eig'nen Blut
Odin das Gift des Bösen,
Er will in seinem grimmen Muth
Die Raben nicht erlösen,
Daß sie, wie einst, ihr Flügelschwung
Trage durch Zeit und Schranke -
Da quält ihn die Erinnerung,
Zernagt ihn der Gedanke!
In seinem Zorne will der Gott
Die Raben ganz zerstören,
Daß sie nicht länger, wie zum Spott,
Sich gegen ihn empören.
Doch, trotz gewalt'gem Keulenschwung,
Lebendig in der Schranke
Bleibt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Ob auch auf kurze Zeit gezähmt,
Sie waren nicht zu zwingen;
Ob auch ihr Flügelpaar gelähmt,
Es wuchsen neue Schwingen,
Und mit gewalt'gem Flügelschwung
Aus Odins Dienst und Schranke
Floh Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke.
Als sich das Rabenpaar entschwang
War Schrecken in Walhalle,
Die Flucht ward Odins Untergang,
Todt sind die Götter alle.
Unsterblich aber, stark und jung
Durch alle Zeit und Schranke
Fliegt Munin, die Erinnerung,
Und Hugin, der Gedanke!
Jahr: 1819-1892
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen!
Jahr: 1832-1908
Holzschnitt: Rudolf Warnecke
@DeutscheDD
Ein alter Brauch zum Jahreswechsel.
Das Bleigießen.
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
@DeutscheDD
Aus den wieder erstarrten Bleiformen kann man die Zukunft lesen, wie aus alten Runen...
Die Scheidestunde fliegt vorbei
und nun nach allen Enden fort
Doch was uns auch beschieden sei
es gilt als erst und letztes Wort.
Mit Wunsch und Klag ist nichts gethan
es will die Zeit die That des Manns
Schon öffnet sich die Ehrenbahn
wohlan, wer ringen will, der kann´s.
Drum noch einmal die Gläser voll
und ruft´s hinaus in alle Welt
Wir ziehn dahin, lebt wohl, lebt wohl
zum Frieden nicht, es geht ins Feld.
Mit Herz und Hand
wie jubelnd wir geschworen
fürs große Land, fürs Vaterland
Deutschland, das uns geboren!
Sie schweigen noch nicht,
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
Jahr: 1944
Sie schweigen noch nicht,
Die seiner Sehnsucht
Der Mensch geewigt
Zu Hochgewalten,
Die thronenden Götter,
Und bannen die Herzen.
Im Götterspiele
Von Welle zu Welle
Des kühnen Geschlechts
Entblättern freier
Und immer gelöster
Die Hüllen der Frucht.
Und immer wieder,
Und nimmer müde
Zurück zur Quelle,
Dem Gange zu lauschen
Der pulsenden Welle,
Findet mein Fuß.
Sehnt Euch, zu ruhen
Von Los und Geschick,
Ihr ewigen Mütter?
Über die Grenzen
Der Ewigkeiten
Weitet den Blick:
Einmal entbunden
Dem Lichte — das Leben
Muß sich entfalten
Im Nehmen und Geben!
Jahr: 1944
@DeutscheDD
Aufrecht und stolz,
zu jedem persönlichen Opfer bereit sein,
der Not und Gefahr kühn ins Auge schauen,
heißt:
deutsch sein!
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten
Arme reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor!
Wir schreiten ernst, wir schreiten still,
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit.
Ein Volk, das sich zusammenlitt,
Ein Volk, das um die Sterne stritt
Ein Volk, in dem die Seele rang
Um den Untersterblichkeitsgesang.
Ein Volk, das sich in Demut bog,
Ein Volk, das heiß zum Sturme flog,
Ein Volk, das irrend sich verlor
Und doch noch fand zum großen Tor.
Wir schreiten ernst, wir schreiten still.
Es weiß das Herz, wohin es will.
Der Weg ist hart, der Weg ist weit,
Wir schreiten in die Ewigkeit!
Es pfeift im Hagedorn,
Laut ächzt es in den Föhren,
Da läßt sein schmetternd Horn
Der wilde Jäger hören.
Hoch droben durch die Schlucht
Der sturmzerriss'nen Wolke
Jauchzt er in wilder Flucht
Vorbei mit seinem Volke.
Er schwingt den Eschenschaft
In erzgewalt'gen Händen,
Und Lebensüberkraft
Flammt in des Auges Bränden. -
Der du verschmäht die Rast
Des Himmels und des Grabes,
Der du begehrt die Last
Des ew'gen Wanderstabes,
Ruf' mich in Sturm und Nacht
Empor, dich zu geleiten
Auf wilder Lebensjagd
Durch alle Ewigkeiten.
Die Seel' erstickt in mir,
Denk' ich der Gruft, der engen,
Und tobend möcht' ich schier
Des Todes Fesseln sprengen.
Endlose Lebenslust,
Nein! du sollst nicht verrauchen,
Nicht elend in den Wust
Des Staubes untertauchen.
Wenn über meiner Gruft
Die Frühlingswinde pfeifen,
Wenn wirbelnd in der Luft
Die falben Blätter schweifen;
Dann bannt auch mich nicht mehr
Der dumpfe Totenhügel,
Dann jag' auch ich daher
Auf freiem Sturmesflügel!
Die Weihnachtszeit kam nun heran.
Es herrschte bittere Kälte, kaum Brennmaterial war im Haus, unsere Pumpe eingefroren, und an den Fenstern blühten Eisblumen, die heute wohl kein Kind mehr kennt.
Heimlich schleppten wir aus dem Wilden Moor einen Tannenbaum herbei und stellten ihn in
das einzige warme Zimmer.
Dort wollten alle am Weihnachtsabend zusammenkommen.
Ich bastelte Strohsterne und buk Kringel, Brezel und andere Figuren aus Wasserteig für den Baum. Jeder trug etwas bei zum Fest:
Der nette Herr M. war lange mit dem Rad hinter einem Rübenwagen hergefahren, bis endlich eine Rübe herunterfiel, die er meiner Mutter feierlich überreichte. Der Nachbar brachte zwei seiner geschnitzten Löffel, unser Milchmann füllte etwas mehr Milch in die Kanne, die Kaufmannsfrau spendete ein Stück Einheitsseife, und unser Apotheker steckte meiner Mutter Formamint Tabletten zu.
Die waren eigentlich gegen Halsschmerzen gedacht, wurden von uns aber gern als süße Lutschbonbons verzehrt.
Ich hatte Glück und entdeckte in einer Buchhandlung Andersens Märchen.
Nun war es soweit!
Der Baum stand in einem alten Wagenrad, geschmückt mit den Strohsternen, dem braunen Gebäck, Kerzenresten aus vergangenen Jahren und den Märchenfiguren, die wir im Krieg für das
Winterhilfswerk verkauft hatten.
So wirkte unser Weihnachtsbaum in seiner Schlichtheit feierlich und schön.
Das kleine Zimmer füllte sich langsam.
Alle Hausbewohner waren erschienen, um gemeinsam das erste Weihnachten im Frieden zu feiern. Ein seltsames Gefühl:
Dankbarkeit, wieder zu Hause zu sein, mit den Heimatvertriebenen zu fühlen und Sehnsucht zu spüren nach Licht und Freude.
Plötzlich ein Klopfen an der Tür!
Ich öffnete.
Ein junger Soldat trat ins Haus, der Sohn des Herrn M. – er kam aus einem Internierungslager.
Nun war er in unserem Kreis, und das war eine große Weihnachtsfreude.
Wir fassten uns an den Händen, sangen die alten Lieder und konnten die Tränen nicht zurückhalten.
Dann fand meine Mutter ein paar aufmunternde Worte und bat zu Tisch.
Was wir gegessen und getrunken haben, weiß ich nicht mehr, die geschenkte Rübe war aber sicher dabei.
Die Stühle reichten nicht, und so holten wir Wehrmachtshocker aus der Küche.
Soldaten einer Sperrballonstellung hatten sie uns bei Kriegsende geschenkt. Ich hatte sie leuchtend rot angestrichen, und mit ihrer Farbe verschönten sie das Weihnachtszimmer.
Nach dem Essen nahm ich mein neues Märchenbuch und las Die Geschichte vom Tannenbaum. Am Abend, als meine Mutter und ich ins Bett gehen wollten, hockten zwei Feldmäuschen im Baum und freuten sich über die Wasserkringel. Die schlimme Kälte hatte sie ins Haus getrieben.
Dieser Weihnachtsabend im Jahr 1945 bleibt unvergessen.
Kurz und bescheiden war das Fest, aber dennoch spürte man Hoffnung, Zuversicht und Liebe.
Ich wollte, ich könnte meiner Mutter noch einmal danke sagen!
Jahr: 1945
Nun brennen die Kerzen wieder
In stiller, heiliger Nacht,
Und die alten vertrauten Lieder
Sind uns wieder erwacht.
Berge und Wiesen und Wälder
Sind wie daheim verschneit,
Draußen läuten über die Felder
Granaten das Lied der Zeit.
Wir träumen uns in die Ferne,
Ferne Heimat hinaus,
Und stehen am Himmel die Sterne,
Ist unser Herz zu Haus.
So hebt uns die eine Stunde
Ganz aus dem harten Gescheh'n,
Als dürften wir all in der Runde
Euch heimlich ins Fenster seh'n.
Leise verklingen die Lieder,
Mögt ihr in Frieden ruh'n
Wir aber gehen wieder
Draußen auf Posten nun!
1945 kehrte ich aus dem Kriegseinsatz in meine Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein zurück.
Ich diente als RAD-Flakhelferin in Hannover und Greifswald.
In Hannover waren 70 Kameradinnen einem gezielten Bombenangriff zum Opfer gefallen.
Dieses grauenvolle Erlebnis werde ich nie vergessen.
Aber nun war ich bei meiner Mutter und unser Häuschen war unversehrt geblieben.
Bevor ich zu meiner Weihnachtsgeschichte komme, möchte ich noch einiges erzählen:
Das kleine Haus war voller Menschen, Flüchtlinge aus dem Osten, keine Zwangszuweisungen, nein, meine Mutter nahm alle auf, die in Not waren.
Sie selbst schlief auf einem alten Sofa unter der Dachschräge.
Viele Namen und Gesichter habe ich vergessen, es war ein Kommen und Gehen.
Ich weiß aber, daß eine Mutter mit ihrem kleinen Kind bei uns wohnte, ebenfalls ein netter Herr M. mittleren Alters, und in der Werkstatt meines verstorbenen Vaters hatten wir einen älteren Opernsänger untergebracht.
Ich habe das Ausmaß der Not der Heimatvertriebenen damals nicht in seiner ganzen Tragweite erfasst.
Ich war zu Hause, die Mitbewohner waren nett, manchmal sogar fröhlich, und meine Mutter hielt alles zusammen mit ihrem Humor und ihrer Güte.
In der Küche kochten wir abwechselnd auf der Kochhexe.
Wir sammelten Holz, standen beim Schlachter an, um eine Kanne Brühe zu bekommen, nähten Kleider aus Gardinen, Mäntel aus Decken und pflückten Schafwolle von den Zäunen.
Wir aßen oft Brotsuppe, und manchmal stand am Sonntag eine Kaffeetorte auf dem Tisch, gebacken aus Mehl, Magermilch und Kaffee-Ersatz.
In meinem Schulkochbuch gab es einige wohlschmeckende Kriegsrezepte, dazu fehlten aber die Zutaten.
Das Fallobst aus unserem Garten verarbeiteten wir gemeinsam zu Apfelringen, die wir zum Trocknen auf eine Leine zogen.
Es war beim schwachen Schein der Haushaltskerzen fast gemütlich.
Einige der Flüchtlinge fanden Angehörige und verließen uns.
Unser Nachbar schnitzte Holzlöffel und Wäscheklammern und baute Stahlhelme um zu Sieben und Kochtöpfen.
Wer geschickt war, konnte aus Binsen Hausschuhe flechten und aus aufgeräufelten Baumwolldecken Kniestrümpfe stricken.
Ich bastelte Holzspielzeug, da meine Mutter eine lange Zeit keinen Rente bekam.
Auch Puppenköpfe schnitzte ich, und meine Mutter und die Flüchtlingsfrauen nähten Körper und Kleider für die Puppen.
Dafür bekam ich etwas Geld oder Eier und einen Topf Milch.
Unsere alte geliebte Kaffeemühle brachte ich in die Tauschzentrale und erhielt dafür Sägeblätter, die ich dringend für meine Werkarbeit benötigte.
Im Nachbardorf Westerrönfeld gründeten wir bald eine Gymnastik- und Volkstanzgruppe.
Wir jungen Menschen brauchten Frohsinn und Beschäftigung in der Gemeinschaft.
In unserer Sportgruppe fanden nun Flüchtlinge und Einheimische zusammen.
Es entstanden Freundschaften, die heute noch Gültigkeit haben.
Nach den Zusammenkünften, es gab auch einen Singkreis, schlichen wir gebückt über die Heide. Die Besatzer hatten Sperrstunde verhängt.
Beim Kanalmeister durfte ich ab und zu, ebenfalls gebückt, einen Handwagen voll Kohlen abholen. Das war ein wunderbares Geschenk für uns alle.
Jahr: 1945